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Josef Plöckl

01.03.2019

Was der Spargel-Papst in über 43 Jahren alles erlebt hat

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Josef Plöckl war über 40 Jahre lang Vorsitzender des Spargelerzeugerverbands.
Bild: Erich Echter (Archiv)

Josef Plöckl aus Schrobenhausen legt den Vorsitz beim Spargelerzeugerverband nieder. Wie der 75-Jährige beim Testessen in Aichach einst die falschen Stangen lobte.

Er hätte jetzt Zeit, Zeit für mehr Muße, Zeit fürs Altenteil, Zeit zum Spargel-Genuss. Doch Nichtstun ist kein erstrebenswerter Zustand für den Plöckl Sepp. Der 75-Jährige ist nach wie vor Wirt, Volksfest- und Soba-Mitorganisator. Seine Mission als Gesandter des Schrobenhausener Spargels ist allerdings offiziell beendet: Er hat „abgedankt“ und nach über 43 Jahren nicht mehr für den Vorsitz des Spargelerzeugerverbandes Südbayern kandidiert. Seine Nachfolge hat eine Frau angetreten, Claudia Westner aus Haslangkreit (Markt Kühbach) war bisher schon seine Stellvertreterin. Als Berater, etwa beim Marketing, will Josef Plöckl dem Verband freilich erhalten bleiben.

Heute hat der Spargel-König oder wahlweise auch Spargel-Papst Zeit und sitzt am frühen Vormittag in der Stube im Gasthof Stief, den er seit 17 Jahren zusammen mit seiner Ehefrau Martha Stief betreibt. Den Spargelerzeugerverband (siehe Kasten) hat Plöckl mit sieben Mitstreitern selbst gegründet. „Wir sind draufgekommen, dass man Werbung braucht. „Denn“, das weiß der gewiefte Geschäftsmann, „wer nicht wirbt, der stirbt.“ Das war 1975, die Marke „Schrobenhausener Spargel“ war erfunden und Plöckl damals schon Bürgermeister von Waidhofen.

Zudem war er Landwirt, seit er Mitte der 60er-Jahre nach dem Ausscheiden als Zeitsoldat den elterlichen Hof übernommen hatte. „Ich hatte keine Ahnung, von nix. Ich hab’ nicht einmal einen Pflug einstellen können. Da wirst du erfinderisch“, erzählt er und schmunzelt. „Zum Beispiel haben wir uns statt der Kopf- die Reihenspritzung ausgedacht, also statt nur einer mehrere Düsen am Sprühgerät. Das ist heute längst Standard, leider haben wir’s uns nicht patentieren lassen.“

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Seine Zeit als Schrobenhausener Bürgermeister

Hemdsärmeligkeit war schon immer ein Markenzeichen von Josef Plöckl. Und er ist weit damit gekommen, bisweilen ging er aber zu weit. Ein tiefes Wellental durchschritt er am Ende seiner neunjährigen Amtszeit als Bürgermeister von Schrobenhausen. 2005 musste er – das Landgericht Ingolstadt hatte ihn wegen Untreue verurteilt – als Rathauschef zurücktreten. „Der Erfolg hat viele Väter, der Misserfolg ist eine Vollwaise“, sagt Plöckl heute lakonisch über diese Zeit.

Ein anderes Mal kam ihm seine Schlitzohrigkeit zupass. Die Tschernobyl-Katastrophe traf 1986 die Spargelbauern mit voller Härte. „Das war ein Desaster, niemand wollte mehr Spargel essen.“ Deshalb machte er sich persönlich auf den Weg zum Kernkraftwerk nach Gundremmingen. Dort gab es Geigerzähler und das nötige Know-how. Er ließ nachmessen und bekam ein Gutachten, das die Unbedenklichkeit bestätigte.

Damit begab er sich ins Ministerium nach München, um sich eine offizielle Bescheinigung ausstellen zu lassen. Doch niemand habe ihm die geben wollen. Lediglich ein Briefkopfmuster des Ministeriums habe er mit Unschuldsmiene ergattern können. Damit brauste Josef Plöckl flugs zurück ins Rathaus seiner VG und ließ Hunderte von Kopien machen, nachdem er sich seine Unbedenklichkeitsbescheinigung einfach selbst ausgestellt hatte. „Dann haben die Leute wieder Spargel gegessen und keiner hat was gesagt“, freut er sich noch heute diebisch über diesen dreisten Coup.

Spargel stechen auf der Zugspitze

Als Verbandsvorsitzender ist Plöckl viel herumgekommen und kann noch so manche Anekdote erzählen. Etwa über symbolische Spargelanstiche im Hotel Kempinski am Münchener Flughafen, wo man einen vorbereiteten Spargel-Bifang auf Brettern in die Hotellobby zog, oder einen Anstich mit der damaligen Biathlon-Weltmeisterin Magdalena Neuner auf der Zugspitze. Die Spargelstangen hatte man dazu in den Schnee gesteckt.

Unvergessen sind Josef Plöckl die Besuche in der Staatskanzlei, als dort noch Franz-Josef Strauß regierte. FJS habe meist einen Einflüsterer zur Seite gehabt, der ihm Wichtiges zutrug. In seinem Beisein habe Strauß einmal laut geantwortet: „Was, eine chinesische Delegation kommt zu uns? Ja, was geben wir denen denn zu essen?“ Josef Plöckl war natürlich nicht um eine Antwort verlegen. „Schrobenhausener Spargel“, sei er herausgeplatzt. Und so kam Asparagus auf den Teller.

Aus freien Stücken habe er jetzt die Führung bei den Spargelerzeugern abgegeben. Nicht aus Altersgründen, wie Plöckl betont, sondern weil er kein Praktiker mehr sei. „Und man muss einer sein, um so einen Verband zu führen. Es ändert sich dauernd etwas, bei den Düngemitteln oder den Spritzverordnungen. Wenn mich einer was fragt und ich sag’, ich weiß es nicht. Was ist das für ein Verband? Da ist es besser, aufzuhören.“ 84 Mitglieder zählt der Verband derzeit noch, davon 68 Erzeugerbetriebe.

Das Anbaugebiet erstreckt sich vom Kreis Pfaffenhofen über den Schwerpunkt im südlichen Teil von Neuburg-Schrobenhausen bis ins Wittelsbacher Land hinein. Im Kreis Aichach-Friedberg waren zuletzt rund 20 Betriebe Mitglied im Verband und ein Teil davon darf die geschützte Spezifikation „Schrobenhausener Spargel“ verwenden. Um diese Zertifizierung immer wieder zu erhalten, müssen die Anbaubetriebe von der Europäischen Union (EU) festgesetzte Kontrollvorgaben umsetzen. Die Mitgliederzahlen sind rückläufig, die Spargelanbaufläche ist gegenüber dem Vorjahr jedoch konstant geblieben. Insgesamt seien 618 Hektar gemeldet, hatte Verbandsgeschäftsführer Peter Strobl auf der jüngsten Mitgliederversammlung mitgeteilt.

Begonnen habe man mit 424 Mitgliedern, erinnert sich Josef Plöckl. „Die Bauern sind weniger geworden, die Anbauflächen dafür umso größer.“ Er selbst habe anfangs drei Hektar bestellt, später seien es 15 gewesen. „Das war damals viel, heute haben wir Bauern, die haben 100 Hektar.“ Die Konkurrenz ist heutzutage groß geworden, auch wenn man sich der ausländischen Konkurrenz aus klimatisch bevorzugteren Regionen erfolgreich erwehren konnte. „Auf die Herkunft kommt es an“, ist ein Slogan des Verbands. „Regionalität hat heute wieder eine große Bedeutung.“ Franzosen und Holländer habe man bekämpft, alleine die Griechen gebe es noch auf dem hiesigen Markt. Heute macht der bayerische Marktführer Lohner mit Sitz in Inchenhofen, der auch auf beheizte Folientunnel setzt, um seine Ware möglichst früh auf den Markt zu bekommen, den konventionellen Spargelbauern zu schaffen. „Früher hat es immer zu wenig Spargel gegeben. Seit es die Folie gibt, ist das anders“, weiß Josef Plöckl.

Er schwört übrigens Stein und Bein, dass selbst Feinschmecker den Unterschied zwischen Folienspargel und Stangen aus unbedeckten Mieten nicht herausschmecken können. Einmal habe er einen Test gemacht mit der Leiterin des Hauswirtschaftszweigs an der Landwirtschaftsschule. Die Dame sei sehr von sich überzeugt gewesen – und glatt durchgefallen. „Das war für die ein Weltuntergang.“

Der Werbefeldzug vor laufenden Kameras geht in die Hose

Es gibt aber auch die bis heute gerne verbreitete Geschichte, als der Spargel-Papst bei einem Testessen sein eigenes Edelgemüse in Sachen Geschmack auf den letzten Platz wählte. Es hätte vor 15 Jahren ein Werbefeldzug für den Spargel werden sollen und wurde zum Reinfall vor laufenden Fernsehkameras. Plöckl nahm damals als Vorsitzender des Erzeugerverbandes zusammen mit der amtierenden Schrobenhausener Spargelkönigin aus Rehling nach der Eröffnung des Spargelmarktes auf den Stadtplatz an einem ultimativen Test des Fernsehsenders Pro Sieben im Gasthof Wagner in Untergriesbach (Stadt Aichach) teil.

Er setzte das Edelgemüse aus den heimischen Bifängen im Vergleich mit den Stangerln aus Polen, Ungarn, Griechenland und Belgien als Schlusslicht und wähnte die Konkurrenz aus Polen in der Kostprobe, als „Schrobenhausener“ und auf Platz eins. Aber Plöckl wäre nicht Plöckl, wenn er den TV-Leuten nicht noch eine blitzsaubere Erklärung für seinen Geschmacksirrtum aufgetischt hätte: Manche polnische Spargelhöfe hätten „den Sand von uns ...“ Dabei wunderten sich nicht nur erfahrene Spargelköche, warum der „Papst“ überhaupt zu diesem Test angetreten war. Denn: Ist der Spargel erst gekocht, sei eine Unterscheidung nahezu unmöglich.

Josef Plöckl isst das Stangengemüse übrigens gerne als Salat und am liebsten mit heißer Butter. Die Stangen dürfen aber ja nicht verkocht sein, „der Spargel muss Biss haben. Und dazu einen guten, trockenen Weißwein.“ Für die Zubereitung von Grünspargel, der zuletzt immer beliebter geworden ist, hat er einen Tipp parat: „Er muss unten geschält und dann stehend gekocht werden. Die Spitzen sind so zart, dass sie sonst zerfallen.“ Und welchen Preis sollte man für den Gipfel der Genüsse bezahlen? „Acht bis zwölf Euro fürs Kilo“, sagt Josef Plöckl. Das sei fair, damit hätten die Spargelbauern ein Auskommen.

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