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Landkreis Augsburg

01.04.2019

Kreisrat klagt: „Wir verdrecken“

Erst vor Kurzem haben Unbekannte auf dem Gelände des Ziegelhofs illegal ihren Müll entsorgt.
Bild: Bunter Kreis (Archiv)

Immer mehr Müll landet in der Natur: Die Kommunalpolitiker bemängeln das Fehlverhalten einiger Bürger im Landkreis Augsburg.

Eine Kampagne gegen wilde Müllablagerungen in der Landschaft der Grünen-Kreisrat Hannes Grönninger gefordert. Immer mehr Unrat lande in der Natur, so der Neusässer. „Wir verdrecken.“ Mit seiner Klage in dem für Abfallwirtschaft zuständigen Werkausschuss hatte Grönninger offenbar auch den Nerv anderer Kreisräte getroffen. Denn sie stimmten ein.

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Bernhard Walter (SPD) hatte sogar ein Foto dabei. Es zeigt einen Anhänger. Der Bürgermeister von Altenmünster versucht seit seit zwei Jahren vergeblich, den Halter dazu zu bewegen, das Gefährt wegzubringen. Die Überzeugung des ehemaligen Polizisten Walter: „Ein gehöriger Verfolgungsdruck würde helfen.“ Doch, so sein Eindruck, die Behörden seien da nicht mehr so dahinter wie früher.

Kanister mit Säure illegal entsorgt

Der Langerringer Rathauschef Konrad Dobler (CSU) sagt: „Das Ganze ist höchst ärgerlich, aber „was willst Du machen?“ Er sei erst auf mehrere Kanister mit Säure gestoßen, die illegal entsorgt wurden. Aus dem nördlichen Landkreis erzählte Franz Neher (SPD) von Hunderten Pfandflaschen, die in der Friedberger Ach gefunden worden seien und beklagte eine „Spaltung der Gesellschaft. Eine Häfte ist sehr umweltbewusst, die andere disziplinlos bis zum geht nicht mehr.“

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„Diesen Trend werden wir kaum brechen“, meldete Landrat Martin Sailer (CSU) Zweifel an der Wirksamkeit der von Grönninger geforderten Kampagne an. Was der Landkreis aber tut: Er sanktioniert künftig verschmutzten Biomüll stärker. Dafür stellte der Ausschuss am Montag einstimmig die Weichen.

Biotonnen werden jetzt durchleuchtet

Wie bereits berichtet, werden ab Frühjahr die braunen Biomülltonnen stichprobenartig mit einem Metalldetektor nach „Fehlwürfen“ durchleuchtet. Tonnenbesitzer, bei denen der Detektor anschlägt, erhalten eine gelbe Karte. Ab Herbst gibt es dann rote Karten und die Tonnen, bei denen der Detektor anschlägt, bleiben ungeleert stehen.

Ihre Besitzer können dann den Biomüll von Hand nachsortieren oder in Restmüllsäcke umfüllen – was vermutlich nicht jedermanns Sache ist. Gegen Aufpreis und Anmeldung gibt es deshalb ab Herbst eine dritte Lösung, erklärte die Leiterin des Abfallwirtschaftsbetriebs, Daniela Bravi. Die braune Tonne wird im Zuge der nächsten Restmüllabfuhr mit geleert. Kostenpunkt bei einem 120-Liter-Gefäß: 34,50 Euro. Für Papiertonnen gilt eine ähnliche Regelung.

Hintergrund des Vorgehens: Der Landkreis will die Qualität des Biomülls verbessern. Denn immer wieder landen Dinge in der braunen Tonne, die nicht hineingehören. 2017 lag der Anteil an Fremdstoffen im Biomüll zeitweise bei fünf Prozent, heißt es vonseiten des Landratsamtes.

Tagtäglich landet Plastik im Bio-Abfall

Aus dem Bioabfall werden in der Vergärungsanlage in Lechhausen Gas und Komposterde gewonnen. Doch Fremdstoffe wie Metalle, Plastik oder Textilien können nicht verwertet werden und müssen aussortiert werden. Mit einem magnetischen Band kann der Metallschrott in der Anlage bereits relativ gut getrennt werden. Deutlich mehr Probleme bereitet den Entsorgern die große Menge an Plastik, die tagtäglich im Bio-Abfall landet. Rund 2000 Tonnen kommen im Jahr in der Abfallverwertung Augsburg zusammen. Pro Jahr fallen im Kreis rund 30.000 Tonnen an Bioabfällen an.

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02.04.2019

Ich komme gerade aus Wien zurück und der Kontrast könnte extremer nicht sein. Wie ein Millionenstadt es schafft sauberer zu sein als Teile des Landkreises ist mir ein absolutes Rätsel. Ein weiteres Rätsel ist die in Teilen vorhandene Ignoranz der lokalen Politik, die mehr als oft genug auf die Vermüllung der Landschaft hingewiesen wird. Ein Gang am Wochenende bei gutem Wetter am Rothsee vorbei ist, was die Müll und Scherbenmenge angeht, eine Katastrophe...... Das wilde Müllentsorgen am Kellerberg ist eine grosse Sauerei und wird nur halbherzig seitens der Verantwortlichen beobachtet, wenn überhaupt!

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