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Literatur

07.03.2018

Schriftstellerin Margit Ruile: Wenn Fiktion Wirklichkeit wird

Margit Ruile bei der Lesung im Aichacher Gymnasium: Den Begriff „Fake News“ haben fast alle Schüler schon einmal gehört, das Erscheinen von „God’s Kitchen“ vor ihr auf dem Tisch dagegen steht noch bevor.
Bild: Herbert Künz

Schriftstellerin Margit Ruile greift bei ihrer Lesung aus ihrem Krimi „Dark Noise“ ein modernes Thema auf und stellt dabei Schülern des Aichacher Deutschherren-Gymnasiums eine Gewissensfrage. Das Ergebnis erstaunt.

Ein Retuscheur bekommt über eine anonyme Mail den Auftrag, in kurzer Zeit das Video aus einer Überwachungskamera zu manipulieren. Er nimmt die Herausforderung an, ohne groß über den Inhalt nachzudenken. Kurz darauf lernt er eine Hackerin der Gruppe „Dark Noise“ kennen und stellt außerdem fest, dass er mit dem Video geholfen hat, einen Mord zu vertu-schen.

Die Schriftstellerin Margit Ruile, deren Familie aus Klingen (Aichach) und Sielenbach stammt, liest am Aichacher Deutschherren-Gymnasium auf Einladung von Fachbetreuer Michael Lang vor den achten und neunten Klassen in zwei Lesungen aus ihrem Krimi „Dark Noise“. Als ehemalige Regie-Assistentin und Filmhochschul-Dozentin kennt sie sich mit Filmen und deren Gestaltungsmöglichkeiten aus.

Inzwischen ist sie allerdings vom Film zum Bücherschreiben gewechselt, weil das der Fantasie noch mehr Möglichkeiten bietet, wie sie findet. So kann sie die Szenen im Kopf ihrer Leser und Zuhörer entstehen lassen, anstatt dass diese im Film in konkrete Bilder umgesetzt und mühsam gedreht werden müssen.

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In ihren beiden Lesungen fragt Ruile die Zuhörer unschuldig: „Hättet ihr den Auftrag angenommen?“ Die Bereitschaft dazu hängt offenbar von Kleinigkeiten ab, denn die Ergebnisse unterscheiden sich deutlich: Während sich in der ersten Lesung immerhin etwa 50 der 100 Zuhörer vom angebotenen Honorar hätten locken lassen und auch Ideen zur Umsetzung hätten, wären in der zweiten Lesung bei gleicher Fragestellung nur sechs von nochmals 100 Schülern dazu bereit gewesen.

„Dark Noise“: Darum geht es

Dazu passt indes, dass sich die Hauptperson Zafer ohnehin in der virtuellen Welt seiner Filme und Retuschen weit wohler fühlt als in der realen, wo er ohne Jacke nass wird und mangels Bargeld nichts zu essen kaufen kann. Dazu passt auch die ruhige, warme Stille der Autorin, die ebenso gut Märchen erzählen könnte. Die Fragen der Schüler gehen in verschiedene Richtungen: So wird nach Ruiles Informationsquellen ebenso gefragt wie nach den Anfängen ihres Schreibens.

Auf inständiges Bitten liest Ruile daraufhin „zum ersten Mal“ vor Publikum aus ihrem Erstlingswerk, das sie als Elfjährige von Hand für ihre Klassenkameradinnen aufschrieb und das an gängige Internatsgeschichten früherer Schülergenerationen erinnert. Für das damalige Alter der Autorin zeugt allerdings bereits dieser erste literarische Gehversuch von beachtlichem Talent.

Auf die Frage nach ihrem Umsatzanteil an jedem verkauften Buch fragt Ruile indes zuerst einmal zurück und lässt die Zuhörer schätzen: Während einige Schüler mit 50 Cent bis 1,50 Euro sehr nahe an der Realität von einem Euro pro Buch liegen, sind andere Schätzungen von bis zu zehn Euro doch mehr ein Wunschtraum jedes Autors, zumal die bisher 8000 verkauften Exemplare das Ergebnis eines ganzen Jahres Arbeit sind.

In „Dark Noise“ wechselt Zafer die Seiten und unterstützt den Kampf der Hacker gegen das Unternehmen, das nicht nur überall Überwachungskameras aufhängt, sondern andererseits gegen hohe Beträge auch deren Ergebnis wunschgemäß manipuliert. Während aber Überwachungskameras mit automatischer Personenerkennung bei der Entstehung des Buches vor gut einem Jahr in Deutschland noch Zukunftsmusik waren, kann Margit Ruile den Zuhörern nunmehr bereits berichten, wie der erste Versuch damit an einem großen Berliner S-Bahnhof Realität geworden ist. (AN)

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