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Amazon

23.02.2013

Logistikzentrum: Leiharbeiter stehen auf der Straße

Meterlange Regale prägen das Bild in den Amazon-Hallen. Hier liegen die Waren, die die Mitarbeiter entsprechend der Kundenbestellungen zusammentragen und verpacken.
Bild: Michael Hochgemuth

Das Amazon-Logistikzentrum in Graben übernimmt Saisonarbeiter. Doch sie finden in der Region keine Unterkunft.

Sie hatten als Saisonarbeiter angeheuert. Die Hoffnung, einen dauerhaften Job im Amazon-Logistikzentrum in Graben zu finden, war bei vielen dennoch groß. Jetzt droht dieser Traum für einige endgültig zu platzen. Aber nicht etwa, weil der Online-Riese sie entlässt. Nach Angaben der Gewerkschaft Verdi stehen rund 100 Mitarbeiter auf der Straße, weil sie keine Unterkunft in der Region finden.

„Ohne Wohnung kein Arbeitsvertrag, ohne Arbeitsvertrag keine Wohnung“, erklärt Verdi-Sekretär Thomas Gürlebeck. Die meisten der Betroffenen kommen seinen Angaben zufolge aus Ungarn oder Polen. Denn vor allem dort hatte Amazon zum Weihnachtsgeschäft Mitarbeiter rekrutiert. Schätzungen zufolge hatte das Unternehmen seine Belegschaft in Graben von rund 2500 Mitarbeitern auf gut 5000 aufgestockt. Konkrete Angaben dazu macht Amazon nicht.

Fest steht aber, dass etliche dieser Mitarbeiter auch nach Abwicklung des Weihnachtsgeschäfts von dem Online-Händler weiterbeschäftigt wurden. Nach Angaben von Verdi waren zum Zeitpunkt der Betriebsratswahl vor eineinhalb Wochen neben 2500 Angestellten 250 Leiharbeiter im Logistikzentrum tätig. Ein Problem stellt aber deren Unterbringung dar. Denn viele von ihnen kommen nicht aus der Region. Um den Bedarf an Saisonkräften in der Vorweihnachtszeit zu decken, hatte Amazon auch im Ausland geworben.

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Laut Arbeitsagentur hatte das Unternehmen Kontakt zu osteuropäischen Personaldienstleistern, die die Menschen nach Deutschland holten und hier für ihre Unterbringung sorgten.  Unterkünfte gab es unter anderem in Bad Wörishofen, Kaufbeuren, Markt Wald oder in Walkertshofen.

Negative Schlagzeilen schrecken Vermieter ab

Nach Auskunft der Stadtverwaltung von Bad Wörishofen wohnen dort derzeit noch rund 120 bis 150 Amazon-Mitarbeiter in Hotels und Pensionen. Ende Februar sollen sie aber abreisen. Die, die bei Amazon weiterarbeiten können, müssten bis dahin eine neue Unterkunft gefunden haben. Doch das scheint derzeit in der Region alles andere als einfach zu sein.

Wie Verdi-Sekretär Gürlebeck berichtet, nähmen nur wenige Vermieter Amazon-Mitarbeiter auf, manche nähmen wegen der anhaltenden Negativberichterstattung lieber Abstand. Andere würden „Horrormieten“ verlangen. Dieter Müller, Inhaber des Hotels Burgberg in Walkertshofen, bei dem ebenfalls Leiharbeiter während des Weihnachtsgeschäfts untergebracht waren, berichtet von ähnlichen Problemen seiner ehemaligen Bewohner. „Die waren nicht auf Zeit hier, die haben sich nach Wohnungen umgeschaut und wollen in Deutschland leben.“ Einige hätten nun in Fischach und Markt Wald tatsächlich Unterkünfte gefunden.

Unterdessen reißen die Diskussionen um Amazon und den Umgang des Unternehmens mit seinen Leiharbeitern nicht ab. Vor gut einer Woche war in einer ARD-Dokumentation über die umstrittenen Methoden des Online-Riesen berichtet worden. Mussten die Saisonarbeiter aus dem Ausland auch in Graben zu Dumpinglöhnen arbeiten? Wurden sie hier in ihren Privatunterkünften überwacht? Und welche Rolle spielt der dubiose Sicherheitsdienst Hensel European Security Services (HESS)?

Amazon dementierte auf Anfrage unserer Zeitung, dass dieser Sicherheitsdienst, dessen Mitarbeiter angeblich dem rechten Milieu zugeordnet werden, in irgendeinem seiner Logistikzentren tätig waren. Doch auch in der Region wird gemunkelt, die Leiharbeiter hätten in ihren Privatunterkünften Besuch von Sicherheitskräften bekommen. Laut Verdi sei die Überwachung in Graben aber „längst nicht so ausgeprägt“ gewesen wie in der ARD-Dokumentation über den Standort Bad Hersfeld dargestellt.

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