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Landkreis Augsburg

31.08.2017

Verzweifelt gesucht: Motivierte Azubis

Handwerker sind zurzeit gefragt: Artur Naivert macht bei Heinrich Schmid eine Ausbildung zum Maler für Sanierung und Instandhaltung. Er ist inzwischen im dritten Lehrjahr.
Bild: Marcus Merk

Viele Firmen klagen über Schwierigkeiten bei der Lehrlingssuche. Wie sie die Jugendlichen gewinnen wollen.

Am Freitag beginnt das Ausbildungsjahr. Doch noch sind zahlreiche Lehrstellen offen. Gehen auch in unserer Region die Azubis aus? Ja, meint Andreas Reiter von Seal Concept in Bobingen. Das familiengeführte Unternehmen ist spezialisiert auf Dichtungstechnik und Hydraulikkomponenten. „Es wird für uns immer schwieriger, gute Lehrlinge zu finden“, sagt er. Als einen der Gründe nennt er die vermehrte Bereitschaft der Jugendlichen, ein Studium einzuschlagen. Durch den demografischen Wandel gebe es zudem weniger Auszubildende. Ein Problem seien oft auch die Lehrstellenbewerber selbst. „Vielen fehlt die soziale Kompetenz. Es fehlen Werte wie Achtung, Respekt und harmonisches Miteinander“, bedauert Reiter. Hinzu komme eine immer wieder feststellbare Lese- und Rechtschreibschwäche.

22 Berufsanfänger bei den Lechstahlwerken

Die Lech-Stahlwerke in Meitingen spüren den Fachkräftemangel und investieren viel in die berufliche Aus- und Weiterbildung. Dabei setzt das Unternehmen laut Sandra Auer, Leiterin des Personalmanagements, auf ein ganzes Bündel an Maßnahmen: Neben einer Schulpartnerschaft mit der Mittelschule, regelmäßigen Teilnahmen an Messen und einem Tag der offenen Tür brachte vor allem das eigene Ausbildungszentrum eine große Verbesserung. „So können wir die Azubis optimal und nachhaltig begleiten und eine Bindung mit dem Unternehmen herstellen“, so Auer. Gerade in den Berufen Elektroniker für Betriebstechnik, Werkstoffprüfer für Wärmebehandlungstechnik und Verfahrensmechaniker für Hütten- und Halbzeugindustrie sei die Suche schwierig. Die Mühen zahlen sich aus: Zum 1. September wurden alle Ausbildungsplätze besetzt. 22 Azubis erweitern dann die rund 700 Mitarbeiter umfassende Belegschaft.

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Alle Ausbildungsstellen belegen konnte auch Heinrich Schmid aus Gersthofen – was nicht selbstverständlich ist. Die Malerwerkstätten bilden Maler und Lackierer, Trockenbaumonteure sowie Kaufleute für Büromanagement aus. Zirka 85 gewerbliche Mitarbeiter hat das Unternehmen, zum 1. September kommen neun neue Azubis dazu. „Geeignetes Personal zu finden ist eine komplexe Herausforderung“, sagt Marcel Kratzer, Recruiter bei Heinrich Schmid. Gerade Maler und Lackierer sowie Trockenbaumonteur sind „absolute Mangelberufe“. Während es früher gereicht habe, eine Stellenanzeige aufzugeben, wäre dafür der Rücklauf heute viel zu gering, beschreibt er die Situation.

Über Praktika in die Lehrstelle

Auch er sieht bei den Jugendlichen einen Trend in Richtung weiterführende Schulen. Zudem haben laut Kratzer viele Schüler keine klaren beruflichen Vorstellungen. Heinrich Schmid setzt daher vorrangig auf Bildungspartnerschaften mit Schulen und arbeitet intensiv mit Bildungsträgern zusammen. Das moderne Handwerk müsse erlebbar gemacht werden, so Kratzer. „Oft erkennen Jugendliche ungeahntes handwerkliches Geschick und Lust an der körperlichen Arbeit“, sagt er über die Nachwuchsgewinnungsstrategie seiner Firma. In der Folge entstünden so Praktika und damit ein Gros der Ausbildungsverhältnisse.

Rainer Naumann von der gleichnamigen Metzgerei sieht die Zukunft auf dem Ausbildungsmarkt nicht rosig. „Niemand will sich beruflich mehr die Hände schmutzig machen“, berichtet er. Für diesen Vergleich nennt er ein Beispiel: „Auf eine Anzeige für eine Bürotätigkeit kamen bei uns rund 100 Bewerbungen, für die Stelle eines Metzgers eine einzige.“ Doch das Handwerk benötige nicht nur Häuptlinge, so der Vorsitzende des Prüfungsausschusses der Metzger in der Region Augsburg.

Sorgen um die Zukunft des Betriebes

Roland Kraus, Eigentümer der Firma Elektro Ertl aus Wertingen, betont, dass für eine Elektroniker-Ausbildung vor allem gute Noten in Mathe und Physik wichtig seien, und mindestens eine gute Mittlere Reife. Meistens sind es Jugendliche aus seinem Kundenkreis, die sich für eine Ausbildung bei ihm entscheiden. „Wenn ich irgendwann keine Mitarbeiter mehr finde, muss ich meinen Betrieb schließen“, fürchtet Kraus. Vor allem in Notfällen sei es schwierig, einen kompetenten Handwerker zeitnah zu finden.

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