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26.03.2015

Neue Konkurrenz für den örtlichen Handel

Hält die neuen Märkte am Rande von Stettenhofen für keine gute Idee: Sabine Fittigauer. Hier steht sie vor der von ihr geführten Bäckereifiliale in Langweid. Der dortige Einzelhandel befürchtet Einbußen von bis zu 30 Prozent.
Bild: Florian Rußler

Langweids Gemeinderat hilft umstrittenen Märkten über eine hohe Hürde

Am Tag danach war sich Sabine Fittigauer sicher: Die Zeche werden die Einzelhändler von Langweid bezahlen müssen. Dafür hat in den Augen der Filialleiterin einer Bäckerei der Gemeinderat am Dienstagabend den Weg geebnet. In der Sitzung hat das umstrittene Einkaufszentrum im Süden von Stettenhofen eine hohe Hürde genommen.

Drei Viertel des Langweider Gremiums stimmten einer Weiterführung des Verfahrens zur Ausweisung des für das Zentrum nötigen Sondergebietes im Flächennutzungsplan zu. Etwa 100 Meter vom Ortsrand soll mit Aldi, Rewe und dem Drogisten dm ein Dreiergespann von Einkaufsmöglichkeiten auf 3200 Quadratmetern Verkaufsfläche die Nahversorgung der Ortsteile Stettenhofen und Foret verbessern und Kaufkraft zurück nach Langweid holen.

Als Gegenentwurf zur großen Lösung hatte sich nach Bekanntwerden der Pläne zum Bau des Einkaufszentrums eine Alternative im Ortskern von Stettenhofen ergeben: ein Netto-Markt auf dem unbebauten Grundstück neben der Tankstelle. Dass es nur eine der beiden Lösungen geben kann, betonte Bürgermeister Jürgen Gilg. „Sollte das Votum gegen das Sondergebiet ausfallen, werden wir uns mit den Planungen im Ortskern beschäftigen“, erklärte er gleich zu Beginn der Sitzung.

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Der wie schon bei den ersten Beratungen zum Thema große Andrang verriet das Interesse von vielen vorwiegend aus Stettenhofen stammenden Bürgern am Projekt. Sitzfleisch mussten die Gäste beweisen, denn Gilg las alle dreiunddreißig behördlichen und privaten Stellungnahmen vor und ließ das Gremium über jeden Einzelpunkt abstimmen.

Während die Behörden das Projekt im großen und ganzen als machbar ansehen, befürchten die Mitglieder des Gewerbeverbunds in Langweid einen Umsatzverlust von bis zu dreißig Prozent. Sogar die Schließung vorhandener Geschäfte halten einige für möglich. Das von der Gemeinde beauftragte Einzelhandelsgutachten hatte eine Umverteilungsquote von fünf bis dreizehn Prozent im Langweider Handel und von bis zu fünfzehn Prozent bei den Anbietern der Nachbargemeinden prognostiziert.

Diese Gefahr sehen auch die Gemeinde Gablingen und die Stadt Gersthofen, die beide negative Auswirkungen auf die eigenen Geschäfte befürchten. Sie wollen das Einkaufszentrum deshalb nicht in ihrer Nähe haben.

Langweids Gemeinderäte fochten diese Widerstände in der Mehrheit aber nicht an. „Wir möchten die Chance beim Schopf packen“, fasste Benedikt Gleich die vorwiegende Stimmung in der CSU-Fraktion zusammen. „Wir sehen große Verbesserungen in der Nahversorgung und trotzdem eine ausreichende Verträglichkeit mit bestehenden Strukturen“.

Diese Verträglichkeit zog Peter Stuhlmüller (FW) nachdrücklich in Zweifel. Das Projekt im Süden von Stettenhofen habe nichts mit Nahversorgung zu tun, die „schiere Größe“ schrecke ab, so Stuhlmüller als Sprecher seiner Fraktion. Das Alternativprojekt in der Ortsmitte Stettenhofen sei vorzuziehen, denn „1000 Quadratmeter reichen sicher für die Nahversorgung“.

Die SPD habe sich schon früh für das Projekt ausgesprochen und bleibe auch dabei, so Fraktionsvorsitzender Manfred Stranzinger. „Wir sehen das Einkaufszentrum als eine Bereicherung für den Gesamtort“, betonte er. Es blieben aktuell von verfügbaren 41 Millionen Euro nur 12 Millionen im Ort, nannte er die Zahlen aus dem Einzelhandelsgutachten. Vor diesem Hintergrund sehe die SPD die zu erwartenden Umsatzeinbußen als nicht so gravierend an.

Das Verfahren geht nach einem 15:5 Votum des Gemeinderates nun in die nächste Runde der öffentlichen Auslegung. Bevor die Bagger bei Stettenhofen auffahren können muss nach der Änderung des Flächennutzungsplans ein Bebauungsplan aufgestellt werden. Dieser könnte schon im April in Angriff genommen werden, kalkuliert Bauamtsleiter Josef Stuhler den zeitlichen Ablauf.

Ginge es nach der Bäckerei-Filialleiterin Fittigauer, bräuchte es die Eile nicht. Sie hält die neuen Märkte in Stettenhofen für überflüssig: „Wir haben doch alles hier.“ Für ihre Bäckerei im Langweider Ortskern hat sie aber weniger Befürchtungen. Deren handwerklich hochwertige Produkte kämen bei den Kunden gut an „und die Langweider schätzen den persönlichen Kontakt“.

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