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Gersthofen

05.06.2013

Die vielfältigen Formen des Leids

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2 Bilder
Der „Schutzschild für Mia“ ist Agata Noreks Tochter gewidmet.

 Agata Norek zeigt im Ballonmuseum „Schutzschilde“ gegen Gewalt

Von Gerald Lindner

Gewalterfahrungen und ihre Umsetzung in Kunst. Bewegende Metaphern findet die Künstlerin Agata Norek in ihrer Ausstellung „Schutzschilde“, die noch bis zum 30. Juni im Gersthofer Ballonmuseum zu sehen ist.

Dabei verbindet sie Kunst mit sozialem Engagement: Denn „Schutzschilde“ sind eine europaweit vernetzte Vision und ein Projekt, das seit zehn Jahren von der in Polen geborenen und heute in Augsburg lebenden Agata Norek entwickelt und umgesetzt wird. Die Schutzschilde symbolisieren Gewalterfahrungen und stellen die oft unsichtbaren Folgen und zahlreichen Facetten der Gewalt plastisch dar. In einigen der Arbeiten setzt die Künstlerin durchaus eigene Gewalterfahrungen um.

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Ausgangspunkt für jeden einzelnen Schutzschild ist ein kreisrundes Standardmodell. In virtuosem Umgang mit dem Material gewinnt sie daraus immer neue „Bilder“, die sie jeweils mit poetisch-eindringlichen Texten begleitet. Norek spielt dabei gerne mit gegensätzlichen Facetten, drückt darin aus, wie gut sich schlimmste Gewalt hinter einer ruhigen Fassade tarnen kann.

Ein Beispiel ist „Schutzschild Mama“: Aus weichen Federn auf der Innenseite des Schilds stechen unvermittelt scharfe Klingen hervor. Für Norek ist die Liebe der Mutter ein „scheinbar warmes und doch tödliches Kissen“. Leibe und Fürsorge können in absolute Kälte und psychische, aber auch physische Gewalt umkippen.

Der Schild „Mein Vater leibt mich und würde mir nie etwas Böses antun“ ist ebenfalls ambivalent: Er besteht aus in Schildform kombinierten gefächerten Schulheft-Seiten, auf denen dieser Satz mantragleich in polnischer Sprache und kindlicher Handschrift viele hunderte Male steht.

Dargestellt werden zudem verschiedene Formen, wie sich die geschundene Person – es muss sich nicht in jedem Fall um eine Frau handeln, die Opfer von Gewalt wurde – wehrt. Der „Schutzschild Protest“ besteht aus einem filigranen Stacheldraht-Geflecht.

Die Hintergründigkeit manch häuslichen Idylls setzt Agata Norek im „Schutzschild Lampenschirm“ um. „Niemand weiß, dass er im Inneren unseres ruhigen und warmen Hauses wohnt“, beschreibt die Künstlerin selbst ihr Werk. Von außen schimmert nur warmes und wohliges Licht hinter dem Vorhangstoff durch. Überall also Bedrohung, die von der Außenwelt nicht erkannt wird. Das Opfer der Gewalt hat aber nicht die Kraft oder den Mut, sich anderen mitzuteilen und damit aus der schlimmen Situation auszubrechen.

Im Umfeld der Ausstellung bietet das Ballonmuseum am Sonntag, 9. Juni, ab 11 Uhr einen Aktionstag der Hilfsorganisationen an. Neben dem von Agata Norek gegründeten Verein „Shields against Violence“ informieren dabei Vereinigungen und Beratungsstellen zum Thema Gewaltprävention und Bewältigung traumatischer Gewalterlebnisse über ihre Arbeit.

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