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Deuringen

27.04.2020

Mountainbiker wollen mit Petition eigenes Areal erreichen

Große Sprünge wollen die Mountainbiker auch in den westlichen Wäldern machen. Eine Petition soll nun dafür sorgen, dass eigene Trailareale eingerichtet werden können.
Bild: Tobias Karrer

Plus Das Verhältnis zwischen Waldbesitzern und Mountainbikern in Deuringen ist problematisch. Jetzt gibt es eine Petition, die den jahrelangen Konflikt beenden könnte.

Seit vielen Jahren schwelt der Konflikt zwischen Mountainbikern, Waldbesitzern und Ämtern, vor allem im Wald bei Deuringen und Leitershofen (Kreis Augsburg). Erst kürzlich ging wieder eine Welle der Empörung durch die Mountainbikeszene. Einige besonders beliebte Trails unterhalb der Waldhausklinik wurden gesperrt, Baumstämme auf die Pfade gezogen und ein Aushang drohte mit „kostenpflichtigen Unterlassungserklärungen“. Die betroffenen Grundstücke gehören dem Bundesforstbetrieb mit Sitz in Hohenfels.

Seit etwa zwei Wochen läuft jetzt eine Petition, die dem Konflikt durch die „Genehmigung eines legalen Trailareals“ ein Ende setzen will. Im Petitionstext steht: „Durch die aktuelle Zerstörung lieb gewonnener, jedoch illegal errichteter Trails entstand die Notwendigkeit zum Handeln, um einer Verschärfung der Situation entgegenzuwirken.“ Die Petition fordert allerdings keine kompromisslose Legalisierung der Mountainbikestrecken in den westlichen Wäldern, sondern betont: „Nur wenn wir uns zusammenfinden, können wir etwas bewegen und gezielt an unsere Ansprechpartner herantreten.“ Versuche, den Konflikt zu klären, gab es schon häufig, auch mit Beteiligung von Mountainbikern – bisher jedoch ohne Erfolg.

Deuringen: Die Petition wird auch vom Alpenverein unterstützt

Die Petition, die auch vom Deutschen Alpenverein Sektion Augsburg unterstützt wird, hat mittlerweile über 2000 Unterschriften gesammelt. Unter den über 700 Kommentaren findet sich oft der Ruf nach klaren Regeln und einem Ende des Konflikts. Außerdem zeigen die Kommentare: Das Interesse geht weit über die Grenzen des Landkreises hinaus. „Ein Leben in der Grauzone und die ewigen Diskussionen, die durch wenige intolerante Biker und Fußgänger angeheizt werden, bin ich leid“, schreibt zum Beispiel eine Nutzerin aus Germering.

Tanja Binder, Mountainbikerin aus Kissing, hat die Petition ins Leben gerufen. Sie sieht als Grundschullehrerin auch den pädagogischen Wert der Trails. Außerdem erklärt sie: „Als ich vor 20 Jahren angefangen habe, waren wir Mountainbiker eine Handvoll Leute. Doch jetzt sind wir unzählige und die erste Generation hat Nachwuchs, der ebenfalls radbegeistert ist.“

Deshalb sei es wichtig, den „scheinbaren Kreislauf von notgedrungenem illegalen Trailbau der Jugend, Zerstörung durch das Forstamt und erneutem wilden Streckenbau an anderer Stelle“ auch der Natur zuliebe zu durchbrechen.

Interessenkonflikt im Wald bei Deuringen: Hier treffen Sportler auf Naturschützer. Der Bundesforst will die Situation nicht eskalieren lassen.
Bild: Tobias Karrer

Mountainbiker wollen dem Konflikt ein Ende setzen

Durch die Petition haben sich unterschiedliche Menschen und Organisationen bei Tanja Binder gemeldet – vor allem Mountainbiker, die dem Konflikt ebenfalls ein Ende setzen wollen. Die Gründung eines Vereins steht in den Startlöchern. „Wir haben alles soweit vorbereitet, dass nach Corona direkt die Eintragung ins Register erfolgen kann“, erklärt Binder.

Für die Zusammenarbeit mit einem Verein ist Hubert Droste, der Leiter der bayerischen Staatsforsten in Zusmarshausen, offen. „Wenn es einen offiziellen Träger gibt, sind wir die Letzten, die sagen, dass wir da nicht mitmachen.“ Tatsächlich sieht er den Staatswald und andere öffentliche Besitzer als erstes in der Pflicht, an so einer Zusammenarbeit mitzuwirken. Droste, dessen Forstbetrieb für große Teile der westlichen Wälder verantwortlich ist, könnte sich vorstellen, Flächen oder Wege zur Verfügung zu stellen und bei der Absicherung mit einem Verein zusammenzuarbeiten. Auch er sieht den Bedarf eines offiziellen Angebotes für Mountainbiker, um „Wildwuchs“ zu vermeiden. Sein Forstbetrieb sei bereits recht tolerant, wenn es ums Mountainbiken auf Waldpfaden und bestehenden, einfachen Trails ohne große Bauwerke gehe. Allerdings gebe es zum Beispiel bei Leitershofen Sprünge und Schanzen, die er aufgrund seiner Verkehrssicherungspflicht und der damit verbundenen Haftung nicht tolerieren könne. Droste ist zuversichtlich, dass in Zusammenarbeit mit einem Trägerverein gute Kompromisse gefunden werden könnten. „Bisher sind Gespräche oft daran gescheitert, dass wir keinen offiziellen Ansprechpartner unter den Mountainbikern hatten“, sagt er.

Das Thema beschäftigt auch Behörden

Das Thema beschäftigt viele Menschen und Behörden. Der Bundesforstbetrieb Hohenfels, der große Teile der Wälder bei Deuringen besitzt, arbeitet noch an einer Stellungnahme. Die Corona-Krise verzögert auch dort alle nicht essenziellen Vorgänge. Ähnlich stellt sich die Situation im Landratsamt dar, in dem auch die Naturschutzbehörde angesiedelt ist. Dort müssen sich nach einer Anfrage unserer Zeitung mehrere Abteilungen abstimmen. In Zeiten des Homeoffice kostet das Zeit.

Die Problematik ist seit Jahren dieselbe: Die Mountainbiker berufen sich auf das freie Betretungsrecht des Waldes, das unter anderem in Artikel 14 des Bundeswaldgesetzes und in Artikel 141 der Bayerischen Verfassung festgeschrieben ist. Sie wollen frei und ungestört durch den Wald fahren, auf Waldstraßen und Pfaden, aber auch auf angelegten Trails.

Dagegen stehen häufig das Naturschutzgesetz, das Eigentumsrecht und die Verkehrssicherungspflicht der Grundbesitzer. Natürlich bewegt man sich im Wald auf eigene Gefahr, allerdings steht im Gesetz der Begriff „waldtypische Gefahren“.

Ein Waldbesitzer, der eine hohe Schanze toleriert, stehe unter Umständen mit einem Fuß im Gefängnis, erklärt Thomas Miehler vom BUND Naturschutz Stadtbergen, der sich schon seit einiger Zeit mit dem Thema beschäftigt. Es gibt Urteile, die dem widersprechen und von Mountainbikern zitiert werden.

Abschließend geklärt scheint die Frage, wer bei einem Unfall auf einem Mountainbiketrail haftet, allerdings nach wie vor nicht.

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