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Diedorf

28.06.2019

Hat Diedorf noch jahrelang Chlor im Trinkwasser?

Die Qualität von Trinkwasser ist ein sensibles Thema. 
Bild: Marcus Merk

Das Gesundheitsamt äußert sich noch nicht konkret. Die Gemeinde sieht sich auf einem guten Weg – gibt aber große Gefährdungen zu.

Die Chlorung des Trinkwassers in der Marktgemeinde Diedorf wird womöglich noch ein Jahr oder länger andauern. Das wurde auf der Infoveranstaltung zur Wasserversorgung am Dienstagabend in der Aula des Schmuttertal-Gymnasiums deutlich. Grund: Zwar ist ein erstes Paket von Sofortmaßnahmen so gut wie abgearbeitet, und die vom Gesundheitsamt geforderte Gefährdungsanalyse liegt inzwischen vor. Allerdings wird die Gemeinde erst jetzt mit einer zweiten Runde von Sofortmaßnahmen beginnen und ein Konzept für die Zukunftssicherung der Wasserversorgung erarbeiten.

Dennoch hatte Bürgermeister Peter Högg bis Anfang dieser Woche gehofft, mit der Erledigung der ersten Sofortmaßnahmen die Erlaubnis zu erhalten, die Chlorung einstellen zu können. Dafür hat der beratende Ingenieur der Gemeinde, Burkhard Bittner vom Büro PfK aus Ansbach, ein seiner Meinung nach gewichtiges Argument. Denn die weiterhin bestehenden Risiken in der Trinkwasserversorgung bezögen sich unter anderem auf Themen wie die Organisation der Arbeit oder die Beschaffung einer ausreichenden Trinkwassermenge – und da nütze eine Chlorung eben überhaupt nichts. „Natürlich gibt es weiterhin erhebliche Gefährdungen im Trinkwassersystem. Aber mit dem Paket eins sind wir sicher, dass die Chlorung überflüssig ist.“

Eigentlich sollte die Chlorung im August aufhören

Die Gemeinde war nach einem gemeinsamen Termin mit dem Gesundheitsamt Ende Mai davon ausgegangen, bis Anfang der Sommerferien im August die Chlorung hinter sich lassen zu können – und hatte die Veranstaltung am Dienstag geplant, um die frohe Botschaft zu überbringen. Allerdings: Noch hat sich das Gesundheitsamt nicht geäußert, die Antwort wird für nächste Woche erwartet.

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Eine E-Mail der Behörde hat den Bürgermeister jedoch zwischenzeitlich nachdenklich gemacht: So möchte das Gesundheitsamt, das zu dem öffentlichen Termin zwar eingeladen war, jedoch nicht gekommen ist, noch verschiedene Nachweise vorgelegt bekommen. Darunter ist eine Bescheinigung über die Absicherung der Viehtränken der Gemeinde (einige lägen noch nicht vor, so der Bürgermeister), die Sicherheit aller Hausanschlüsse der Gemeinde (hier wurden etwa acht Prozent der Haushalte noch nicht besucht) und über den Rückbau eventueller Totleitungen (die inzwischen beseitigt worden seien, so die kaufmännische Leiterin der Gemeindewerke, Elke Lochbrunner).

400.000 Euro hat Diedorf ins Wasser investiert

Bürgermeister Högg ist sicher, die geforderten Unterlagen schnell nachreichen zu können. „Ich glaube, das Gesundheitsamt hat nicht erwartet, dass wir so schnell und gut sind“, beschreibt er den Verlauf der Arbeiten in den vergangenen Monaten. Rund 400000 Euro hat die Gemeinde seitdem vor allem ins Leitungsnetz und die Hochbehälter investiert, in einem zweiten Paket an Sofortmaßnahmen werden vor allem die Brunnen in Augenschein genommen. Das spreche man dann über ganz andere Summen, so Bittner. So koste eine Brunnenreinigung allein schon 200000 Euro. Überhaupt, das Geld: Der Wasserpreis werde in verträglichem Umfang angepasst, blickte Elke Lochbrunner in die Zukunft. Etwa Mitte 2020 könne man wohl sagen, um wie viel.

Bis dahin soll zumindest der Hochbehälter in Anhausen saniert sein, in dem sich ein bereits vor acht Jahren entdeckter Schaden in einem Sperrohr verbirgt. Der habe aber nie Schwierigkeiten gemacht, so der Bürgermeister. Eine fest installierte UV-Anlage soll nun die Hygiene unterstützen. Auch eine Drucksteigerungsanlage in Vogelsang soll bis Mitte 2020 installiert sein. Über sie wird im Bedarfsfall mehr Wasser der Stadtwerke Augsburg nach Diedorf gepumpt werden können. Etwa in einem Jahr könnte ein ebenfalls vom Gesundheitsamt gefordertes Handbuch zum Betrieb der Diedorfer Gemeindewerke vorliegen, das es bislang einfach nicht gibt.

Was wird aus dem Tiefbrunnen II in Anhausen?

Auch über die Sofortmaßnahmen hinaus bleiben dem Markt Diedorf noch schwere Aufgaben. So müsse der Tiefbrunnen II in Anhausen in absehbarer Zeit ersetzt werden, kündigte Burkhard Bittner an. Auch Hochbehälter müssten wohl ersetzt werden. Weiterhin stünde das gesamte Trinkwassersystem von Diedorf auf dem Prüfstand, dass einmal für mehrere kleine Gemeinden gebaut, aber nie für die Versorgung einer Gemeinde mit aktuell 11000 Einwohnern ausgelegt war. Er bleibt dennoch dabei: Der gesunde Menschenverstand spreche nun für ein Ende der Chlorung, sagte er in Richtung Gesundheitsamt.

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