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Bürgerinitiative

02.12.2017

Windkraftgegner: Rotoren machen Menschen krank

Den Bau konnten sie nicht verhindern, jetzt wollen Johannes Mayer (links) und Bernd Huhnt die Nachtabschaltung der Windräder bei Laimering erreichen. Für Mayer sind nur Abstände über 2000 Meter gesundheitlich unbedenklich.
Bild: Dominik Schwemmer

Während sich aktuell ein neuer Verein gegen einen Windpark im Allenberger Forst formiert, hat die BTG ein anderes Ziel: Nachtabschaltung der Anlagen im Blumenthaler Forst. Ein Mediziner spricht von gravierenden Beschwerden

Die Gegner des Windkraftprojekts im Allenberger Forst formieren sich der derzeit im Verein „Schutz unserer Wittelsbacher Heimat“. Zehn Mitglieder sind es eine gute Woche, nachdem das Projekt bekannt geworden ist. Spätestens mit der ersten Veranstaltung am Sonntagnachmittag in Oberwittelsbach sollen es schnell mehr werden. Die Gegner des Windkraftprojekts im Blumenthaler Forst haben sich vor vier Jahren in der Bürgerinitiative BTG Laimering Rieden Gallenbach zusammengeschlossen. Damals waren die Säle bei Infoabenden brechend voll. Heute engagiere sich nur noch ein „harter Kern“, räumt Vorsitzender Bernd Huhnt ein, und das seien vor allem die „Betroffenen“. Also eine Reihe von Anwohnern, die zum Teil gravierende gesundheitliche Probleme hätten, sagt Mediziner Johannes Mayer aus Rieden: „Es gibt aber auch spektakuläre Einzelfälle.“ Bei vielen anderen, die sich früher gegen den Bau der 200 Meter hohen Anlagen engagierten, herrsche dagegen nur noch „Resignation“, weiß Huhnt. Der Unterschied zwischen den Gruppen: Die vier Windräder zwischen den Aichacher Stadtteilen Oberwittelsbach und Untermauerbach sind geplant. Die sechs Windräder zwischen den Dasinger und Aichacher Ortsteilen und Sielenbach stehen fast zwei Jahre.

Die Energiebauern ziehen als Betreiber des Windparks trotz Anlaufschwierigkeiten eine zufriedene erste Bilanz (wir berichteten). Die Stromproduktion lag nach dem ersten Halbjahr sieben Prozent über der Prognose. Die Windkraftgegner der BTG wollen auf das Thema Wirtschaftlichkeit der Anlagen, das vor dem Bau und bei den Protestveranstaltungen gegen die Genehmigung eine große Rolle gespielt hat, gar nicht mehr groß eingehen. Jetzt, wo die Windräder im Abstand von zum Teil unter 1000 Meter zur Wohnbebauung stehen, gehe es vorrangig darum, gegen die gesundheitlichen Auswirkungen des Windparks auf betroffene Menschen vorzugehen. Für Huhnt und Mayer gibt es dazu zwei Wege. Zunächst durch eine Lärmmessung des Landratsamtes. Das soll in absehbarer Zeit bei der Behörde beantragt werden. Liegen die Emissionen über den genehmigten Werten, müsste das Landrastamt selbst tätig werden und eine Nachtabschaltung (zwischen 22 und 6 Uhr) der Rotoren anordnen, sagt Huhnt. Wenn es nicht dazu kommt, könnte ein Anwohner dieses Ziel, also die Nachtabschaltung, auch durch eine Privatklage erreichen, sagt Huhnt. Es gebe mehrere vergleichbare Urteile in Deutschland.

Johannes Mayer, Allgemeinarzt mit Schwerpunkt Osteopathie sowie Gründer einer eigenen Hochschule für Osteopathie und Physiotherapie in Mannheim, zählt zwei aus seiner Sicht als Mediziner besondere Einzelfälle auf, die nach seiner Überzeugung durch die Inbetriebnahme der drei Windräder bei Bachern (Oktober 2015) und bei Laimering (Oktober 2016) hervorgerufen wurden. Fall eins: Ein 50-Jähriger aus Bachern (Stadt Friedberg), der knapp unter 1000 Meter von einem Windrad entfernt wohnte, sei vier Monate später schwer erkrankt. Symptome: Hör-, Konzentrations- und massive Schlafstörungen, Tinnitus, Schwellungen im Gesicht, Schwindel. Der Patient sei im Klinikum Augsburg intensiv untersucht worden – ohne eine Erklärung zu finden. Der Mann sei dann testweise drei Wochen weggezogen in zehn Kilometer Abstand zum Windpark. Die Beschwerden hätten sich dort erheblich verringert. Seit Oktober 2016 wohne der Mann dauerhaft in Kissing und habe seinen Bauernhof in Bachern verlassen. Dort gehe es ihm gut. Aber jedes Mal, wenn er am Wochenende auf seinen Bauernhof komme, würden innerhalb von einer Stunde die Beschwerden wieder auftrete, vor allem sichtbare Gesichtsschwellungen, Tinnitus und Kopfschmerzen, berichtet Johannes Mayer. Und in Kissing würden sie innerhalb von zwei Stunden wieder vollständig abklingen. Fall zwei ist Bernd Huhnt selbst: Der Laimeringer bemerkte nahezu die gleichen Symptome seit Oktober 2016 wie der Bacherner und habe deshalb sein Haus bei 30 Prozent Wertverlust verkauft. Er zog ins Augsburger Zentrum. Dort seien die Schlafstörungen nach zwei Wochen komplett verschwunden, sagt Mayer: „Er ist also vom Land in die Stadt gezogen, um Ruhe zu finden.“

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Der Arzt hat dazu neun Fragebogen an Bürger in Laimering und Rieden sowie zehn in Bachern verteilt, die über gesundheitliche Beschwerden klagten. Ergebnis seiner Auswertung: Vor Inbetriebnahme der Anlagen hätten die Teilnehmer der Befragung so gut wie keine Probleme gehabt. Sie seien „sehr gesund“ gewesen und gesünder als der Durchschnitt der Landbevölkerung. Seither seien die Beschwerden „drastisch angestiegen auf 50 bis 80 Prozent“. Viele der Betroffenen könnten im Urlaub viel besser schlafen. Mayer führt die Symptome auf Infraschall und Hörschall durch die Windräder zurück.

Im Ort Bachern gibt es laut Mayer noch eine andere medizinisch auffällige Häufung, und zwar von Krebsfällen. 2016 seien dort drei Menschen an Krebs gestorben und drei weitere daran erkrankt – alle sechs wohnten/wohnen 1000 Meter von den Windrädern entfernt und in unmittelbarer Nachbarschaft. Laut bayerischer Krebsstatistik sei diese Todesfallrate in Bachern doppelt so hoch wie der Durchschnitt. Für Mayer ist das „überzufällig häufig“ und bedürfe einer „weiteren genauen Abklärung“.

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