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Aichach

07.12.2019

Wie eine 21-Jährige beim Autokauf betrügt

Die Angeklagte vor dem Aichacher Amtsgericht hielt einen Käufer tagelang mit Ausreden hin.
Bild: Katja Röderer

Plus Ein Auto-Verkäufer wird tagelang mit Ausreden hingehalten. Warum die Staatsanwältin die Angeklagte aus dem Raum Aichach für „halbwegs geständig“ hält.

Recht ungewöhnlich ging eine heute 21-Jährige aus dem Raum Aichach beim Autokauf vor. Sie kaufte im Juni vergangenen Jahres privat einen Gebrauchtwagen für 5300 Euro, blieb dem 23-jährigen Verkäufer aus Freising dann aber das Geld schuldig. Stattdessen vertröstete sie ihn immer wieder. Der aufgebrachte Mann ging jedoch zur Polizei. Zwei Wochen nach dem Kauf beschlagnahmten die Beamten das Auto bei der 21-Jährigen. Sie musste sich jetzt vor dem Jugendschöffengericht am Amtsgericht Aichach wegen Betrugs verantworten.

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Aichach: Angeklagte hielt Verkäufer mit Geld hin

Mehrere Seiten nahmen in der Gerichtsakte die Nachrichten in den sozialen Netzwerken ein, die zwischen der Angeklagten und dem 23-Jährigen hin- und hergegangen waren. Er schrieb ihr immer wieder, dass er dringend das Geld brauche, um Kaution und Ablöse für die neue Wohnung zahlen zu können. Sie hielt ihn mit verschiedenen Begründungen hin. Mal hieß es, dass ein Teil der Summe schon überwiesen sei. Dann, dass es morgen überwiesen werde oder sie vorbeikomme, um ihm das Geld zu bringen.

Rückblickend konnte es der 23-Jährige kaum glauben, wie vertrauensselig er gewesen war. Sie habe kein Geld, müsse erst mit ihrem Vater sprechen, hatte die Angeklagte ihm gesagt, als sie sich das Auto ansah. Als sie ihm sagte, dass sie das Fahrzeug mit allen Papieren mitnehmen wolle, damit ihr Vater es sich ansehen könne, händigte der Verkäufer ihr tatsächlich alle Unterlagen aus. Tagelang versuchte er danach erfolglos, den vereinbarten Kaufpreis zu bekommen. Das Hin und Her habe ihm so zugesetzt, dass er sogar gesundheitliche Probleme bekommen habe, sagte er vor Gericht aus.

Wie eine 21-Jährige beim Autokauf betrügt

Es sei nie ihre Absicht gewesen, sich das Auto zu erschleichen, sagte die Angeklagte. Bei der Polizei hatte sie mehrere Versionen angegeben, warum sie den Kaufpreis nicht bezahlt hatte. Einmal behauptete sie, dass ihrem Vater das Auto nicht gefallen habe und der ihr deshalb kein Geld dafür gab. Eine andere Variante war, dass sie das Geld überwiesen hatte und es beim Verkäufer nicht angekommen sei. Sie habe deshalb sogar einen Dispokredit aufnehmen wollen, um die Summe erneut zu überweisen. Eine Ratenzahlung sei am nicht gedeckten Konto gescheitert, so eine weitere Version.

Aichach: Vorsitzende des Gerichts glaubte der Angeklagten kein Wort

Eva-Maria Grosse, die Vorsitzende des Jugendschöffengerichts, glaubte der Angeklagten allerdings kein Wort. „Das ist ziemlich eindeutig“, sagte sie, nachdem sie die Nachrichten aus den sozialen Netzwerken verlesen hatte. Woraufhin die Angeklagte zugab: „Es war eine dumme Aktion von mir.“ Sie habe das Auto aber nicht wegnehmen wollen, es sei nur „blöd getimt“ gewesen.

Die Angeklagte habe sich doch noch „halbwegs geständig“ gezeigt, sagte Staatsanwältin Yvonne Möller. Mit Blick auf mehrere Vorstrafen der 21-Jährigen, unter anderem Diebstahl und gefährliche Körperverletzung, fragte sie sich, ob schädliche Neigungen vorliegen könnten. Möller hielt eine Verwarnung letztlich für ausreichend. Sie plädierte für vier Wochen Dauerarrest, eine Geldauflage von 600 Euro sowie die von der Jugendgerichtshilfe angeregten Gesprächsweisungen.

Die Angeklagte habe sich unmöglich benommen und den 23-Jährigen nach Strich und Faden ausgenutzt, sagte die Vorsitzende des Jugendschöffengerichts. „Sie haben das Glück, dass wir noch mal Jugendstrafrecht anwenden.“ Das Gericht berücksichtigte, dass die 21-Jährige versucht, ihr Leben in den Griff zu bekommen. Die Richterin verurteilte sie zu zwei Freizeitarresten, 40 Sozialstunden und drei bis fünf Gesprächen.

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09.12.2019

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