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Landkreis Augsburg

20.08.2018

Das verflixte siebte Schuljahr

Die Kinder können den bereits bestehenden Schulbusverkehr für den M-Zug nach Zusmarshausen nutzen.
Bild: Marcus Merk (Archiv)

In Zusmarshausen wird ab September erstmals eine Klasse zusammengelegt, was in Dinkelscherben und in Welden für Kritik sorgt. Das hat Auswirkungen auf 2021.

Wenn im September das Schuljahr beginnt, wird an der Mittelschule in Dinkelscherben etwas fehlen. Schüler zwischen 13 und 14 Jahren wird man vergeblich suchen, und die Schulbücher der siebten Jahrgangsstufe werden das ganze Jahr über eingelagert bleiben. Das gleiche Bild bietet sich einige Kilometer weiter in Welden. Die Siebtklässler werden nach Zusmarshausen verlegt.

Grund dafür ist die Zuweisung von Lehrkräften, die das Bayerische Kultusministerium vornimmt und die sich nach der Anzahl der Kinder richtet. Für eine siebte Klasse der Mittelschule müssen es mindestens 15 sein. Weil Dinkelscherben und Welden für das kommende Schuljahr aber nur jeweils zwölf beziehungsweise 14 Siebtklässler haben, ist das Kontingent der Lehrerwochenstunden jetzt gekürzt worden – trotz Protesten. Das bedeutet gleichzeitig, dass die nächsten drei Jahre immer eine Jahrgangsstufe fehlen wird.

Übergeordnete Behörden zeigen „null Interesse“

Dabei wären die betroffenen Gemeinden selbst eingesprungen, um die fehlende Lehrkraft zu finanzieren. Laut der beiden Bürgermeister, Peter Bergmeir (Welden) und Edgar Kalb (Dinkelscherben) würde das mit 30000 Euro pro Jahr für jede Gemeinde zu Buche schlagen. „Ein Betrag, den wir durchaus stemmen könnten“, findet Kalb. Allerdings hätten die übergeordneten Behörden von Ministerium bis Bezirksregierung daran „null Interesse“ gezeigt, schildert sein enttäuschter Amtskollege Bergmeir.

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Thomas Adleff ist als Schulamtsdirektor zuständig für die fachlich-pädagogische Organisation des Schulwesens an den Mittelschulen im Landkreis Augsburg. Er weiß, dass sinkende Schülerzahlen etwas sind, womit gerade die Gemeinden im ländlichen Raum nicht erst ab dem kommenden Schuljahr kämpfen müssen. Genau aus diesem Grund wurde vor acht Jahren der Schulverbund zwischen Dinkelscherben, Zusmarshausen und Welden gegründet: „Nach damals geltender Rechtslage wären sonst Standorte mit zu wenigen Kindern aufgelöst worden“, erklärt Adleff, „im Verbund bleiben alle Standorte erhalten, auch wenn sie vorübergehend Jahrgangslücken aufweisen.“

Für die Lehrerbesoldung ist der Freistaat zuständig

Deshalb hält er die Verlegung nach Zusmarshausen aus fachlichen und organisatorischen Gründen für notwendig und sinnvoll. Dem Lösungsvorschlag der Gemeinden, die Lehrer selbst einzustellen, erteilte er eine Absage: „Für die Lehrerbesoldung ist der Freistaat zuständig, einstellende Behörden sind die jeweiligen Bezirksregierungen. Insofern können Kommunen keine eigenen Arbeitsverträge schließen.“

So wird es im Jahr 2021 an beiden Standorten keine Abschlussklasse geben. In den darauffolgenden Jahrgängen reichen die Schülerzahlen dank geburtenstarker Jahrgänge aus für eine Klasse, dazu kommen ab der achten Klasse die Abbrecher aus der Realschule.

Keine leichte Entscheidung

Martin Dumberger ist Schulleiter in Welden und koordiniert auch den Schulverbund. Gerade für ihn dürfte die Verlegung deshalb keine leichte Entscheidung gewesen sein. Gemeinsam mit den Schulleitern der anderen Standorte hatte der Verbundskoordinator verschiedene Vorschläge abgearbeitet, darunter auch die Idee, die Kinder aus Zusmarshausen auf die Standorte Welden und Dinkelscherben aufzuteilen – eine Art fairer Ausgleich, wie Bürgermeister Kalb es formulierte.

Eine solche Aufteilung hätte allerdings erheblich mehr gekostet, denn die Beförderung der Schüler mit dem Bus bezahlt der Verbund, und eine Verbindung von Zusmarshausen ausgehend gibt es bisher nicht. „Jetzt können die Kinder den bereits bestehenden Schulbusverkehr für den M-Zug nach Zusmarshausen nutzen“, schilderte Bürgermeister Bernhard Uhl einen Vorteil der Lösung. Daniela Wörle, Leiterin der Mittelschule Zusmarshausen, verwies zudem darauf, dass die Bandbreite des Wahlpflichtunterrichts an ihrem Standort wesentlich größer sei.

Aus Dinkelscherben und Welden ist jetzt der Vorwurf zu hören, dass Zusmarshausen als Schulstandort bevorzugt behandelt werde. Die kleineren Gemeinden im Umland hätten das Nachsehen. In Welden investiert die Gemeinde Millionen in die Sanierung eines Schultrakts aus den sechziger Jahren, erst kürzlich wurde eine Förderung von knapp einer Million zugesagt. Und auch Dinkelscherben steckt gerade mehrere Millionen Euro in die Sanierung der maroden Schulturnhalle. Zusmarshausens Bürgermeister Bernhard Uhl prognostiziert daher: „Irgendwann wird es vielleicht etwas anderes geben als den Schulverbund.“

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