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Uniklinik Augsburg

18.04.2020

Pflegerin aus Gersthofen berichtet vom Alltag auf der Corona-Station

Katharina Reß auf der IMC Intermediate Care (Intensivüberwachungspflege) Station des Universitätsklinikums Augsburg.
Bild: Ulrich Wirth, Uniklinik

Plus Die 21-jährige Katharina Reß aus Gersthofen pflegt Menschen in der Uniklinik trotz schwerer Umstände. So sieht ein Arbeitsalltag auf der Corona-Station aus.

Ihre drei älteren Brüder sind stolz auf die kleine Schwester und ihre Eltern, bei denen sie zuhause wohnt, ebenso. Katharina Reß aus Gersthofen ist für sie und viele andere mit ihren 21 Jahren eine Heldin in der Corona-Krisenzeit. Die ausgebildete Gesundheits- und Krankenpflegerin gehört seit 2018 im Universitätsklinikum Augsburg zum großen Team der IMC Intermediate Care (Intensivüberwachungspflege).

Die vor wenigen Wochen eingerichtete Corona-Station im Erdgeschoss der Klinik falle auch deshalb in ihr Gebiet, da sie sich mit nicht- invasiver Beatmung auskenne. „Ein Tag auf der Corona-Unit ist schon anders. Man ist die meiste Zeit des Tages mit dem An- und Ausziehen beschäftigt“, berichtet sie.

Corona: Zur Station geht es durch eine Schleuse

Bevor sie auf diese extra eingerichtete Station der IMC Intermediate Care (Intensivüberwachungspflege) geht, muss sie durch eine Schleuse. „Beim Hineingehen wechsle ich nur die Schuhe, beim Hinausgehen dagegen die Abteilungskleidung und die OP-Schuhe.“ Selbst wenn sie nur für fünf Minuten etwas hole, müsse diese Prozedur eingehalten werden, die auch für jeden anderen, egal ob Ärzte oder Reinigungspersonal, gelte. Jeder werde gleichermaßen geschützt und die Regeln strikt eingehalten.

Auch Heldinnen brauchen mal eine Verschnaufpause. Katharina Reß geht täglich mit ihrer Hündin Leila Gassi. Dabei genießt sie besonders, dass sie ohne Mundschutz raus kann, da sie diesen permanent im Arbeitsalltag im Umgang mit Corona-Patienten trägt.
Bild: Diana Zapf-Deniz

Die Corona-Patienten liegen einzeln in den Zimmern. Ehe die junge Pflegerin zu einem an Covid-19 Erkrankten geht, gibt es zusätzliche Schutzmaßnahmen zu beachten. „Bevor ich reingehe, ziehe ich einen Schutzkittel an, eine FFP3 Maske, zwei Paar Handschuhe übereinander, eine Schutzbrille und eine Haube“, erzählt Reß. „Die Maske ist stickiger als ein einfacher Mundschutz und auf Dauer ist das anstrengend. Man ist dadurch abgeschlagener und kaputter als sonst.“

Beim Rausgehen wird die Schutzkleidung komplett entsorgt

Nach dem Ankleiden darf sie zum Patienten. „Wenn ich in ein Zimmer reingehe, dann bleibe ich recht lange drin und erledige viele Aufgaben. Dazu gehören das Waschen der Patienten, Verbände wechseln, Blutuntersuchungen vornehmen und Gespräche mit den Erkrankten.“ Wenn sie aus dem Patientenzimmer raus geht, wird die Schutzkleidung komplett entsorgt. Die Hygienevorschriften seien zwar massiv verschärft, doch das findet Reß nicht schlimm. Im Gegenteil, die Mundschutzpflicht finde sie persönlich sehr gut. Es gehe ruhiger zu im Haus, da auch die Operationen zurückgefahren sind. „Trotzdem ist unser Job kein anderer. Wir pflegen Menschen. Diese Pflege steht an erster Stelle. Es sind nur die Umstände etwas anders.“

 

Die Gersthoferin arbeitet im Drei-Schicht-Betrieb. Angst habe sie keine. „Angst verleitet dazu, Fehler zu machen. Ich halte mich einfach an die Vorgaben.“ Vor ein paar Wochen war sie selbst krank, wurde getestet und das Ergebnis war negativ. Ihre Eltern, obwohl beide über 60 Jahre, sind ebenso wenig ängstlich. „Ich werde in der Familie nicht bestraft, dass ich diesen Job mache, aber wir busseln uns auch nicht ab.“

Coronavirus: Die Krise überwinden

Dass sie aktuell arbeiten darf, freut sie sehr: „Ich mache meinen Job unglaublich gerne und bin froh, dass ich einen krisenfesten Arbeitsplatz habe. Ich habe keine Anforderungen an mehr Geld. Jetzt ist der Fokus drauf, die Krise zu überwinden.“ Dass die Menschen derzeit mehr Respekt und Achtung vor ihrem Beruf haben, findet sie schön, würde sich aber wünschen, dass das Ansehen nach der Corona-Zeit anhält. Die Geste des Pflegebonus von Ministerpräsident Söder findet sie gut. „Für das Parken nichts zu bezahlen wäre mir lieber“, sagt sie augenzwinkernd. Ansonsten freut sie sich schon über die Aufmerksamkeit, die aktuell vorhanden ist: „Wir bekommen das Essen umsonst, beim Ihle Brezen und Heißgetränk geschenkt, die Leute stellen Dankesschilder vor dem Klinikum auf und mein Papa spendete 20 Pizzen vom Bob´s.“

Katharina Reß wollte schon immer in die Pflege gehen und merkt gerade in der Krise, dass sie an der richtigen Stelle ist. Mitgefühl für die Kranken und Angehörigen sei gleichermaßen wichtig. „Einfache Gespräche über Privates helfen den Menschen schon, sie aus der Situation herauszuholen“, weiß die Gesundheitspflegerin. Dazu gehöre eine positive Art, ein nettes Lächeln, ein liebes Wort, auch mal die Hand halten und sogar an der richtigen Stelle ein angebrachter Witz.

Gerade ältere Menschen inspirieren sie

Mit Zwischenmenschlichkeit könne man viel gewinnen und das sei es auch, was ihr persönlich ungemein viel gebe. „Es ist eine große Freude zu sehen, wenn man die Patienten wieder auf den Weg bringt.“ Dafür erhalte sie Wertschätzung und Dankbarkeit, und das wiederum motiviere sie. Gerade ältere Menschen, die viel geleistet und erlebt haben, inspirieren sie. Außerdem ist die herzliche Frau mit dem wunderbaren Lächeln sehr dankbar für ihre Kollegen: „Das Team macht so viel aus und bei uns stimmt es einfach von vorne bis hinten. Unsere Chefs empfangen uns mit offenen Armen.“ Die Kommunikation und die Zusammenarbeit klappten hervorragend.

Natürlich sehnt sie sich, wie alle anderen auch danach, dass die Normalität wieder zurückkehrt. Doch bis dahin findet sie es unerlässlich, sich an die Regeln zu halten und nicht aus der Reihe zu tanzen. Auch ihr fehle der private Ausgleich und ihre Showtanzgruppe: „Mit dem TSV Firnhaberau wäre jetzt Wettkampf – und Trainingssaison. Das fällt alles flach.“ Doch das sei Jammern auf höchstem Niveau. Sie genieße die vermehrte Freizeit mit ihren Eltern. Zudem gehe sie nun viel mit ihrer Hündin Leila an die frische Luft: „Es tut gut, ohne Mundschutz tief durchatmen zu können.“

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