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Volksmusikpreis

16.07.2019

Nachtigallen aus dem Lechtal

Evi Heigl von der Volksmusikberatung des Bezirks Schwaben und Bezirkstagspräsident Martin Sailer (v.l.) überreichten Marlies Landherr, Ulrike Heindl und Johanna Wech die „Schwäbische Nachtigall“. Mit dabei auch Volksmusikberater Christoph Lambertz. Foto: Tanja Kutter

Der Lauterbacher Dreigesang hat im Bauernhofmuseum Illerbeuren die höchste Auszeichnung für die Förderung der Volksmusik in Schwaben bekommen. Wie sich die drei Frauen fanden und was sie alles machen

Der alljährliche Volksmusiktag im Bauernhofmuseum Illerbeuren (Kreis Unterallgäu) ist mit 50 Musik- und Tanzgruppen, die rund um die historischen Häuser auf dem Museumsgelände aufspielen, die größte Veranstaltung dieser Art in Bayerisch-Schwaben. Dieses Jahr bot der Volksmusiktag wieder eine Bühne für die Verleihung der „Schwäbischen Nachtigall“: Sie gilt als „die“ Auszeichnung für besondere Verdienste um die schwäbische Volksmusik. Mit ihr bedankt sich der Bezirk bei Sängern, Musikanten und Volkstänzern für ihr ehrenamtliches Engagement. Bezirkstagspräsident Martin Sailer betonte, dass „die wichtigste Aufgabe der heutigen Volksmusikpflege ist, traditionelle Musizierformen in Gebrauch zu nehmen und ins gesellschaftliche Leben einzubetten. Diese Einstellung war auch immer das erklärte Ziel unserer Preisträger“. In diesem Jahr geht einer der Preise gewissermaßen auch ins Augsburger Land.

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Denn zumindest zwei der drei Frauen des Lauterbacher Dreigesang sind im Lechtal, in Ellgau und Ehingen, zu Hause. Der Lauterbacher Dreigesang – das sind die Schwestern Johanna Wech und Marlies Landherr sowie deren Cousine Ulrike Heindl. Die Begeisterung für Gesang liegt in der Familie, ist in einer Mitteilung des Bezirks nachzulesen: Das Singen hat in der Verwandtschaft der drei Frauen Tradition. Die musikalische Laufbahn begann im Kirchenchor und in einer Singgruppe für Neues Geistliches Lied. Mit der schwäbischen Volksmusikpflege kamen die drei erstmals in Kontakt, als sie Mitte der 1980er-Jahre Mitglieder der Gesangsgruppe der Frauenstetter Stubenmusik wurden.

Der erste öffentliche Auftritt unter dem Namen „Lauterbacher Dreigesang“ fand im November 1986 bei einem „Schwäbischen Hoigarta“ mit Kreisheimatpfleger Alois Sailer statt. Der Name ergab sich aus dem damaligen Wohnort. Auch wenn heute keine mehr in dem Ortsteil der Gemeinde Buttenwiesen lebt, fühlen sie sich mit ihrem Heimatort immer noch verbunden.

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Mit der „Kleinkunstbühne Lauterbach“ und dem langjährigen Vorsitzenden Helmut Sauter verbindet den Dreigesang über die Jahre hinweg eine gute Zusammenarbeit. So gab es viele Jahre einen „Schwäbischen Hoigarta“ im restaurierten barocken Pfarrhof. Oft wird der Dreigesang von der Kleinkunstbühne Lauterbach eingeladen. Im Mai 1997 organisierten die Sängerinnen ihren ersten eigenen Hoigarta im Lauterbacher Bräustüble. Diese Veranstaltungen wurden erfolgreich, auch weil dort auch mit den Gästen gesungen wird. Außerdem sorgten gespielte Sketche für Erheiterung.

Neben den Volksmusikabenden sind die Auftritte im Kirchenraum das zweite große Betätigungsfeld des Lauterbacher Dreigesangs. Dazu gehören Kirchenkonzerte, wie Passionssingen, Mariensingen, Advents- und Weihnachtskonzerte, aber auch ganz allgemein Gottesdienstgestaltungen, sowie Maiandachten, Fastenandachten und Roratemessen. Sowohl bei Hochzeiten, Kommunionen und Taufen als auch für die würdige musikalische Gestaltung bei Beerdigungen sind die Sängerinnen gefragt. Alle zwei Jahre wird von dem Trio ein Adventskonzert in Kloster Holzen organisiert. Sie legen Wert darauf, dass ihre Lieder in zeitgemäßer Sprache formuliert sind, auch wenn es sich nicht immer um „traditionelle Volksmusik“ handelt.

Der Dreigesang ist somit ein wichtiger Teil der „musikalischen Nahversorgung“ im Raum Wertingen, also bei Seniorennachmittagen, Geburtstagen, Musikantentreffen, Weihnachtsfeiern, Aufspielen beim Wirt, bei Kulturtagen, Neujahrsempfängen, Pfarrfamilienabenden oder Auftritten im Seniorenheim.

Doch es geht auch um musikalische Qualität. Die Sängerinnen legen Wert auf einen homogenen Dreigesang und haben den Anspruch, das Klangbild stimmig zu präsentieren. Sie haben Freude an innovativen Strömungen in der Volksmusik, schreiben eigene Lieder und Texte, die dann von Johanna Wech dreistimmig gesetzt werden. So verwundert es nicht, dass der Dreigesang Einladungen zu CD- und Radio-Produktionen sowie ins Fernsehen erhalten hat. Zu ihrem 20-jährigen Bestehen gab es eine eigene CD, deren Lieder auf Weihnachten hinführen.

Immer wieder kommen gute Ideen zu Projekten: Mit der Saitenmusik Kronwitter gab es 2014 ein Konzertprojekt mit dem Titel „Liebesfreud und Herzeleid“. Darin standen traditionelle Balladen im Mittelpunkt, die oft viele Strophen haben und etwas traurig sind, und für die es deswegen nur selten die Möglichkeit zur Aufführung gibt.

Aktuell steht die Produktion einer CD mit der Gruppe „Klarischnättra“ an, einem aus sechs jungen Frauen bestehenden Klarinettenensemble aus Binswangen, mit dem der Dreigesang schon mehrere Veranstaltungen bestritten hat.

An Ideen über die Volksmusik hinaus mangelt es nicht: Johanna Wech leitet den Chor eines Musicalprojekts, der im März mit der Blasmusik Unterthürheim ein Jubiläumskonzert gestaltete. Jede der Sängerinnen bietet Kindersingstunden und Volkstanz für Kinder an. Marlies Landherr kann als Gemeindereferentin ihre Liebe zum Singen im Religionsunterricht, in Kindergarten und Pfarrei zum Einsatz bringen. Ulrike Heindl ist als Erzieherin tätig. Jahrelang bot sie musikalische Früherziehung und Flötenunterricht in Ehingen an. (AL)

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