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Inchenhofen

23.08.2018

Schnellmannskreuther forscht im Roßmoos

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4 Bilder
Michael Schmid aus dem Pöttmeser Ortsteil Schnellmannskreuth hat für seine Seminararbeit an der FOS/BOS Neusäß im Zweig Agrarwirtschaft, Bio- und Umwelttechnik das Roßmoos bei Inchenhofen erforscht.
Bild: Claudia Mokosch

Der 20-jährige Michael Schmid hat eine Seminararbeit über das Niedermoor bei Inchenhofen geschrieben. Dafür erhielt er eine Auszeichnung von seiner Schule.

Wie funktioniert Umweltschutz konkret vor Ort? Welche Beispiele gibt es für Nachhaltigkeit? Mit diesen Fragen sollte sich Michael Schmid aus dem Pöttmeser Ortsteil Schnellmannskreuth in seiner Seminararbeit auseinandersetzen, die er an der FOS/BOS Neusäß im Zweig Agrarwirtschaft, Bio- und Umwelttechnik im Fach Biologie schrieb.

Der 20-Jährige suchte nach einem passenden Projekt und stieß schließlich auf das Roßmoos bei Inchenhofen. Zu dem heimischen Niedermoor hat er einen ganz persönlichen Bezug. „Meine Eltern brachten mich darauf“, erzählt er. Seine Familie habe dort früher sogar Grund besessen, den sie Mitte der 1990er-Jahre für ein Renaturierungsprojekt verkaufte. Genau mit dessen Auswirkungen beschäftigte sich Schmid in seiner Arbeit.

Für seine Beobachtungen, die strukturierte Aufarbeitung der Ergebnisse und seine übersichtliche Darstellung der geschichtlichen und biologischen Entwicklung des Roßmooses erhielt Schmid nicht nur die volle Punktzahl bei der Note 1. Er erhielt außerdem bei der Abschlussfeier Mitte Juli als einer von vier unter circa 100 Abschlussschülern eine Auszeichnung seiner Schule.

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Beeindruckende Detailaufnahmen

Für seine Seminararbeit musste der 20-Jährigefast ein Vierteljahr lang die Insekten und Kleintiere im Roßmoos genau beobachten. Dabei machte er viele Fotos, darunter beeindruckende Detailaufnahmen. Vor allem die Libellen beeindruckten ihn: „Faszinierend fand ich vor allem die rasche Fortpflanzung und den Artenreichtum der Libellen im Roßmoos“, erzählt er. Schnell wurde ihm auch klar, dass jedes Tier seinen bestimmten Platz im Moor hat – abhängig von Futterangebot und Nistmöglichkeiten. Daher wählte er drei unterschiedliche Beobachtungsstellen.

Vor allem die Libellen faszinierten ihn während seiner Arbeit. Bald fiel Schmid auf, dass in dem Niedermoor jedes Tier seinen Platz hat.

Als schwierig erwies sich zunächst die Quellenarbeit außerhalb des Internets. Denn über das Roßmoos oder andere Niedermoore fand Schmid wenig Schriftliches. „Schließlich stieß ich aber auf verschiedene Infoflyer von Umweltbehörden, Landratsamt und Umweltorganisationen, die mir weiterhalfen.“ Auch ein Buch über das Roßmoos und die dort aufgestellten Tafeln lieferten ihm hilfreiche Informationen. Mit Georg Wenger von der Unteren Naturschutzbehörde und Rainer Roos aus Inchenhofen stieß er im Internet auf Kontaktpersonen, die er zu dem Niedermoor befragen konnte.

Nach der Beobachtungsphase und zum Teil schon parallel dazu musste der 20-Jährige die Ergebnisse schriftlich zusammenfassen, ehe er im Januar seine Seminararbeit abgab. Die Arbeit daran habe ihm wirklich Spaß gemacht, erzählt Michael Schmid. „Ich wusste gar nicht, dass es hier in unmittelbarer Nähe einen so interessanten Ort gibt, und auch die meisten meiner Klassenkameraden hatten zuvor noch nichts vom Roßmoos gehört.“

Hat sich die Renaturierung bewährt?

Was macht nun ein Niedermoor wie das Roßmoos bei Inchenhofen so besonders? Niedermoore stehen in Kontakt zum Grundwasser und werden deshalb gut mit Nährstoffen versorgt. Sie sind Orte extremer biologischer Vielfalt und übernehmen für das Grundwasser eine Filterfunktion. Außerdem binden sie wesentlich mehr Kohlenstoffe als Wälder und dienen darüber hinaus als Hochwasserschutz, da sie sich zu 95 Prozent mit Wasser vollsaugen können. Das Roßmoos entstand vermutlich im Tertiär – einem Erdzeitalter, das drei bis 65 Millionen Jahre zurückliegt. Vor circa 200 Jahren wurde das Moor in den Niederungen entwässert, um es als Ackerland nutzbar zu machen, was sich später jedoch als ungeeignet herausstellte.

1996 wurden Renaturierungsmaßnahmen eingeleitet, um das Moor möglichst wieder in seinen ursprünglichen Zustand zu versetzen. Dazu wurden einige Dränagegräben verschlossen, gesonderte Bewirtschaftungsregeln aufgestellt und die geschützten Flächen gepflegt. Möglich wurde all das durch Fördergelder und das große Engagement und Fachwissen vieler unterschiedlicher Personen – unter anderem vom Landkreis und dem Landschaftspflegeverband.

Hat sich die Renaturierung bewährt? „Nach etwa 20 Jahren Renaturierung der Niedermoorflächen zeigen sich zumindest einzelne Teilerfolge“, so Michael Schmid. „Es siedeln sich bereits wieder geschützte Pflanzen an und der Artenreichtum der Insektenwelt hat zugenommen.“ Die Moorflächen selbst erholten sich jedoch nur langsam. Weil der Grundwasserspiegel abgesunken ist, ist der Torfboden nur noch etwa 1,5 Meter dick.

Gemeinde Inchenhofen plant Ausstellung im Rathaus

Demnächst soll auch die Öffentlichkeit die Ergebnisse von Schmids Seminararbeit und seine Fotos zu sehen bekommen. Die Marktgemeinde Inchenhofen plant eine Ausstellung im Rathaus, um über das Naturgebiet zu informieren.

Wie es für ihn selbst beruflich weitergeht, weiß Michael Schmid noch nicht: „Aber mich interessiert der Bereich Lebensmitteltechnik. Vielleicht bekomme ich ja da eine Chance auf einen Ausbildungsplatz.“

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