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Museum

02.02.2018

Eine Urne und ihre Geschichte

Das Exponat des Monats im Museum Zusmarshausen: eine römische Urne.
Bild: Andreas Decke

Eine römische Urne ist das Exponat des Monats in Zusmarshausen. Wo das Keramikgefäß herkommt

Im Museum Zusmarshausen gibt es künftig immer ein Exponat des Monats. Das erste, im Februar, ist eine römische Urne. Museumsleiter Andreas Decke erklärt, was dahintersteckt:

Als „Pontone“ verzeichnet die Tabula Peutingeriana, die berühmteste antike Straßenkarte, eine Siedlung zwölf Meilen (etwa 18 Kilometer) westlich von Augusta ( Augsburg). Der „Ort an der Brücke“ liegt am Zusamübergang der Fernstraße von der rätischen Provinzhauptstadt Augusta Vindelicum (Augsburg) über die Donauübergänge bei Gontia ( Günzburg) und Phoebianis (Faimingen) zum obergermanischen Statthaltersitz Mogontiacum (Mainz). Der mächtige Taldamm der römischen Straßentrasse ist in den Wiesen westlich der Zusam noch heute zu sehen.

Die römische Siedlung bei Zusmarshausen verdankt ihre Entstehung dieser Straßenachse. Als administratives Unterzentrum und Umschlagplatz für Waren besaß sie Marktfunktionen. Die Bewohner erwirtschafteten ihre Lebensgrundlagen vor allem durch handwerkliche Tätigkeiten. Archäologische Indizien gibt es für Töpferei und Ziegelei, Textilherstellung (Leinen) sowie möglicherweise Glas- und Eisenverarbeitung. Für Pontone ist durch eine Trockendarre für Flachs oder Dinkel auch Landwirtschaft nachgewiesen.

Eine Ausgrabung konnte 1994 entlang der modernen Römerstraße den Hinterhofbereich der römischen Siedlung aufdecken. Im Grabungsplan fallen einige schmale Gräben in Abständen von 14 bis 16 Metern auf. Es handelt sich dabei um die Begrenzung von Parzellen einer Streifenhaus-Bebauung. Das antike Straßendorf hatte strukturelle Ähnlichkeit mit den spätmittelalterlichen Rodungsdörfern unserer Gegend (zum Beispiel Unterschöneberg): Entlang einer Straßenachse reihen sich giebelständige Häuser auf langschmalen Grundstücken. Auf den Hausbereich folgen Hinterhöfe mit kleinen Handwerksbetrieben und Holzschuppen, daran schließen sich Obstgärten und Wiesen an.

1996 konnten durch Zufall in einer Baugrube in der Lichtenaustraße einige bereits durch Baggerarbeiten beschädigte Brandgräber geborgen werden. In der mittleren Kaiserzeit wurden die Toten zusammen mit Speise- und Trankbeigaben auf dem Scheiterhaufen verbrannt. Anschließend hat man den Leichenbrand aus dem Brandschutt ausgelesen und in einer Urne, meist einem Keramikgefäß, beigesetzt. (AL)

Das Museum in der Augsburger Straße 11 ist jeden ersten Sonntag im Monat von 14 bis 17 Uhr geöffnet, das nächste Mal am 4. Februar.

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