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Horgau

09.07.2019

Feuer frei: Neue Ideen zum Heizen in Horgau

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Mit Hackschnitzeln könnte in Horgau ein Nahwärmenetz betrieben werden. Der Brennstoff wächst vor eigenen Haustür regelmäßig nach.
Bild: Marcus Merk (Archiv)

In der Gemeinde könnte ein neues Heizkraftwerk entstehen. Angefeuert wird dabei mit Hackschnitzeln. Ob das Projekt zustande kommt, hängt von den Anwohnern ab. 

Die für die Umwelt schädlichen Treibhausgase sollen bis 2050 um 80 Prozent reduziert werden. Das ist das erklärte Ziel der Bundesregierung. Einfach wir das sicher nicht. Einen kleinen Teil dazu beitragen könnte nun ein neues Heizkraftwerk in Horgau. Durch das Verbrennen von Hackschnitzeln soll ein Nahwärmenetz aufgebaut werden – das ist deutlich umweltfreundlicher als das Heizen mit Gas oder Öl. Aber rechnet sich das für den Verbraucher?

Unter anderem um diese Frage ging es bei der jüngsten Gemeinderatssitzung in Horgau. Dort stellte Robert Mussak von den Augsburger Lechwerken seine Pläne für ein neues Hackschnitzel-Heizwerk in der Gemeinde vor. Noch stehen die Pläne am Anfang. Ob das Heizwerk tatsächlich kommt, hängt auch davon ab, wie die Resonanz unter den Horgauern ist.

So funktioniert ein Hackschnitzel-Heizwerk

Wie ein Hackschnitzel-Heizwerk funktioniert, weiß auch Markus Brem. Er ist Geschäftsführer des Gersthofer Unternehmens kWh, das Nahwärmesysteme in der Region realisiert. Bei einem Kraftwerk, wie es in Horgau diskutiert wird, werden Hackschnitzel in einer Heizanlage verbrannt. Durch die entstehende Energie wird dann Wasser erhitzt, das über Leitungen an die angeschlossenen Haushalte gepumpt wird. Das Wasser hat eine Temperatur von bis zu 90 Grad. Damit können sämtliche Heizsysteme, zum Beispiel Fußbodenheizungen oder Warmwasser, betrieben werden. Wie viele Haushalte an eine Leitung angeschlossen werden können, hänge von der Länge der Leitung ab, erklärt Brem. In der Regel liege die zwischen 500 Metern und zwei Kilometern. „Über längere Distanzen geht zu viel Wärmeenergie verloren“, sagt Brem. Dann bräuchte man ein zusätzliches Heizwerk. Vielerorts werde außerdem nur im Winter über die Hackschnitzel-Anlagen geheizt. „Im Sommer kann heißes Wasser auch über Photovoltaik gewonnen werden.“

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Für Brem sind die Anlagen eine gute Alternative zum Heizen mit Öl oder Gas. Vor allem, weil Hackschnitzel ein Material sind, das nachwächst. Öl hingegen sei ein fossiler Brennstoff, der Millionen von Jahren alt ist. Irgendwann gehe der aus. Die Bäume für Hackschnitzel wachsen immer nach – und das vor der eigenen Haustür.

Eine Sammelschnecke transportiert die Hackschnitzel in eine Brennkammer.
Bild: Marcus Merk (Archiv)

Ist die Anlage eine Alternative zum Heizen mit Öl?

Ein Punkt, den auch Robert Mussak von den Lechwerken vor dem Horgauer Gemeinderat ansprach. Er sieht darin nicht nur einen ökologischen Vorteil. Auch für den Verbraucher könnte das entscheidend sein. „Öl wird immer teurer“, meint Mussak. Der Preis für den Rohstoff sei unberechenbar – und damit auch der Preis für Energie. Anders sei das dagegen bei den Hackschnitzeln. Mussak geht von 15 bis 17 Cent pro Kilowattstunde Strom für die Horgauer Kunden aus. Hinzu kommen Anschlussgebühren von 5000 bis 10000 Euro pro Haushalt. Der Preis hängt vor allem davon ab, wie viele Horgauer sich entschließen mitzumachen. Haben mehr Interesse, sinkt der Verbrauchspreis für den einzelnen Anschluss.

Anlage kostet rund 1,5 Millionen Euro

Der Bau einer möglichen Hackschnitzelanlage in Horgau kostet laut Mussak rund 1,5 Millionen Euro. Hinzu kommen Betriebskosten von rund 88000 Euro im Jahr. Der derzeitige Plan sieht eine Trassenlänge von 1,8 Kilometern vor. Verlaufen soll sie vom Gewerbegebiet im Norden über den Schwedenweg, bis hinunter zur Grundschule am Martinsplatz. Einige Firmen im Gewerbegebiet hätten bereits ihr Interesse bekundet, sagt Mussak. Daneben sollen öffentliche Gebäude wie das Feuerwehrhaus, die Grundschule und eventuell auch das Rathaus angeschlossen werden. Das Heizwerk selbst könnte in der Nähe des Feuerwehrhauses entstehen.

Noch sind diese Pläne aber nicht konkret. Der Gemeinderat möchte nun entscheiden, ob grundsätzlich Interesse daran besteht. Falls ja, müsse später darüber entschieden werden, wer das Heizwerk baut und betreibt.

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