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Rettungshubschrauber

26.01.2019

Bei jedem zweiten Einsatz geht es um Leben und Tod

Seit ziemlich genau fünf Jahren hebt Christoph 40 vom Dach des Klinikums ab.
Bild: Maximilian Czysz

Seit ziemlich genau fünf Jahren hebt Christoph 40 vom Dach des Klinikums ab. Eine Bilanz zeigt, dass er fast jedes zweite Mal nach schweren Unfällen gerufen wird.

6726 Einsätze, bei denen mehr als 6200 Menschen in Not geholfen wurde: Das ist die Bilanz des Augsburger Hubschraubers der ADAC Luftrettung nach fünf Jahren. Am 28. Januar 2014 wurde „Christoph 40“ in Dienst gestellt. Seitdem heben die Crews vom höchsten Dachlandeplatz Deutschlands am Klinikum Augsburg aus 58 Metern zu ihren oft lebensrettenden Einsätzen ab.

Allein im vergangenen Jahr wurden die Besatzungen 1 456 Mal alarmiert und halfen 1362 Patienten. Fast 90 Prozent der Alarme waren so genannte „Primäreinsätze“: In dem Fall hatte „Christoph 40“ nach Angaben des ADAC die Funktion des schnellen Notarztzubringers, die Patienten kamen dann im Sanka ins Krankenhaus. Oder die Hubschraubercrew übernahm neben der Behandlung auch den Flug in eine weiter entfernte Fachklinik. 61 Einsätze (4,2 Prozent) waren Sekundärtransporte, bei denen ein Patient von einem Krankenhaus niedriger Versorgungsstufe in ein Spezialklinikum mit erweiterten Therapiemöglichkeiten gebracht wurde. 110 Flüge waren Fehl- und sonstige Einsätze. Soweit die Statistik aus Augsburg.

Bis zu 18 Stunden am Tag im Dienst

Dort stehen drei Stammpiloten bereit, damit der Hubschrauber im Hochsommer bis zu 18 Stunden am Tag im Dienst sein kann. Zwischen 15 und 17 Ärzte der heutigen Uniklinik sind zu wechselnden Zeiten mit dem Helikopter unterwegs, dazu sechs speziell ausgebildete Sanitäter. Nicht in diesen Zahlen erfasst ist mühevolle Kampf für den Hubschrauber, der sich über Jahre hingezogen hatte. Der frühere Landtagsabgeordnete Max Strehle erinnert sich: „Das war brutal“.

Stärkstes Argument des damaligen Rot-Kreuz-Kreisvorsitzenden war der Rückhalt in der Bevölkerung. 42000 Unterschriften aus der Region Augsburg brachte Strehle im Juli 2010 in die Münchner Staatskanzlei, wenige Tage später legten sich Ministerpräsident und Innenminister fest: Der Hubschrauber kommt nach Augsburg. Die Konkurrenz aus Donauwörth hatte das Nachsehen. Doch auch danach war die Messe noch nicht gelesen. Zunächst gab es weitere Widerstände aus Nordschwaben und Franken, dann Schwierigkeiten auf der Suche nach einem Betreiber. Am 28. Januar 2014 schließlich hob Christoph 40 am Klinikum erstmals ab und machte sich nicht nur Freunde. Besonders in der Nachbarstadt Neusäß gab es immer wieder Beschwerden über Fluglärm und angeblich unnötige Einsätze.

Wann aber hebt der Hubschrauber ab? Einsatzursache Nummer eins sind schwere Unfälle. Sie machen über 40 Prozent aus. Bei der Hälfte aller Einsätze schweben die Patienten in akuter Lebensgefahr, sagt der Leitende Oberarzt Michael Ecker, der selbst regelmäßig mit Christoph 40 in der Luft ist. Zahlen der Deutschen Gesellschaft für Unfallchirurgie belegen laut Ecker zudem „seit der Inbetriebnahme von Christoph 40 einen signifikanten Rückgang der Rettungszeit“. Gemeint ist damit jene Spanne, die vergeht, bis ein Patient nach dem Unglück im Traumazentrum landet.

Für Strehle sind diese Zahlen Beleg dafür, wie wichtig und richtig der Kampf für den Rettungshubschrauber war. „Genau darum brauchen wir ihn.“

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