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Anbau

30.12.2017

Es geht auch ohne Chemie

Landwirte diskutieren in Zusmarshausen über Glyphosat und andere Mittel – und die Alternativen

Über chemiefreie Unkrautbekämpfung (im Fachjargon „Beikrautregulierung“) und schonende Bodenbearbeitung haben sich Landwirte in Zusmarshausen informiert. Veranstalter war die Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL) in der Region Schwaben. AbL-Sprecher, Demeterbauer Florian Kleinle, konnte dazu etwa 60 Besucher, überwiegend Landwirte, willkommen heißen. Das auffallend große Interesse zeuge von der Aktualität des Themas, betonte Kleinle.

Der Referent Stephan Kreppold ist langjähriger Biolandbauer. Er wies darauf hin, dass ab 2018 der Einsatz von Agrarchemie auf den ökologischen Vorrangflächen im Rahmen des Greenings verboten ist. Um den Anbau von Körnerleguminosen (zum Beispiel Sojabohnen, Erbse, Ackerbohne), der mittlerweile auch in Bayern in Gang gekommen ist, nicht zu gefährden, sei es wichtig, chemiefreie Erzeugungsmethoden zu etablieren.

Kreppold wies darauf hin, dass die Landwirtschaft immer stärker konfrontiert ist mit Erkenntnissen, welche die Risiken der Agrarchemieanwendung aufzeigen. Er bezog sich besonders auf die kurz vor einer EU-Entscheidung stehende Debatte zur Zulassungsverlängerung von drei Bienen-riskanten Neonikotinoiden. Zur gegenwärtigen Glyphosat-Diskussion vertrat er die Auffassung, dass – unabhängig von einer Krebsgefahr oder nicht – der Verzicht auf dieses Totalherbizid auch aus ackerbaulich-bodenkundlicher Sicht geboten sei. So sei eindeutig nachgewiesen, dass Glyphosat die Regenwurmpopulation beeinträchtige und Bodenbakterien und Pilzen störe. Es bestehe ein Zusammenhang zwischen Glyphosatanwendung bei Mais oder Zuckerrüben und der Fusarien-Toxin-Belastung beim nachfolgenden Winterweizen. Von den Glyphosatbefürwortern werde 25 Zentimeter tiefes Pflügen mit all seinen negativen Begleiterscheinungen als Alternative dargestellt. Laut Kreppold genügt aber eine zweimalige, flache Bearbeitung mit einer Federzinkenegge, um den Effekt eines Totalherbizides zu erreichen. Diese mechanische Bearbeitung würde etwa fünf bis zehn Liter pro Hektar mehr an Dieseltreibstoff bedeuten. Dabei sei in der Praxis der Mulchsaat noch eine Kreiseleggenbearbeitung nach Glyphosat üblich.

Der Referent ging außerdem auf die Frage ein, ob und welche agrarchemikalischen Wirkstoffreste bereits im Trinkwasser aufgetaucht sind. Er zitierte einen Bericht zur Situation des Trinkwassers in Niederbayern. Demnach sind in 21 Anlagen Rückstände von Agrarchemikalien gefunden worden. Er könne natürlich nicht sagen, ob davon eine gesundheitliche Gefahr ausginge, sagte er, plädierte aber für das Vorsorgeprinzip: „Was oben an naturfremden Stoffen nicht ausgebracht wird, kann unten nicht rauskommen.“ Er zählte Alternativen zur Chemie auf dem Acker auf, die im Ökolandbau schon länger praktiziert werden. Die landtechnischen Hersteller befassten sich mittlerweile auffallend innovativ mit mechanischen Bestell- und Pflegegerätschaften.

Die Teilnehmer diskutierten anschließend sachlich, hinterfragten einige Aussagen des Referenten und sprachen weitere Gesichtspunkte an. Sie waren sich einig, dass eine chemiefreie Agrarproduktion zum derzeitigen konventionellen Preisniveau nicht realisierbar sei, heißt es in einer Pressemitteilung. Nötig sei eine gesellschaftliche Debatte zu der Frage, wohin sich die Lebensmittelproduktion entwickeln soll. (AL)

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