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Aichach-Friedberg

23.01.2019

Triathlet, Trainer und mehr: Das Leben des Tibor Bolváry

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Wasser ist nur ein Element von Tibor Bolváry: Der 66-Jährige ist Triathlet und war früher sogar in der ungarischen Nationalmannschaft. Mehr als 40 Stunden trainierte er zu Hochzeiten pro Woche, bis ein Unfall seinen Traum vom Ironman auf Hawaii zerstörte. Der gebürtige Ungar, der 1989 nach Deutschland kam, kämpfte sich aber nach anderthalb Jahren Pause zurück.
Bild: Sebastian Richly

Plus Triathlet Tibor Bolváry gehörte zur ungarischen Nationalmannschaft. Ein Unfall beendete seinen Traum von der WM. Das hielt den Allenberger aber nicht auf.

Wie vielen Kindern Tibor Bolváry das Schwimmen beigebracht hat, weiß der gebürtige Ungar nicht. „Mehrere Hundert“, schätzt der 66-Jährige. Der Allenberger arbeitete rund fünf Jahre als Schwimmtrainer in Augsburg, später gründete er in Aichach-Friedberg den Schwimm- und Triathlonverein AKIA. Doch nicht nur dem Nachwuchs brachte der studierte Sportlehrer einiges bei, bei der Volkshochschule gibt er seit vielen Jahren Kurse. Die Liste ist lang. Von Aqua-Fitness, über Schwimmkurse bis hin zur Männergymnastik – Sport nimmt einen großen Teil der Woche ein.

Das war früher nicht anders, nur dass Bolváry selbst um Meisterschaften kämpfte. Zwei Mal wurde der Budapester Ungarns Triathlet des Jahres. Er gewann mehrere nationale Titel. Dabei war Bolváry bei seinem ersten Triathlon schon Ende 20. Zuvor war er als Hammerwerfer aktiv. „Dafür war ich eigentlich zu schmächtig, aber durch meine Technik habe ich viel wettgemacht.“ So wurde Bolváry Sechster bei der Jugend-Europameisterschaft. Über das Laufen kam er dann zum Triathlon. „Ich habe dann zufällig damit angefangen und gemerkt, wie gut mir das tut.“

Tibor Bolváry war ein erfolgreicher Triathlon bis ein Unfall den Traum von der WM zu nichte machte. Heute gibt der 66-Jährige viele Kurse bei der Volkshochschule Aichach. Der Allenberger wird aber bald wieder in seine heimat zurückkehren.
Video: Sebastian Richly

Sportporträt: Allenberger kann anderthalb Jahre keinen Sport machen

Das war 1980 – nur drei Jahre später absolvierte er seinen ersten Marathon. „Ich war frei und konnte die Alltagssorgen vergessen. Das Laufen war mein Psychologe.“ Zu seinen Hochzeiten legte Bolváry 225 Kilometer pro Woche zu Fuß zurück, doch das reichte ihm nicht. Irgendwann kamen Radfahren und Schwimmen dazu. Rund 45 Stunden trainierte er für seinen Traum pro Woche. Vor der Arbeit ging er zum Schwimmen, in der Mittagspause eine Stunde Laufen und nach der Arbeit stieg er noch aufs Rad. Sein großer Traum war die Triathlon-Weltmeisterschaft, der Ironman auf Hawaii. Bolváry gehörte sogar der ungarischen Nationalmannschaft an, auch wenn er mittlerweile in Augsburg lebte. Damals arbeitete er als Hausmeister in Oberhausen. Zusammen mit seiner damaligen Frau war er 1989 nach Deutschland gekommen.

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Bolváry hatte schon das Geld für Hawaii gespart, doch dann platze der Traum. Bei einen Wettbewerb in Budapest folgte der in Führung liegende Bolváry dem vorwegfahrenden Polizeiauto über eine Kreuzung, als ihn ein Auto vom Rad fuhr. Der damals 41-Jährige wurde durch die Luft geschleudert und erlitt schwere Verletzungen. Mit gebrochenem Schlüsselbein und einem offenen Bruch des linken Unterschenkels wurde er ins Krankenhaus gebracht. „Dabei hatte ich noch Glück, ich hätte auch tot sein können“, so der Ungarn, der danach anderthalb Jahre krank geschrieben war. „Das hat mich seelisch stark belastet.“ Doch aufgeben kam für ihn nicht in Frage. Mit einer Mülltüte um den Fuß begann er wieder zu Schwimmen. Bald war er auch wieder erfolgreich bei Wettbewerben unterwegs, doch an seine Leistungen vor dem Unfall konnte er nicht mehr anknüpfen.

Auch weil er mittlerweile viel Zeit und Energie in seine Trainertätigkeit steckte. Zu verdanken hat er das Tochter Martina. Die war Ende der 90er Jahre im Augsburger Schwimmverein. Als Tibor Bolváry kaum Fortschritte bei seiner Tochter feststellte, zeigte er ihr kurzerhand, was zu tun ist. Schon nach wenigen Tagen durchschwamm die damals Siebenjährige mühelos das große Becken. Die Vereinskameraden waren derart begeistert, dass sie Bolváry kurzerhand zum Trainer machten. In dieser Zeit legte Bolváry seinen Beruf als Hausmeister nieder und ging erneut an die Universität. In München studierte er Pädagogik.

Unzählige Kurse hat der Allenberger bei der Volkshochschule Aichach (hier Gymnastik) seit 2001 gegeben. Im Sommer kehrt er zurück in seine Heimat
Bild: Ibolya Feher

Warum Tibor Bolváry das Wittelsbacher Land verlässt

2001 hörte er dann als Vereinstrainer auf, doch der umtriebige Ungarn suchte sich gleich die nächste Herausforderung und fragte bei der Volkshochschule Aichach nach, ob er nicht Kurse geben könnte. „Mein Deutsch war nicht sehr gut, aber meine Referenzen haben anscheinend überzeugt.“ Bolváry ging bewusst in den Landkreis Aichach-Friedberg. „Ich habe mich in der Stadt nicht so wohl gefühlt. Ich brauche Platz.“ Später zog er dann nach Inchenhofen und machte sich als Bauunternehmer selbstständig. Seit einigen Jahren ist er im Schiltberger Ortsteil Allenberg zuhause. Aqua-Gymnastik gibt Bolváry heute noch. Allerdings nur noch bis Sommer, dann kehrt der Ungar zurück in seine Heimat. „Mir war immer klar, dass ich eines Tages zurückkomme. Ich bin jetzt in Rente und werde gemeinsam mit meiner Frau nach Budapest ziehen. In dasselbe Haus, in dem ich schon als Kind gewohnt habe.“ Wer all die Kurse weiterführen wird, weiß er nicht. Ungewiss ist auch die Zukunft des Schwimmvereins AKIA. „Eigentlich schade, denn wir wollten eine Lücke schleißen. Im gesamten Aichacher Raum gab es keinen Verein.“ Allerdings entwickelte es sich nicht so, wie Bolváry gehofft hatte. „Wir konnten nur einmal pro Woche trainieren. Das reicht nicht, um an Wettkämpfen teilzunehmen.“

Doch wie schon so oft blickt der 66-Jährige lieber nach vorne. Was er künftig mit seiner Freizeit anfangen wird. „Ich bin immer noch fit. Ich werde wieder mehr Sport treiben. Vielleicht nehme ich auch noch einmal den Ironman auf Hawaii in Angriff.“ Seinen Traum verfolgt der Noch-Allenberger nach wie vor. Und wenn nicht, wartet noch eine andere Aufgabe. „Ich habe ein unfertiges Haus am Plattensee. Das werde ich zunächst fertigbauen.“

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