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Unterallgäu

04.11.2017

Gesucht: Ehrlicher Finder fährt für Geldbeutel spätnachts 100 Kilometer

Ein junger Mann aus Gersthofen entdeckt einen Geldbeutel und bringt ihn spätnachts ins 100 Kilometer entfernte Memmingerberg.
Bild: Kai Remmers, dpa (Symbolbild)

Ein junger Mann aus Gersthofen entdeckt einen Geldbeutel und bringt ihn spätnachts ins 100 Kilometer entfernte Memmingerberg. Die Besitzer sind völlig überrascht.

Petra und Jürgen Zanker aus Memmingerberg konnten es gar nicht fassen: Der verloren geglaubte Geldbeutel war wieder da. Ein junger Mann aus Gersthofen hatte ihn entdeckt und dann spätnachts ins Unterallgäu gefahren. Einen Finderlohn von 50 Euro lehnte er ab. Jetzt wollen ihm Zankers trotzdem eine Freude machen. Das Problem dabei: Sie kennen den Namen des ehrlichen Finders nicht. In der Aufregung hatte das Ehepaar nämlich vergessen, den jungen Mann danach zu fragen.

Er stand kurz nach Mitternacht bei Zankers an der Haustüre und klingelte. „Wer um alles in der Welt klingelt um diese Uhrzeit mitten unter der Woche an unserer Haustüre“, dachte sich Petra Zanker. Mit Herzrasen sei sie ins Badezimmer gesprungen und habe das Dachfenster geöffnet. Draußen stand im Dunkeln auf der Straße ein junger Mann mit etwas in der Hand, das er hoch in die Luft hielt – der Geldbeutel. Er sagte: „Entschuldigen Sie bitte die Störung, aber ich habe den Geldbeutel ihres Mannes gefunden! Ich konnte Sie telefonisch nicht ausfindig machen, da habe ich mich jetzt nach meiner Spätschicht auf den Weg zu ihnen gemacht, um ihn zurück zu bringen.“

Unbekannter Finder wünscht sich nur eines: "Gottes Segen"

Petra Zanker lief ins Schlafzimmer, um ihren Mann zu wecken. Den Schlaf in den Augen gingen sie zur Haustüre und öffneten. Der Unbekannte überreichte den Geldbeutel. Petra Zanker erinnert sich: „Mein Mann zückte daraus sofort einen 50-Euro-Schein, um ihm dem ehrlichen Finder zu geben.“ Dieser habe jedoch dankend abgelehnt und gemeint, dass er es gerne getan hätte. Er habe beim Durchschauen der Börse, um eine Adresse des Besitzers herauszufinden, den Blutspender-Ausweis gesehen und damit gewusst, dass Jürgen Zanker auch anderen Menschen hilft. Petra Zanker schlug daraufhin vor, dem ehrlichen Finder wenigstens Pralinen oder Schokolade zu schenken. Doch der junge Mann habe nur gesagt, „dass wir ihm nur eines schenken sollten: Gottes Segen!“

Petra Zanker ließ die ungewöhnliche Begegnung keine Ruhe. „Ich war so überwältigt von dieser großen Güte und Hilfsbereitschaft dieses jungen Mannes und aber zugleich auch wirklich traurig darüber, dass ich nicht mehr die Möglichkeit habe, ihm bei vollem Bewusstsein und nicht schlaftrunken dafür zu danken, dass er so aufrichtig und ehrlich gehandelt hat.“ Jürgen Zanker erinnert sich nur daran, dass der Mann Gersthofen erwähnt und sein Auto ein Augsburger Kennzeichen hatte. Zanker, der im Außendienst arbeitet, war in einem Schnellrestaurant an der B 17. Dort hatte er den Geldbeutel vermutlich aufs Autodach gelegt und dann vergessen. Etwa 80 Euro, Personalausweis, Führerschein, Blutspendeausweis, Kranken- und Kreditkarte befanden sich darin. „Der Verlust des Geldes wäre nicht das Problem gewesen“, sagt Zanker. Viel schwieriger wäre es geworden, die Karten wieder zu beantragen. All das blieb den Zankers erspart. „Das ist fast wie ein Sechser im Lotto“, findet Petra Zanker, die dem ehrlichen Finder noch einmal die Hand drücken möchte.

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