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Gersthofen

23.02.2016

Bagger machen den "gammeligsten Bahnhof Bayerns" platt

Vor ein paar Jahren wurde dem Bahnhof in Gersthofen der Titel „Gammeligster Bahnhof Bayerns“ verliehen. Jetzt reagiert die Stadt Gersthofen, das 170 Jahre alte Gebäude wird abgerissen. Hinweis: Der Beitrag wurde von a.tv zur Verfügung gestellt.

 Nach jahrelangen Versuchen, das marode Gersthofer Gebäude zu retten und eine Nutzung zu finden, wird es jetzt beseitigt. Die Neugestaltung des Geländes wird aber noch dauern

„Somaliabahnhof“, „gammeligster Bahnhof Bayerns“: Jetzt bereiten die Bagger dem heruntergekommenen Gebäude aus dem Jahr 1844 ein staubiges Ende. Nach langen Verhandlungen hatte die Stadt den Altbau und das Betriebsgelände drumherum Ende 2011 gekauft.

Weil in unmittelbarer Nachbarschaft der Zugbetrieb an der Bahnlinie Augsburg-Donauwörth weiterläuft, muss Abbruchunternehmer Reinhold Fisel, der mit sechs Mitarbeitern vor Ort ist, einige Schwierigkeiten überwinden. „Wir müssen kontrolliert abbrechen.“ So werde, sobald der westliche Giebel und die Fassade, die den Gleisen am nächsten liegen, dran sind, ein Mitarbeiter der Bahn herangezogen. „Der sagt uns, wann grade kein Zug auf der Strecke unterwegs ist.“ Auch Bauleiter Harald Rafler sah darin eine „große Herausforderung, vor allem auch was die Sicherheit der Arbeiter betrifft“.

Zudem sind die Bestimmungen inzwischen streng: „Wir müssen das Abbruchmaterial sortenrein trennen und zu entsprechenden Verwertungsflächen bringen“, sagt Baggerführer Veit Leinauer. Dazu hat er unter anderem einen Sortiergreifer am Bagger, der das Material gleich aussondert und einen Pulverisierer, der den Beton zerkleinert.

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Dabei hat das alte Gebäude einen einst prominenten Vater: Geplant wurde es vom Architekten Eduard Rüber (1804 Deisenhausen bei Krumbach bis 1874 München). Er war der „1. Architekt der Eisenbahn-Commission“ und für mindestens 24 Bahnhöfe und Stationsgebäude in ganz Bayern zuständig, wie seine Ururenkelin Waltraud von Fuchs-Müller  aus Taufkirchen betont.

Rüber plante neben Gersthofen unter anderem die Bahnhöfe Bamberg, Lindau, Donauwörth und war auch am Augsburger Bahnhof beteiligt. Mit der Lechstadt verband ihn nicht nur dies: Am 3. Juni 1833 heiratete er im Augsburger Dom die Ulmer Arzttochter Carolina Nick.

Ein Porträtbild Rübers aus diesem Jahr ist überliefert und wurde uns von Waltraud von Fuchs-Müller zur Verfügung gestellt. Mit ihr und neun Kindern wohnte er zunächst in der Augsburger Jesuitengasse. „Als sie im Jahr 1842 nach Nürnberg gezogen waren, bekamen sie weitere drei Kinder“, so die Urenkelin, die heute in Traunstein lebt, aber immer noch regelmäßig unsere Zeitung liest.

Doch nicht nur für Bahnhöfe steht der Name Eduard Rüber. „Er ist der Erfinder des begrünten Grasdachs, über das er ein Buch geschrieben hat.“ Rüber sah diese Dachform als bestens geeignet an, um die gefürchteten Dachstuhlbrände einzudämmen.

Für Gersthofens Bürgermeister ist der Abriss „ein neuer Abschnitt“. Bis zum Herbst hatte sich die Stadt noch um eine Nutzung bemüht. Aber kein Investor wollte Geld in den maroden Bau stecken. Deswegen wurde zum Jahresende der Abriss beschlossen. „Wir sind eine moderne Stadt. Es ist Zeit, dass dieser Schandfleck beseitigt wird.“ 55000 Euro lässt sich die Stadt das kosten.

Wenn das Areal in rund zwei Wochen eingeebnet ist, dann hat Gersthofen schon weitere Pläne: Im Jahr 2019 soll ein Tunnel eingeschoben werden, damit beide Seiten der Bahnlinie auf kürzestem Weg und ohne Gefahr erreichbar sind. „Das ist nicht früher möglich, weil Bahn eine bis zu dreijährige Vorlaufzeit für die erforderliche Streckensperrung braucht“, so Wörle weiter.

Am Haltepunkt entstehen künftig auch zwei Aufzüge, die einen barrierefreien Zugang zu den Bahnsteigen schaffen. Dafür investiert die Stadt voraussichtlich 8,1 Millionen Euro. Hinzu kommen dann noch 1,7 Millionen Euro für Straßenbauarbeiten.

Übrigens: Der letzte „Nutzer“ räumte das Gebäude gestern: Die Bauarbeiter entdeckten morgens einen Mann mit Rucksack, der schnell verschwand.

Gersthofen Bahnhof
18 Bilder
Gersthofen Abriss Bahnhofsgebäude
Bild: Andreas Lode
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