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Premiere

18.03.2015

Vom Alter und noch großen Träumen

Das Alter schützt nicht vor großen Träumen, das zeigt die Schauspielgruppe Neusäß aktuell mit dem Stück „Altweiberfrühling“. Auf der Bühne: (von links) Barbara Osswald, Gertrud Bauer, Uschi Fischer-Erdhofer und Krista Klement.
Bild: Marcus Merk

Schauspielgruppe Neusäß überzeugt mit „Altweiberfrühling“. Es geht um selbstbestimmtes Leben jenseits der 50

Man nehme ein kleines Örtchen, losgelöst von Raum und Zeit – es könnte in England, Deutschland oder Österreich sein – in unserem Fall war es ein Dorf in der Schweiz. Zusätzlich nehme man eine Handvoll kreativer, älterer Damen und schon hat man als Autor genügend Stoff für ein humorvolles Theaterstück.

Die aktuelle Aufführung „Altweiberfrühling“ der Schauspielgruppe Neusäß ist eine entzückende Komödie, geschrieben von Stefan Vögel und mindestens genauso vergnüglich wie das Vorbild, der Film „Die Herbstzeitlosen“, der mittlerweile Kultstatus besitzt.

Vögel schrieb in sieben, fast gleichwertigen Rollen, herzerwärmende und vergnügliche Dialoge, deren hintergründiger Charakter aber auch zum Denken anregt. Und zwar vor allem diejenigen, die das 55. Lebensjahr bereits weit hinter sich gelassen haben. Aber selbst den jüngeren Besuchern des Stückes bietet sich die Möglichkeit, sich schon rechtzeitig Gedanken über das eigene Altwerden zu machen, denn die sich abzeichnende demografische Verschiebung der Gesellschaft wird auch ihnen in ein paar lächerlichen Jahrzehnten schwer zu schaffen machen. Da gilt es bereits jetzt, wachsam zu sein!

Unter gewohnt professioneller Regie von Sigrid Ihlenfeldt wird der Zuseher durch neun Bilder geführt. Die Dialoge gehen von schnell und heiter bis getragen und besinnlich. Denn um ihrem Leben nach dem Tod ihres Mannes noch einen Sinn zu geben, erfüllt sich die betagte Martha Jost (Christa Klement) einen lang gehegten Mädchentraum, sie eröffnet eine Dessous-Boutique in ihrem ehemaligen Gemischtwarenladen. Sehr zum Leidwesen einiger Dorfbewohner, es regt sich Widerstand: Dorfpfarrer Walter Jost (Werner Härle), ihr eigener Sohn, hätte aus dem ehemaligen Geschäft lieber den neuen Treffpunkt für seine Bibelgruppe gemacht und Fritz Bieri (Wolfgang Hugo Ritter), der Bürgermeister, fürchtet eine Verrohung der Sitten im ländlichen Dorfleben, obendrein sucht er für seine Land & Leute-Partei ein neues Parteilokal, da käme ihm der Laden gerade recht. Unterstützung bekommt Martha von ihren Freundinnen Frieda Eggenschwyler (Barbara Osswald) und Hanni Bieri (Gertrud Bauer). Federführend in dem ganzen Veränderungsprozess der alten Damen ist die ausgeflippte, amerikanophile Lisi Bigler (Ursula Fischer-Erdhofer). Ihre Tochter Shirley Bigler (Sabrina Kefer) nimmt sich unterdessen des Dorfpfarrers an. Stimmgewaltig unterstützt der Männerchor Trub (Männergesangverein Neusäß-Westheim) mit volkstümlichem Liedgut, hängt ja auch dessen guter Name am seidenen Faden der Vereinsflagge, die von Martha erneuert werden soll, und damit verbunden natürlich die Ehre des ganzen Dorfes.

Den unzähligen Versuchen und Demontage-Akten, sie von ihrer Idee abzuhalten, stellen sich Martha und ihre drei sehr unterschiedlichen Freundinnen erfolgreich entgegen und zeigen so der ganzen Welt, dass es für große Träume nie zu spät ist. Die Komödie erzählt auf anrührende Weise vom Alter, von der zweiten Chance im Leben und vom Mut, der nötig ist, um sie zu nutzen. Der Besucher hat das Vergnügen, die Entwicklung dieser vier unterschiedlichen Frauen mitzuerleben, und dies in einer Umgebung, die an ihren Traditionen hängt und keinerlei Fortschritt verträgt. Ein Stück voller Sinnlichkeit, Schalk und Einfallsreichtum, denn das Alter ist der würdigste Lebensabschnitt von allen.

Weitere Vorstellungstermine in der Aula der Volksschule bei St. Ägidius in Neusäß, Bürgermeister-Kaifer-Straße 8, Kartenvorverkauf bei Bücher Max, Georg-Odemer-Straße 2a, Eintrittspreise neun Euro (ermäßigt fünf Euro). Weitere Aufführungen am Freitag, 24. April, 19.30 Uhr, Samstage, 21. und 28. März, 11. und 25. April, und 2. Mai, jeweils 19.30 Uhr sowie Sonntage, 22. und 29. März, 12. und 26. April und 3. Mai, jeweils 17 Uhr.

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