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24.12.2014

Streuner kommen häufiger in die Tierklinik

Jonas Erben zeigt in der Tierklinik in Gessertshausen die Boxen für die Kleintiere, die Weihnachten nicht zu Hause verbringen können.
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Jonas Erben zeigt in der Tierklinik in Gessertshausen die Boxen für die Kleintiere, die Weihnachten nicht zu Hause verbringen können.
Bild: Andreas Lode

Die Einrichtung in Gessertshausen wird sich verstärkt um allein gelassene Hunde und Katzen aus dem Augsburger Land kümmern

Der Hund ist an der Pfote verletzt, zittert und jault jämmerlich. Vom Herrchen fehlt jede Spur. Ein Tierfreund bringt den Vierbeiner zur Gemeinde, die offiziell für die Versorgung von Fundtieren zuständig ist.

Derartige Fälle gibt es im Landkreis Augsburg immer wieder – mal sind es kleine ausgesetzte Kätzchen oder auch verletzte Vögel. Doch was passiert mit den Tieren? Die Mitarbeiter im Rathaus bringen die hilflosen Wesen zu einem Tierschutzverein oder einer Tierklinik. Dabei gibt es zwei Möglichkeiten für die Bezahlung. Entweder zahlt die Gemeinde pro abgegebenes Tier –wobei im Extremfall diese Summe sehr hoch sein kann – oder sie entrichtet jährlich einen Pauschalbetrag für die Aufnahme aller gefundenen Tiere.

Bislang schlossen die Gemeinden im Landkreis Augsburg solche Pauschalverträge vor allem mit dem Tierschutzverein Augsburg und Umgebung ab, der das Tierheim in der Fuggerstadt betreut. Laut Tierschutzvereinsvorsitzender Heinz Paula wurden bislang jährlich 25 Cent pro Jahr und Einwohner dafür verlangt. Da dies „ein großes Defizitgeschäft“ gewesen sei, werde man bei anstehenden Verträgen auf 50 Cent hochgehen. Doch selbst bei diesem Betrag wäre die ganze Sache noch ein Draufzahlgeschäft, so Paula. Aus diesem Grund gebe es den Wunsch, den Beitrag auf einen Euro anzuheben. Doch immer mehr Gemeinden suchen sich nun einen neuen Partner für diesen Vertrag, und zwar die Tierklinik in Gessertshausen, da diese günstigere Konditionen anbietet. Sie verlangt 15 Cent pro Einwohner und Jahr.

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„Wir haben mittlerweile mit mehr als 15 Gemeinden Verträge geschlossen“, sagt Jonas Erben, der in der Tierklinik Gessertshausen für die Verwaltung zuständig ist. Dies sind: Kutzenhausen, Gessertshausen, Ustersbach, Fischach, die Verwaltungsgemeinschaft Stauden, Meitingen, Kühlenthal, Ehingen, Westendorf, Nordendorf, Großaitingen, Langerringen, Hiltenfingen, Kleinaitingen, Oberottmarshausen, Zusmarshausen, Welden und Stadtbergen. „Wir bieten diese Möglichkeit für Gemeinden seit 2012 an“, so Erben weiter. Seit heuer gebe es aber eine „verstärkte Nachfrage“. Mittlerweile müsse die Tierklinik bei Gemeinden, die diesen Service auch nutzen wollen, auf die Bremse drücken. Diese Kommunen landen vorerst auf einer Warteliste. „Wir müssen jetzt erst einmal schauen und prüfen, wie die Sache läuft“, sagt Erben.

Auf die möglichen Neuzugänge sei man gut vorbereitet, denn man habe die Fallzahlen der Gemeinden mit den Kapazitäten abgeglichen, berichtet Erben. Die Tierklinik verfügt derzeit über rund 50 Boxen, in denen die Fundtiere untergebracht werden können. Außerdem arbeiten dort rund 30 Tierärzte.

Bislang habe die Versorgung der Fundtiere aus den Gemeinden problemlos geklappt, berichtet Erben. Auch die Vermittlungserfolge können sich sehen lassen. „Wir hatten noch nie ein Tier, das nicht ein neues Zuhause gefunden hat“, so Erben. Dabei sei die Tierklinik ein idealer Vermittlungsort, weil hier viele Tierfreunde mit ihren Schützlingen vorbeikommen.

Tierschutzvereinsvorsitzender Paula bleibt angesichts der neuen Entwicklungen gelassen. „Wir haben den Gemeinden ein Angebot gemacht und diese entscheiden darüber“, sagt er. Ihn würde allerdings interessieren, wie man solche Pauschalverträge, wie sie nun aus Gessertshausen vorliegen, anbieten kann. „Ich halte das für schwer machbar“, so die Einschätzung von Paula, der seit sieben Jahren Vorsitzender des Vereins ist.

Er und seine Mitstreiter wollen sich um die Tiere kümmern und deshalb müsste er auch dafür Sorge tragen, dass ein Teil gegenfinanziert werde. Immerhin mache das Tierheim jährlich rund 850000 Euro Defizit. Das könne man nur durch Spenden, Erbschaften und sonstige Beiträge auffangen. Derzeit sind dort rund 200 Tiere – vom Hund bis zum Hamster – untergebracht.

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