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Meitingen

09.09.2019

In Meitingens Partnergemeinde lebt die Geschichte

Esplanade St. Jacques: Unterhalb der Kirche St. Jacques wurde vor einigen Jahren das alte Kino abgerissen. Der dadurch entstandene Freiraum wurde dazu genutzt, die Aufenthaltsqualität im dicht bebauten Zentrum zu verbessern. In dieser Anlage ist das Geschenk der Meitinger zum 40-jährigen Jubiläum aufgestellt: eine Stele aus Cortisonstahl mit dem durchbrochenem Schriftzug Amitié - Freundschaft - Pouzauges - Meitingen
Bild: Andrea Gärtner

In der Nähe der französischen Gemeinde Pouzauges befindet sich einer der größten Freizeitparks weltweit. Die Verbindung zu Meitingen begann beim Skifahren.

Am Anfang war eine zufällige Urlaubsbekanntschaft: Als die jungen Meitingerinnen Wilma Zukrigl und Gertrud Kern zu Beginn des Jahres 1968 ihren Urlaub in den französischen Alpen verbrachten, trafen sie auf gleichaltrige Skifahrer. Diese waren aus Pouzauges, einer kleinen Gemeinde in Westfrankreich und suchten den Kontakt zu den deutschen Skifahrerinnen.

Man verstand sich und noch im selben Jahr reisten 40 Jugendliche aus Pouzauges in das über 1000 Kilometer entfernte Meitingen. Auch bei diesem Besuch scheint die Chemie gestimmt zu haben, denn im darauffolgenden Jahr wagten 54 junge Leute aus Meitingen den Gegenbesuch in Pouzauges.

Eine neu entstandene Verbindung in das Nachbarland

Schnell wurden auch die jeweiligen Gemeindepolitiker auf die neu entstandene Verbindung in das Nachbarland aufmerksam. Deshalb besuchten die Delegationen zu Beginn der 70er-Jahre die jeweils andere Gemeinde und beschlossen, diese Verbindung mit einer Partnerschaftsurkunde zu verewigen. So kam es, dass die beiden Bürgermeister Emile Robert und Leonhard Rieger 1973 in Pouzauges und im Jahr darauf in Meitingen die Urkunden unterzeichneten.

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Mittlerweile sind die Beziehungen über 45 Jahre gewachsen, das Partnerschaftskomitee Meitingen-Pouzauges kümmert sich nach wie vor um eine enge Verbindung nach Frankreich. Regelmäßige gegenseitige Besuche gebe es, berichtet Andrea Gärtner, eine der vier Vorsitzenden des Partnerschaftskomitees. Zuletzt sei man dieses Jahr an Pfingsten für vier Tage nach Pouzauges gefahren. Hinzu kämen gemeinsame Komiteetreffen an „neutralen“ Orten.

Partnerschaftskomitee unterstützt den Schüleraustausch

Diese seien besonders fruchtbar, da dadurch keiner von beiden eingespannt wäre und man mehr Zeit füreinander hätte, so Gärtner. Von enormer Bedeutung für die gegenseitige Verständigung sei aber vor allem der jährliche Schüleraustausch. Dieser sei sehr besonders, da es sich dabei um die Mittelschule in Meitingen handelt. An Mittelschulen werde kein Französisch unterrichtet, der Austausch funktioniere aber trotzdem sehr gut, freut sie sich. Das Partnerschaftskomitee unterstütze den Schüleraustausch.

Aber auch ansonsten versuche man über verschiedene Aktionen auf sich aufmerksam zu machen, sagt Gärtner. Dabei könne es sich um eine Fahrt auf den Weihnachtsmarkt in Straßburg handeln oder auch die Einladung zu einem französischen Abendessen. Das Komitee sei zwar breit aufgestellt, „aber wir versuchen trotzdem möglichst viele Leute zu erreichen“, erklärt die Vorsitzende. Es sei für Partnerschaftsvereine nicht immer leicht, Nachwuchs zu generieren. Bei dem Meitinger Komitee sei es jedoch gelungen, auch dank der Weitsicht der vorherigen Vorsitzenden Renate Unger. Diese habe rechtzeitig geplant und ihre Nachfolge geregelt, lobt Gärtner.

In Pouzauges empfiehlt sie, die zwei Kirchen zu besichtigen. Zum einen die im 11. Jahrhundert erbaute romanische Kirche „Notre-Dame du Vieux Pouzauges“, in der es unter anderem alte Fresken zu bestaunen gebe. Zum anderen die etwas jüngere, aber auch noch im selben Jahrhundert errichtete Kirche „Saint-Jacques“, die ursprünglich romanische und gotische architektonische Elemente vereint hatte. Am höchsten Punkt der Gemeinde befinde sich zudem die Ruine eines Schlosses, welche besichtigt werden könne, so Gärtner.

Ein Freizeitpark ohne Karussells oder Achterbahnen

Ein besonderes „Highlight“ liege ungefähr 20 Autominuten von Pouzauges entfernt. Dort stehe der Freizeitpark „Le Puy du Fou“, der komplett ohne Karussells oder Achterbahnen auskomme. In diesem gebe es ausschließlich Live-Shows, in welchen der Lauf der Geschichte im Département Vendée nachgespielt werde. Das reiche von der Römerzeit bis zu den Schlachtfeldern von Verdun im 1. Weltkrieg. Sie selbst habe es sich vorher nicht wirklich vorstellen können, was sie dort erwarten werde, erzählt die Vorsitzende des Partnerschaftskomitees. „Als wir dort waren, bin ich aber ganz begeistert gewesen, es ist spektakulär, sagt sie. „Le Puy du Fou“ sei bezogen auf die Besucherzahlen einer der größten Freizeitparks weltweit. Und falls die Besucher von Pouzauges mal Luft auf frische Meeresluft bekommen sollten, die Atlantikküste liege auch nur eine Autostunde entfernt, so Gärtner.

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