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Gersthofen

13.11.2019

TSV-Wirt bleibt hart: Politik muss draußen bleiben

In der Wirtschaft von Jürgen Bouska auf dem Gelände des TSV Gersthofen gibt es ab Januar keine politischen Veranstaltungen mehr. Über die Nebenräume entscheidet der Verein. Auslöser waren regelmäßige Treffen der AfD in den vergangenen Monaten.

Plus In der Wirtschaft am Sportplatz gibt es im neuen Jahre keine Parteiveranstaltungen mehr. Anders sieht es bei den Nebenräumen aus. Dort entscheidet der Verein.

Wirt Jürgen Bouska hat sich entschieden: Ab Januar kommenden Jahres möchte er keine politischen Veranstaltungen mehr in der Gaststätte auf dem Gelände des TSV Gersthofen. Nur noch in den Nebenräumen sind mit Genehmigung des Vereins weiterhin politische Veranstaltungen möglich. Die AfD, deren Treffen Auslöser für den Ärger waren, darf aber nicht mehr rein.

Stadtrat Peter Schönfelder von der SPD kann die Entscheidung des Wirts nur schwer nachvollziehen. Er hätte sich gewünscht, dass sich Jürgen Bouska von Beginn an konsequenter gegen die AfD ausgesprochen hätte. „Es ist zu einer AfD-Gaststätte geworden“, sagt Schönfelder und stellt klar: „Ich hätte mir gewünscht, der Wirt Bouska hätte sich klarer von der Partei distanziert.“

Gemeinschaftlicher Rauswurf der Parteien ist unglücklich

Diese durch einen gemeinschaftlichen Rauswurf mit anderen demokratischen Parteien in einen Topf zu schmeißen, halte er für unpolitisch und unglücklich gelöst. Die Entscheidung des Vereins, Veranstaltungen der rechtspopulistischen Partei auf dem TSV-Gelände nicht mehr zu dulden, begrüßt der Stadtrat daher. „Die Reaktion des Vereins war richtig.“ Viele Mitglieder des Vereins hätten einen Migrationshintergrund, die ausländerfeindliche Einstellung der AfD sei einfach nicht tragbar.

Die Gaststätte von Jürgen Bouska ist in Gersthofen bei Parteien beliebt. So trifft die neue Regelung nicht nur die SPD. Mitglieder des Stadtrats entschlossen sich zu einer gemeinschaftlichen Stellungnahme, deren Wortlaut uns bis Redaktionsschluss nicht vorlag. Reinhold Dempf von den Freien Wählern sagte auf Nachfrage nur, dass er die Reaktion des Wirts nicht bewerten möchte. Es stehe Bouska schließlich zu, selbst zu entscheiden, wen er bewirten wolle.

Bis zu 150 Menschen kamen zu AfD-Veranstaltungen nach Gersthofen

Die Nebenräume der Gastwirtschaft sind aber nur insofern Teil des Pachtvertrags, wenn Bouska für Veranstaltungen die Genehmigung des Vereins einholt – das sei in den vergangenen Monaten nicht geschehen, heißt es seitens der Vereinsführung. Regelmäßig fanden in den Nebenräumen politische Treffen der AfD statt. Bis zu 150 Leute fanden sich nach Aussage des AfD-Kreisvorsitzenden Reinhard Kistner zusammen. Selbst der Kreisverband Augsburg-Stadt und der Bezirksverband habe sich für die Gaststätte in Gersthofen entschieden.

Wirt sagt: Reaktion auf Rauswurf war überwiegend positiv

Von den Treffen hat der TSV-Präsident Hinrich Habenicht nach eigener Aussage erst vor kurzer Zeit erfahren. Die Führung suchte im Anschluss das Gespräch mit dem Wirt – aber ohne Druck bezüglich der AfD auszuüben, wie beide Seiten betonen. Bouska wurden die Unruhen trotzdem zu viel und der Wirt entschloss sich, seine Gaststätte zur politikfreien Zone zu erklären. „Wenn dann gscheid, dann alle“, sagt der Wirt. Zu seiner Aussage stehe er weiterhin. Der gemeinschaftliche Rauswurf aller Parteien hat seither viele Reaktionen hervorgerufen. „Die meisten haben positiv reagiert“, sagt Bouska. Sowohl in den sozialen Netzwerken als auch in seiner Gaststätte sei er bereits angesprochen worden. Für den Wirt stehe das Wohl der Gäste im Vordergrund. Mit einem Schild, das vor seiner Gaststätte steht, verdeutlicht er seine Einstellung. Darauf steht: „Hier regiert die Wirtshauspolitik.“ Jeder könne zu ihm reinkommen, sagt Bouska.

Auch bei Facebook zeigten viele Nutzer Verständnis für den Wirt. „Finde ich super“, „Richtig so“, schreiben manche. Ein anderer hingegen sieht die Entscheidung etwas kritischer und schreibt: „Naja, bei der AfD versteh ich es. Bei den anderen nicht.“ Bouska hingegen sagt: „Ich bin froh, die Entscheidung getroffen zu haben.“ Er stellt klar, dass die AfD zwar der Auslöser war, der allgemeine Unmut aber für ihn ausschlaggeben gewesen sei. Jürgen Bouska bleibt dabei, Parteianfragen für Veranstaltungen in seiner Gaststätte ab Januar eine Absage zu erteilen. Nur vom Verein genehmigte politische Veranstaltungen in den Nebenräumen werde er weiterhin bewirten.

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