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Nahverkehr Landkreis Augsburg

05.06.2018

Gratis-Fahrten im Bus auch auf dem Land?

Ende des Jahres finden wieder Fahrgastzählungen statt. Auf dieser Basis wird anschließend über die Zukunft der einzelnen Linien entschieden.

Ein kostenloser Einführungsmonat soll die Nachfrage auf neuen Linien ankurbeln.  Es gibt noch weitere Ideen

Gratis Bus fahren nicht nur in der Augsburger Innenstadt sondern auch in kleinen Dörfern im Augsburger Land? Einen entsprechenden Vorschlag hat jetzt die SPD-Kreistagsfraktion gemacht. Im zuständigen Ausschuss brachte Kreisrat Roland Mair einen kostenlosen Einführungsmonat für neue Buslinien ins Spiel, um so die Nachfrage anzukurbeln.

Mair hatte dabei das so genannte ÖPNV-Programm zur Stärkung des ländlichen Raums im Auge. Seit 2008 lassen der Landkreis Augsburg und seine Gemeinden auf eigene Kosten probeweise Buslinien fahren. Finden sie im Durchschnitt mehr als zehn Kunden pro Fahrt, können sie ins Programm des Augsburger Verkehrsverbundes übernommen werden. Liegt die Anzahl der Kunden unter drei pro Fahrt, wird es für den Fortbestand eng.

Derzeit werden rund 30 verschiedene Angebote gefördert und kosten den Kreis und die jeweiligen Gemeinden insgesamt eine Million Euro im Jahr. Die Palette der Linien reicht dabei von Zusatzbussen für die Schülerbeförderung, Nachtbussen für Partygänger bis hin zum Rufbus in einer kleinen Staudengemeinde.

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Kein einziger Fahrgast

Dementsprechend unterschiedlich ist auch die Nachfrage. Während sich auf der Linie 650 von Leitershofen zum Diedorfer Gymnasium im Schnitt 70 Schüler im Bus drängen, ist der inzwischen eingestellte Rufbus zwischen Thierhaupten und Baar aus einem anderen Grund zu einer gewissen Bekanntheit gelangt: Er fand innerhalb eines knappen Jahres keinen einzigen Fahrgast. Kosten der Nullnummer für den Steuerzahler: gut 23000 Euro.

Grundsätzlich, so Walter Michale vom Landratsamt, sei Geduld nötig, bis die Angebote angenommen würden. „Wir brauchen einen längeren Atem.“ Manche Kreispolitiker würden sich in einigen Fällen auch mehr Unterstützung vor Ort wünschen. „In bestimmten Gemeinden funktioniert die Werbung nicht so“, sagte Silvia Daßler (Grüne). Fabian Mehring (FW) forderte deshalb, eine Werbekonzept zur Bedingung für eine Förderung durch den Landkreis zu machen, während die SPD das Gratisangebot zur Einführung ins Spiel brachte: „Null Fahrgäste sind schon frustrierend“, so Roland Mair. Für CSU-Sprecher Lorenz Müller sind die zum Teil geringen Zahlen Beleg dafür, dass der Wunsch nach zusätzlichen Bussen oft größer sei als die tatsächliche Bereitschaft, in ihnen zu fahren. Michael Higl (CSU) wies auf die zentrale Bedeutung einer Servicehotline bei Rufbusangeboten hin: „Die Telefonnummer ist der Schlüssel zum Erfolg.“

Entscheidung fällt Ende 2018

Wie geht es nun mit dem ÖPNV-Programm des Landkreises weiter? Nach dem gestrigen Beschluss des Kreisausschusses stellt der Kreis für die Jahre 2019 bis 2021 wieder seinen Anteil von jeweils 600000 Euro im Jahr bereit. Die Entscheidung über die Zukunft der einzelnen Linien soll nach der nächsten Fahrgastzählung Ende 2018 fallen.

Auf den Prüfstand muss offenbar auch das Förderprogramm des Landkreises für Verbesserungen an den rund 1000 Haltestellen im Augsburger Land, von denen rund die Hälfte nicht einmal ein Dach hat. Im Oktober 2014 beschlossen und mit 50000 Euro im Jahr ausgestattet, fand es bislang ein knappes Dutzend Interessenten. Hauptgrund für die schleppende Nachfrage: Wer alle Bestimmungen umsetzen will, muss so viel Geld in die Hand nehmen, dass die maximal 2000 Euro Förderung nur noch ein Tropfen auf den heißen Stein sind.

Nun könnte ein abgestuftes Förderprogramm kommen, das mehr den tatsächlichen Aufwand berücksichtigt. Dass die bisherige Praxis nicht das Gelbe vom Ei sei, hatte Landrat Martin Sailer (CSU) schon vor einem Jahr eingeräumt. Damals aber hatte die Umsetzung der AVV–Tarifreform in den Augen des Landkreischefs Vorfahrt. Kommentar

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