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Stettenhofen

14.05.2015

Nach dem Tornado stehen Anwohner vor den Ruinen ihrer Häuser

Ihsan Akkan stand am Fenster seiner Wohnung im zweiten Stock links – er brachte sich gerade noch in Sicherheit, als vom Sog des Tornados die Fassade samt Fenster weggerissen wurde.
Bild: Marcus Merk

Ein Gewittersturm richtet am Mittwochabend im Langweider Ortsteil Stettenhofen Verwüstung an. Warum nicht nur Ihsan Akkan  nach dem Tornado ohne Wohnung dasteht.

Szenen wie nach einem Luftangriff: Nach dem schweren Gewittersturm am Mittwochabend bietet sich am Donnerstagmorgen im Langweider Ortsteil Stettenhofen ein Bild der Verwüstung. Um 22.45 Uhr war ein Tornado vom Gablinger Gewerbegebiet im Nordwesten quer durch den Ort in südöstlicher Richtung gezogen. Nun liegen überall Metallteile von Flachdächern, Dachziegel, jede Menge Bäume herum. Bei dem Anblick erscheint es als ein wahres Wunder, dass es nur zwei Leichtverletzte gab.

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Bild: Marcus Merk, Hilfsorganisation ACO e.V., Ibrahim Yilmaz, Katja Röderer, Christoph Bruder, Erich Echter, Karl-Josef Hildenbrand dpa

„Mindestens 50 Häuser sind betroffen“, sagt Polizei-Einsatzleiter Wolfgang Thomas. Den Schaden kann er noch nicht beziffern. „Er geht aber sicher in die Millionen.“

In den Straßen stehen viele Anwohner und betrachten fassungslos die Schäden. Andere, die es nicht so stark erwischt hat, beginnen bereits mit den Aufräumarbeiten.

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Besonders schlimm betroffen sind mehrere Wohnblocks „Am Breitenbach“ am südöstlichen Ortsrand. „Hier hat die Windhose noch einmal an Kraft gewonnen“, sagt Wolfgang Thomas. „Schließlich war die Sogwirkung so groß, dass es einen Teil der Fassade weggerissen hat.“

Glück im Unglück gehabt

Dies hätte den Wohnungseigentümer Ihsan Akkan fast das Leben gekostet: Er lehnte sich gerade aus dem Fenster, um das Unwetter zu beobachten, als das Fensterbrett sich plötzlich bewegte. Im Affekt sprang er zurück ins Zimmer und musste zusehen, wie die Hauswand vor ihm in die Tiefe gerissen wurde. Teile der Wand und der Dachkonstruktion liegen noch hundert Meter weiter im Acker. 19 Bewohner mussten evakuiert werden und verbrachten die Nacht schließlich in der Augsburger Jugendherberge.

Einen weiteren Glückspilz gab’s in der Donauwörther Straße: Anthula Kottas’ Sohn wohnt in einer Eigentumswohnung über ihrem Obst- und Feinkostladen. Dort wurde das Dach beschädigt. „Mein Sohn war gerade von der Arbeit nach Hause gekommen und hatte sich daraufhin aufs Sofa gesetzt, das direkt unter dem Fenster steht“, erzählt sie. Als der Sturm heftiger wurde, stand er auf, um sein Motorrad in die Garage zu stellen. In dem Moment flog ein Dachziegel durchs Fenster. „Wenige Sekunden früher, und der Ziegel hätte ihn getroffen. Was dann passiert wäre, möchte ich mir gar nicht vorstellen“, sagt Anthula Kottas. Zwar seien im Hof alle Autos kaputt. „Aber wir hatten Glück – das sind nur Sachschäden, die man reparieren kann.“ Ihren Sohn und dessen Freundin hat sie jetzt bei sich in Langweid aufgenommen, bis die Schäden repariert sind. „Der Laden ist Gott sei Dank heil geblieben.“

Glück im Unglück hatte auch Bianca Rempe, die auf der anderen Straßenseite steht: „Zwar wurden bei uns alle Bäume umgerissen, sie sind aber nicht auf das Haus gefallen“, ist sie erleichtert. Sie konnte vom Fenster aus sehen, wie der Maibaum umknickte und eine Lichtleitung abriss: „Das gab einen richtigen Funkenregen.“

Derweil bemühen sich neben Alfred Zinsmeister und dem rund 20-köpfigen Polizeiteam um Wolfgang Thomas 88 Einsatzkräfte der Feuerwehren Stettenhofen, Langweid, Gersthofen, Gablingen, Batzenhofen und Hirblingen sowie die Werksfeuerwehren des Industrieparks Gersthofen und von Premium Aerotec sowie des Technischen Hilfswerks darum, Gefahren durch hängende Bäume oder abgerissene Äste zu beseitigen und die Schäden aufzunehmen. In der Luft kreist ein Hubschrauber der Polizei.

Vorläufiges Quartier für die Evakuierten

Bürgermeister Jürgen Gilg gelingt es, den 19 Evakuierten ein vorläufiges Quartier zu vermitteln: „Sie können zunächst bis zum Montag im Gasthaus Mack in Biberbach unterkommen. Danach brauchen wird dringend Wohnungen.“ Den Shuttleverkehr übernimmt dafür der Augusta Club Ordnungsdienst (ACO) aus Neusäß. Wer Wohnraum zur Verfügung stellen kann, soll sich daher im Rathaus Langweid bei Helmut Gensberger unter Telefon 08230/840040 melden.

Bis zum Nachmittag finden sich zahlreiche ehrenamtliche Helfer ein, die den Geschädigten beim Aufräumen zur Seite stehen. „Die Hilfsbereitschaft ist toll“, freut sich Gilg. Zu dieser Zeit können auch die evakuierten Bewohner kurz und unter Feuerwehr- oder Polizeibegleitung in ihre Wohnungen – soweit die Schäden es noch zulassen. „Sie sollen wenigstens ihre Papiere und Dokumente und gegebenenfalls Kleidung retten können“, betont Wolfgang Thomas.

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