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Diedorf

22.10.2015

Eine Tour durch die High-Tech-Schule

Mit Stücken von Dvorak, Grieg und Elgar untermalte das Schulorchester den Festakt.
Bild: Marcus Merk

Gestern wurde das Schmuttertalgymnasium in Diedorf offiziell eröffnet. Nicht nur das Gebäude ist modern.

Zehn Erwachsene drängen durch die Gänge des Schmuttertalgymnasiums in Diedorf. Sie staunen nicht schlecht über das, was sie da sehen: einen 3D-Drucker. In dem halboffenen Würfel können dreidimensionale Abbildungen aus einem biegsamen Kunststoff erstellt werden. Den Drucker dürfe er nur benutzen, wenn er dazu die Erlaubnis eines Kunstlehrers habe, sagt Simon Kleisli, eigentlich Schüler der zehnten Klasse, heute aber zusammen mit seinem Klassenkameraden Tobias Endreß Touristenführer. Während sich die Gäste verblüfft anschauen – solch moderne Technologie hatten sie in der Schule offensichtlich nicht erwartet – interessieren sich die Schüler im Raum kaum dafür. Ein Fünftklässler nimmt am Modell eines menschlichen Körpers die Organe heraus und setzt sie wieder ein, achtet gar nicht auf die technischen Möglichkeiten.

Es ist so einiges anders im neuen Gymnasium, das gestern mit einem Festakt eröffnet wurde, zu dem auch Bayerns Bildungsminister Ludwig Spaenle angereist war: digitale Vertretungspläne, Schubladen mit Unterrichtsmaterial in den Trakten zum Mitnehmen, teils offene Türen in den Schulklassen und sogar eine Lounge mit Sofa für die Zehntklässler. „Da können wir Gruppenarbeiten machen“, erklärt Kleisli den Nutzen, weist auf einen Raum dahinter: „Dort setzen sich ab und wann Lehrer hinein. Damit wir hier nicht machen, was wir wollen“, verrät er mit einem schelmischen Lächeln.

Fast 42 Millionen Euro soll die neue Schule kosten, die mit zahlreichen Innovationen aufwartet. Auf Deutschlands modernstem Holzbau gibt es genug Photovoltaik-Anlagen, dass die Schule mehr Energie produziert, als sie verbraucht. Lounges wie die der Zehntklässler oder der Computerraum gehören zum neuartigen Konzept der Schule. „Es ist ein Raumgefüge wie im großen Marktplatz“, sagt Architekt Florian Nagler. Das passt zur Vision von Schulleiter Günter Manhardt: „Unsere Schüler sollen in der Lage sein, sich selbst etwas beibringen zu können. Keiner weiß, was in 50 Jahren noch modern ist.“

Auch die beiden Schüler nicht – aber sie wissen, dass sie eines der modernsten „Klassenzimmer“ haben. Offiziell gebe es so etwas zwar nicht, doch in diesem Raum haben sie die meisten Unterrichtsstunden. Wer hier einen Overheadprojektor sucht, ist nicht auf dem neuesten Stand der Technik: Das Lehrerpult ähnelt einer Kommandostation aus futuristischen Filmen, linkerhand mit einem Gerät, das entfernt an eine Mischung aus Overheadprojektor und Beamer erinnert. Daneben ist das einzige Fenster, das sich öffnen lässt. „Dafür haben die Lehrer die Schlüssel. Wenn wir sie öffnen, bekommt der Hausmeister ein Signal“, sagt Tobias Endreß. Interne Lüftungssysteme und Sensoren für Wärme und CO2-Ausstoß machten das traditionelle Lüften überflüssig.

Im ersten Stock gibt es sogar Regale innerhalb der Klassenräume. Der Brandschutz sei hier anders geregelt als im Erdgeschoss, sagen die Führer knapp. Dort türmen sich derweil die Schulranzen in – na klar – Holzregalen, die modisch dem Stil einer bekannten schwedischen Möbelhauskette entsprungen sein könnten. Während die Kinder in den Klassenzimmern schreiben, malen, zeichnen, lernen, müssen ihre Tornister und Rucksäcke draußen bleiben. Brennt es einmal, seien die Schüler binnen sechs Minuten draußen, sagt Tobias Endreß.

Und draußen gibt es ebenfalls einiges zu sehen: einen Fußballplatz mit Wiese und zwei Toren. Zwei Kicker, mehrere Basketballkörbe, die Sporthalle verfügt zudem noch über eine Kletterwand. Daran hat sich Tobias Endreß mittlerweile gewöhnt. „Aber als wir die Pläne gesehen haben, waren wir überrascht, was alles möglich ist“, sagt er.

Am Ende der Tour geben die beiden Touristenführer ihre Namensschilder ab und sind wieder Schüler. In zwei Jahren möchten sie ihren nächsten großen Auftritt haben. Dann könnten sie zum ersten Abiturjahrgang des Schmuttertalgymnasiums gehören.

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