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25.07.2011

„Jetzt geht’s erst richtig weiter!“

Vor dem Bayernliga-Auftakt des TSV Gersthofen am morgigen Sonntag um 15 Uhr gegen den SV Heimstetten standen Trainer Robert Walch und Geschäftsführer Klaus Raßhofer (von rechts) den Redakteuren Oliver Reiser und Florian Eisele (von links) in den Redaktionsräumen der AZ Augsburger Land Rede und Antwort.
Bild: Foto: Marcus Merk

Trainer Robert Walch und Geschäftsführer Klaus Raßhofer im Gespräch: „Bisher war die Bayernliga die erste Liga. Jetzt steht die neue Regionalliga im Fokus“

Gersthofen Am morgigen Sonntag wird in der Geschichte des TSV Gersthofen ein neues Kapitel aufgeschlagen. Zum ersten Spiel in der Fußball-Bayernliga erwarten die Schwarz-Gelben den SV Heimstetten in der Abenstein-Arena (Anpfiff 15 Uhr). Vor der Premiere in der bayerischen Königsklasse sprachen wir mit Trainer und Manager Robert Walch sowie Geschäftsführer Klaus Raßhofer.

Zunächst nochmals ganz offiziell: Herzlichen Glückwunsch zum Aufstieg! Damit war ja weder vor Saisonbeginn und schon gleich gar nicht mehr nach der 3:5-Schlappe gegen Unterföhring zu rechnen. Oder?

Walch: Definitiv nicht. Der Aufstieg war auch nicht als Ziel ausgegeben. Wir wollen lediglich unter die ersten Sechs kommen. Raßhofer: Man darf auch nicht vergessen, dass in diesem Spiel mit Andi Neumeyer und Mark Römer beide Stürmer gefehlt haben.

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Anschließend wurde Gerhard Hildmann als Co-Trainer ins Boot geholt. Welchen Anteil hatte er am Aufstieg?

Walch: Schwer zu sagen welchen Anteil eine einzelne Person hat. Gerhard Hildmann hat ganz gut ins Gesamtgefüge gepasst. Den Ausschlag hat aber die Mannschaft gegeben. Sie ist richtig zusammengewachsen. Raßhofer: Eine neue Ansprache, neue Impulse – das war schon wichtig. Und auch die Stürmer waren dann wieder dabei.

Wie sind die Aufgaben zwischen Walch und Hildmann aufgeteilt?

Walch: Ganz klar. Dabei sprechen wir die Inhalte ab. Im Training entscheidet Gerhard Hildmann eigenverantwortlich die Dinge, während ich viele Einzelgespräche führe.

Wer gehört sonst noch zum Team hinter dem Team?

Walch: Unser Torwarttrainer Franz Vida sowie unser Physiotherapeut Thomas Jakob, der ein extrem wichtiger Ansprechpartner für die Spieler ist. Raßhofer: ... und selbstständig das Reha- und Koordinationstraining leitet. Walch: Und nicht zu vergessen unser Betreuer Lothar Olbert. das Mädchen für Alles. Raßhofer: Als wir eine Zeitlang ohne ihn waren, hat man erst gemerkt, wie wichtig er ist.

Herr Raßhofer. Sie waren Co-Trainer, Trainer der 2. Mannschaft und sind jetzt Geschäftsführer. Was sind Ihre Aufgaben?

Raßhofer: Alles Operatives rund um Spielbetrieb und Organisation, Etatverantwortung, Materialbeschaffung, Koordination von Sitzungen, Ticketing, Sponsorenpflege und -verwaltung. Dabei werde ich von Steffi Meyer-Döner unterstützt, die alle Büroarbeiten erledigt. Die Bayernliga ist tatsächlich eine andere Welt. Sollten wir in Gefahr laufen in die Regionalliga aufzusteigen, müssen wir weitere Strukturen schaffen, brauchen wir noch mehr Manpower. Das Spiel gegen Bayern Hof am 7. August hat zum Beispiel die Sicherheitsstufe eins. Da müssen wir ein separates Konzept vorlegen. Walch: Klaus Raßhofer ist auch Ansprechpartner für den Verband und alle, die etwas von uns wissen wollen. Die Bayernliga ist da schon andere Welt. Und der BFV bereitet ja auch schon die Regionalliga Bayern vor.

Nach dem 3:1-Sieg im Relegationsspiel gegen die SpVgg Selbitz war das große Ziel Bayernliga dann geschafft. Was haben Sie dabei empfunden?

Walch: Mein erster Gedanke war: Jetzt geht’s erst richtig weiter! Vor drei Jahren war für den TSV Gersthofen die Bayernliga noch die erste Liga, jetzt ist es die Regionalliga. Dritte Liga geht dann nicht mehr. Das wäre utopisch.

Als der Aufstieg feststand, wurde die Mannschaft runderneuert. Zwölf Spieler kamen, zehn gingen. War das notwendig?

Walch: Absolut ja! Egal in welche Liga man aufsteigt, es muss umgebaut werden. Bis auf Römer und Neumeyer sind ja nur Ergänzungsspieler gegangen. Wir haben nicht nur eine höhere Qualität geholt, sondern auch die Breite verstärkt.

Bis auf eine Ausnahme sind alle Spieler beim TSV deutscher Muttersprache. Ist das bewusst geschehen?

Walch: Das ist ganz einfach zu erklären. Wir haben den Kader ohne Spielerberater zusammengestellt. Raßhofer: Ich habe alle abgewimmelt. Walch: Unser klares Konzept war es, die Mannschaft ausschließlich aufgrund persönlicher Kontakte zusammenzustellen.

Wie haben sich die Neuen bisher präsentiert und eingefügt?

Walch: Sehr gut. Es entwickelt sich ein überragender Teamgeist. Die Spieler verstehen sich gut, es macht allen viel Spaß.

Der Kader des TSV weist sowohl Qualität als auch Quantität auf. Gibt es etwas, woran es Ihrer Mannschaft noch fehlt?

Walch: Die Bayernliga ist eine Kampfliga. Wir müssen den Kampf annehmen, in den Zweikämpfen die nötige Härte zeigen, vielleicht auch ein kleines bisschen schmutziger spieler. Dazu müssen wir lernen, dass wir kollektiv, intensiv und mit hoher Laufintensität gegen den Ball spielen. Raßhofer: Es ist erkennbar, dass sich die Spielweise geändert hat. Es wird mehr Fußball gespielt. Die hohen, weiten Bälle auf Mark Römer wird man nicht mehr sehen. Kinzel und Raffler haben ihre Stärken am Boden. Aber die Rädchen müssen halt erst einmal ineinander greifen. Die Mannschaft ist sehr jung, nur wenige haben Bayernliga-Erfahrung. Es wird vorkommen, dass wir vielleicht besser spielen, aber von einer routinierten Truppe abgezockt werden. Das nennt man Lehrgeld zahlen.

Werden Spieler wie Berkan Köroglu, die nach länger Pause vom hochklassigen Fußball noch nicht richtig fit sind, in der zweiten Mannschaft spielen?

Walch: Nein. Das wird es definitiv nicht geben. Der Sprung von der Bayernliga in die Kreisklasse ist zu groß. Unser Bestreben war es immer, die zweite Mannschaft nach oben zu bringen, doch da haben die Strukturen noch nie funktioniert. Die Abteilungsleitung will das nicht. Sie sieht die zweite Mannschaft eher als Hobby, auf Breitensport ausgelegt, an. Deshalb ist vor dieser Saison auch die Trennung erfolgt.

Zurück zu ersten Mannschaft. Welche Ziele setzen Sie sich für die kommende Saison?

Walch: Jeder, der heuer in der Bayernliga mitspielt, will unter die ersten Neun kommen. Das ist auch unser Ziel. Alles andere wäre ja bescheuert. Für mich wäre Platz zehn und darunter eine Niederlage. Raßhofer: Damit muss man auch ein Signal an die Mannschaft setzen. Wirtschaftlich war es jedoch wichtig, dass wir sagen können: Wir spielen jetzt mindestens zwei Jahre in der Bayernliga.

Zwölf neue Spieler – darunter einige klangvolle Namen – und ein Etat von 170000 Euro. Das passt für viele Kenner der Szene nicht zusammen. Wie hoch ist der Etat der TSV Gersthofen wirklich und wie wird er bestritten?

Walch: Der Etat beträgt tatsächlich 170000 Euro für die erste Mannschaft. Raßhofer: Bekannte Namen heißt nicht immer automatisch teuer. Im Amateurbereich werden nicht mehr die großen Summen bezahlt. Walch: Mit Ausnahme des BC Aichach. Raßhofer: Aber wer nur wegen des Geldes spielt, der wird Probleme bekommen. Sicher wird auch in Gersthofen Geld bezahlt, aber die Option Bayernliga oder Regionalliga zu spielen hat auch einen hohen Stellenwert. Walch: Wer viermal in der Woche trainiert, am Samstag irgendwo in Bayern spielt, der hat Anspruch auf eine Entlohnung wie in einem Minijob. So 400 bis 500 Euro im Schnitt. Unser Etat ist noch nicht gedeckt. Die Stadt Gersthofen hat jedoch Unterstützung zugesagt. Ich gehe davon aus, dass uns Bürgermeister Jürgen Schantin noch einige Türen öffnen wird. Raßhofer: Wir sind auf jedem Fall auf einem guten Weg. Nach dem Aufstieg hat sich Aufbruchsstimmung bemerkbar gemacht.

In jüngster Zeit war immer wieder davon die Rede, dass man die erste Mannschaft aus dem Verein ausgliedern möchte. Was ist da dran und wie weit sind die Vorbereitungen?

Raßhofer: Das ist angedacht. Aber momentan befinden wir uns erst in einer Informationsphase. Da müssen auch noch viele rechtliche Punkte geklärt werden. Walch: Eine Ausgliederung ist für die Fußballer kein Vorteil, weil damit Fördergelder wegbrechen würden, sondern für den Gesamtverein.

Zuletzt war man beim TSV Gersthofen mit dem Zuschauerzuspruch nicht mehr so ganz zufrieden. Wie will man wieder mehr Besucher in die Abenstein-Arena locken?

Walch: Wir müssen attraktiv spielen. Aber ich weiß nicht, ob das reicht. Ich denke, dass sich die Strukturen verändern werden, mehr Besucher von außerhalb kommen. Der FCA hat vor zehn Jahren auch vor 250 Zuschauern im Rosenaustadion gespielt. Raßhofer: Wir müssen die Zuschauerzahlen weiter beobachten und analysieren. Zunächst haben wir unsere moderat angehobenen Eintrittspreise nochmals modifiziert. Beim Dauerkartenverkauf hätte ich mir mehr gewünscht. Aber die VIP-Karten gehen gut.

Morgen geht’s los. Das erste Bayernliga-Spiel gegen den SV Heimstetten steht auf dem Programm. Wie sehen Ihre Erwartungen aus?

Walch: Jeder will das erste Spiel gewinnen. Vor drei Jahren haben wir auch das erste Saisonspiel gegen Heimstetten bestritten und 3:0 gewonnen. Das wär’s doch.

Und wer wird spielen? Haben Sie schon eine Mannschaft im Kopf?

Walch: Im Kopf schon – aber verraten werde ich es noch nicht. Bis auf Christian Geiger, der sich im Urlaub in den USA befindet, und Lukas Kling, der gesperrt ist, sind alle Mann an Bord. Ein Fragezeichen steht noch hinter Berkan Köroglu, der sich krank gemeldet hat.

Das Interview führten Florian Eisele und Oliver Reiser.

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