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Neusäß/Diedorf

29.01.2019

Warum in Neusäß noch so viele Flüchtlinge leben

Die meisten Asylbewerber und Flüchtlinge in Neusäß leben in den Modulhäusern an der Siemensstraße. Das wird sich wohl auch so schnell nicht ändern, immer wieder werden Menschen aus anderen Landkreisgemeinden zugewiesen. Der Unterstützerkreis hat weiterhin viel zu tun. 
Bild: Marcus Merk

An vielen Orten im Landkreis Augsburg schließen Unterkünfte. Das ist in der Stadt anders. Und fordert den Helferkreis besonders.

Nicht weniger, dafür aber komplexer geworden sei die Arbeit für die Ehrenamtlichen, die in der Flüchtlingshilfe in Neusäß engagiert sind, sagt die Koordinatorin des Unterstützerkreises, Silvia Daßler. Warum das so ist: Während im Landkreis Augsburg andernorts bereits wegen sinkender Flüchtlingszahlen eine Reihe von dezentralen Unterkünften geschlossen wird, werden die Menschen von dort oftmals nach Neusäß verlegt.

So ist das etwa im benachbarten Diedorf: Die große Containeranlage an der Oggenhofstraße mit 80 Plätzen ist leer und wartet auf ihren Abtransport nach Bosnien-Herzegowina durch das Rote Kreuz. Das Doppelhaus beim Kreisbauhof, das einige Zeit lang für die Unterbringung von minderjährigen Flüchtlingen genutzt wurde, ist ebenfalls unbewohnt. Der Bauausschuss hat beschlossen, das Gebäude zu renovieren und in Zukunft für den Bauhof zu nutzen. In der vergangenen Woche mussten alle Bewohner aus der Unterkunft in der Bahnhofstraße 14 und 14a ausziehen, auch sie soll renoviert werden. Allein in der Bahnhofstraße 18 leben noch rund 20 Männer.

Rückläufige Zahlen in Stadtbergen

Auch in Stadtbergen sind die Zahlen rückläufig: In den Unterkünften in der Bismarckstraße, wo bis zu 160 Personen Platz finden können, lebten noch 69 Personen, in der Schwalbenstraße seien es 17 bei 30 Plätzen, so Integrationsbeauftragte Ingrid Strohmayr. Nach Stadtbergen werden ab und zu Flüchtlinge überwiesen, die zuvor in ländlicheren Gemeinden gelebt haben. So ist das auch in Neusäß: Die günstige Verkehrslage und auch die Nähe zu den Beruflichen Schulen sei wohl ein Grund dafür, dass viele dieser Menschen nach Neusäß verlegt werden, so Silvia Daßler. Im Moment leben 113 Geflüchtete in den Neusässer Unterkünften. Auf dem Höhepunkt der Flüchtlingskrise seien es bis zu 170 gewesen, erinnert sich Silvia Daßler.

Der Unterstützerkreis ist jetzt zu seinem ersten Jahrestreffen zusammengekommen. „Ohne die vielen Neusässer, die sich um die Flüchtlinge kümmern, sähe es um die Integration vor Ort um einiges schlechter aus“, so Silvia Daßler bei dieser Gelegenheit. Ihre Erfahrung: Gerade die Menschen, die schon länger im Landkreis leben, brauchen und nutzen die bestehenden Angebote des Unterstützerkreises. Hinzu komme wichtige Unterstützung für die Ehrenamtlichen laut Silvia Daßler von Josef Hoppe, Leiter des Ordnungsamts in Neusäß, Asylsozialberaterin Rebecca Binder und Integrationslotsin Astrid Zimmermann.

Viele kommen nur zum Reden

Viele der eingeführten Projekte sollen auch 2019 fortgeführt werden, wie die schon traditionellen gemeinsamen Feste. Der interkulturelle Garten in der Siemensstraße 6, der prämierte Mieterqualifizierungskurs, die Betreuung der Kleiderkammer und das Frauenfrühstück sind weitere Fixpunkte im neuen Jahr. Im Treffpunkt Sálam wird am Freitagabend oft gemeinsam gekocht, gespielt, Musik gehört, geplaudert und auch ernsthaft diskutiert. Filmvorführungen und Geburtstagsfeiern sind kleine Höhepunkte im Sálam. Jeden Mittwochabend hilft Jürgen Albrecht in der Radelwerkstatt: „Viele kommen nur zum Reden, und nebenbei verabredet man sich schon mal zum Fußballspielen. Aber wir brauchen besonders jetzt für das kommende Frühjahr, wenn die Radelsaison wieder losgeht, weitere Fahrradspenden.“ Gerade Mountainbikes seien gefragt, so Jürgen Albrecht weiter.

Neu im Programm und besonders arbeitsintensiv ist der Nachhilfeunterricht speziell für Auszubildende. Denn gerade auch junge Menschen, die einst als unbegleitete Jugendliche in den Landkreis gekommen sind, leben inzwischen in Neusäß. Vielen fällt der Theorieunterricht in der Berufsschule sehr schwer. Jeden Samstag von 14 bis 16 Uhr treffen sich Auszubildende mit ehrenamtlichen Lehrkräften zum Deutschunterricht. Silvia Daßler: „Die jungen Leute sind hoch motiviert, haben aber unter der Woche keine Zeit, Energie und Kraft mehr, um spät abends noch zu lernen; hinzu kommt, dass die Unterkunft selbst kein Ort ist, an dem man in Ruhe und konzentriert lernen kann.“ In diesem Bereich sucht der Unterstützerkreis noch weitere Kräfte.

Überhaupt: Weitere Helfer sind beim Unterstützerkreis in Neusäß immer willkommen. Kontakt per E-Mail an neusaesser.fluechtlingshilfe@gmx.de oder über die Stadt Neusäß, Telefon 0821/4606-200. Der nächste Stammtisch findet am Dienstag, 19. Februar, um 19 Uhr im La Rustica, TC Neusäß, Keimstraße 36 in Neusäß statt. (AL, jah)

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