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Allmannshofen

15.05.2015

Behäbige Wasserbüffel pflegen das Biotop

„Die Milch enthält mehr Fett und bis zu drei Mal so viel Eiweiß wie normale Kuhmilch.“Landwirt Martin Grob

In Allmannshofen probiert der Landesbund für Vogelschutz eine besondere Art der Landschaftspflege aus.

In China ziehen sie heute noch Pflüge durch Reisfelder, in Italien wird aus ihrer fettreichen Milch Mozzarella gemacht. Bei uns kennt man die friedlichen Wasserbüffel bisher fast nur aus dem Zoo. Auf einer Weide bei Allmannshofen, nicht weit von der stark befahrenen Verkehrsader der Bundesstraße, und doch gefühlt unendlich weit weg von der Hektik des modernen Lebens, kümmert sich eine kleine Herde der exotisch anmutenden Tiere seit kurzem um die Pflege des Feuchtwiesen-Biotops. Sie halten den Bewuchs kurz und schaffen damit ideale Bedingungen für Wiesenbrüter wie den Großen Brachvogel, Bekassine oder Kibitze. Mit fünf weiblichen Tieren zieht der knapp dreijährige Bulle Barney gemächliche Runden über das weitläufige Gelände. Neben dem ständigen Zupfen und Kauen gehören ausgiebige Schlammbäder zu den Lieblingsbeschäftigungen der sanftmütigen Landschaftspfleger auf vier Hufen. Beim Wälzen in feuchten Kuhlen schaffen sie kleine Tümpel, die von den Vögeln geschätzt werden und auch neuen Lebensraum für Insekten und Amphibien bieten.

Das Landwirtsehepaar Martina und Martin Grob hat sich an ein Experiment gewagt, von dem Martin Trapp vom Landesbund für Vogelschutz (LBV) begeistert ist. Rund vier Hektar am südlichen Ende des Oberndorfer Rieds hatte der LBV als Nahrungsbiotop für Wiesenbrüter erworben. Auf insgesamt fünfundsiebzig Hektar betreibt der LBV im Landkreis Augsburg Projekte zum Erhalt der Artenvielfalt. Das notwendige Mähen des Feuchtgebietes bei Allmannshofen hatte sich als schwierig erwiesen. „Die Beweidung durch die Büffel ist die perfekte landschaftspflegerische Lösung und gleichzeitig bietet das Areal beste Lebensbedingungen für die Tiere“, so Trapp.

Das kann Landwirt Martin Grob nur bestätigen: „Die Herde hat sich sehr schnell eingewöhnt und die Tiere bleiben vom Frühjahr bis zum Wintereinbruch auf der Weide“. Sie könnten es auch über den Winter im Freien aushalten, denn Temperaturen bis 25 Grad minus sind kein Problem für sie. Doch würde der Weideboden bei anhaltend nasskaltem Wetter durch die bis zu 800 Kilo schweren Tiere zu sehr aufgewühlt und auch der Nachwuchs, der im Januar erwartet wird, soll doch lieber im warmen Laufstall zur Welt kommen, findet Martina Grob, die sich intensiv um die Neuzugänge kümmert.

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Mit ihren großen, breiten Klauen sind Wasserbüffel besonders für die Haltung in Feuchtbereichen geeignet. Anders als Hausrinder bekommen sie durch die Nässe keine Klauenprobleme und glänzen mit robuster Gesundheit. „Die Wasserbüffel wurden nicht durch Zucht verändert, sondern sind noch ganz natürlich“, schwärmt Grob geradezu von den Vorzügen der langlebigen Rasse. Nach und nach möchte das Paar die Herde vergrößern und in ein paar Jahren mit der Herstellung von Büffelkäse beginnen. „Die Milch enthält mehr Fett und bis zu drei Mal so viel Eiweiß wie normale Kuhmilch“, so Grob.

Wie ein „Eintauchen in eine andere Welt“ ist für Bürgermeister Manfred Brummer jeder Ausflug ins ruhige Hinterland seiner Gemeinde. Dieser ganz besondere Lebensraum für viele Tiere und seltene Pflanzen hat es ihm seit seiner Kindheit angetan. Um die Artenvielfalt im Dreieck der Flurgrenzen von Allmannshofen, Oberndorf und Mertingen zu erhalten hat die Gemeinde ganz in der Nähe der Wasserbüffelweide kürzlich rund einen Hektar Land von Büschen befreit um es als offenen Feuchtwiesen-Lebensraum zu pflegen. „Die Beweidung mit den Wasserbüffeln ist ein sehr interessanter Ansatz, der optimal in die Landschaft passt“, lobt er den Pioniergeist der jungen Landwirte. Auf Wasserbüffelmilch und Käse aus Allmannshofen freue er sich schon jetzt, gratulierte er Landwirt und Vogelschützer zu dem Modellprojekt.

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