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Landkreis Augsburg

20.01.2021

Wie das Rote Kreuz aus dem Landkreis Augsburg in Bosnien hilft

An Weihnachten warteten Migranten aus dem Aufnahmelager Lipa bei Bihac auf ihre Umsiedlung. Die Internationale Organisation für Migration IOM hatte zuvor das Lager Lipa geschlossen. Rund 1300 Flüchtlinge würden nun auf der Straße stehen, sagte die Koordinatorin des Lagers dem Nachrichtenportal klix.ba.
Bild: Kemal Softic/AP/dpa

Plus Vor einem Jahr waren Helfer vom Roten Kreuz aus dem Landkreis Augsburg guter Dinge, dass sich die Lage im bosnischen Bihac verbessert. Das hat sich geändert.

Nun ist sie wieder im Gespräch, die 60.000-Einwohner-Stadt Bihac in Bosnien-Herzegowina an der Grenze zu Kroatien und damit zur Europäischen Union. Wieder geht es um Geflüchtete und Migranten, die über die Balkanroute auf dem Weg in Länder Mitteleuropas sind und rund um Bihac in zumeist wilden Lagern unter Umständen leben müssen, die Günther Geiger schon im vergangenen Jahr "unvorstellbar" und "unmenschlich" genannt hatte.

Der ehemalige Geschäftsführer des Kreisverbands Augsburg-Land des Roten Kreuzes ist weiterhin ehrenamtlich aktiv und auch immer wieder bei Auslandseinsätzen dabei, die von einer speziellen Einsatzstelle im Kreisverband Augsburg-Land im Auftrag des Deutschen Roten Kreuzes koordiniert werden. Diese Koordinationsstelle für die internationale Arbeit des Bayerischen Roten Kreuzes ist seit einigen Jahren beim Kreisverband Augsburg-Land angesiedelt, weil es dort unter anderem durch die Mitarbeiter in der Trinkwasseraufbereitung weltweite Erfahrungen gibt. In Bihac war Günther Geiger seit 2018, als dort erstmals Flüchtlinge an der Grenze zur Europäischen Union stauten, schon öfter.

Rotes Kreuz in Bosnien: Zelte hatten zunächst keinen Fußboden

Herr Geiger, aktuell wird wieder über die Flüchtlinge in Bihac gesprochen. Vor wenigen Tagen ist dort das Lager Lipa niedergebrannt, in dem Berichten nach bis zu 3000 Migranten lebten. Tagelang mussten sie bei Schnee und Kälte im Freien ausharren, dann wurden Zelte aufgebaut, die zunächst aber nicht mal einen Fußboden hatten. Was ist dort das Problem?

Günther Geiger: Das Kernproblem ist die politische Lage. Die ist zum einen in Bosnien recht unübersichtlich, eine klare Linie, wie mit Geflüchteten umgegangen werden soll, gibt es nicht. Oft soll das ein oder andere für Flüchtlinge getan werden, dann passiert aber nichts. Im von Ihnen erwähnten Lager Lipa haben jetzt, nach Auskunft unserer Partner vor Ort, Soldaten auch Heizungen und Fußböden installiert. Hinzu kommt aber, dass auch in der Europäischen Union, in die die Flüchtlinge ja weiterwollen, kein wirkliches Interesse daran besteht, diesen Menschen entgegenzukommen.

Ein Feuer zerstörte Zelte und Container in dem bereits geschlossenen Flüchtlingscamps Lipa, unweit der bosnischen Stadt Bihac. Die früheren Bewohner standen in den Tagen danach bei klirrender Kälte auf der Straße. Sie wussten nicht wohin und mussten schließlich dennoch vor Ort bleiben.
Bild: Kemal Softic, dpa

Vor gut einem Jahr hatten Sie mit einer Lieferung, Kleidung, Schlafsäcken und Schuhen und zuvor sogar mit Sanitärcontainern aus Diedorf vor Ort geholfen. Was ist seitdem passiert?

Geiger: Damals gab es noch ein Migrantenlager in einer ehemaligen Kühlschrankfabrik in Bihac. Das war zumindest ausreichend mit Sanitär- und Küchencontainern ausgestattet. Es gab auch Platz genug. Aber schon damals war klar, dass das Lager geräumt werden sollte, ursprünglich bis März 2020. Aufgelöst wurde es dann vor dem jetzigen Winter. Schon im vergangenen Jahr gab es aber auch wilde Camps mit noch viel schlimmeren Lebensbedingungen wie Vucjak bei Bihac, wo wir die Container aus Diedorf hingebracht hatten.

Mit fünf Lastwagen voller Hilfsgüter hat sich ein Transport des Roten Kreuzes aus dem Landkreis Augsburg im November 2019 auf den Weg nach Bihac in Bosnien gemacht.
Bild: Günther Geiger

In Lipa bei Bihac ist nun ein Lager kurz vor Weihnachten von der Internationalen Organisation für Migration (IOM) geräumt worden, weil die bosnischen Behörden es nicht winterfest gemacht hatten. Kurz darauf brannten die Zelte aus. Weil Anwohner aber nicht wollten, dass die Flüchtlinge in einer Kaserne im Süden des Landes unterkamen, wurden sie dennoch nach Lipa zurückgebracht. Haben Sie Kontakt zu den Hilfsorgansationen dort?

Geiger: Ja, direkt vor Ort ist das Rote Kreuz von Bosnien-Herzegowina. Wir haben Kontakt zum IOM und auch zu einer nationalen Hilfsgesellschaft. Wir wollten auch einen Transport mit Schlafsäcken, warmer Kleidung und Schuhen dorthin organisieren, die das Rote Kreuz in Schleswig-Holstein gesammelt hatte. Aber das ist zurzeit nicht möglich, nicht allein wegen der Corona-Krise, sondern eben auch wegen der unübersichtlichen politischen Situation. Dennoch: Über die Föderation der Rotkreuz- und Rothalbmondgesellschaften koordinieren wir weiterhin Hilskonvois.

Rotes Kreuz hilft in Bosnien: Gekocht wird in Feldküchen aus Bayern

Wird den Menschen dort denn überhaupt geholfen oder sind sie völlig auf sich gestellt?

Geiger: Ganz aktuell kann ich sagen, dass inzwischen Hilfskonvois des türkischen Roten Halbmonds und des italienischen Roten Kreuzes eingetroffen sind. Tatsächlich gibt es in Bihac aber im Moment keine wirklich durchgängige Betreuung, auch weil die Menschen dort ständig wechseln - und Hilfe praktisch im ganzen Land nötig ist. Bereits seit dem vergangenen Jahr haben wir vier Feldküchen nach Bosnien gebracht und das italienische Rote Kreuz noch mal zwei. Sinnvoll ist aber, Lebensmittel vor Ort zu besorgen, weshalb wir für unsere Arbeit auch auf Geldspenden angewiesen sind.

Wer diese Aufgabe des Kreisverbands Augsburg des Bayerischen Roten Kreuzes unterstützen will, kann hier spenden: BRK - Internationale Hilfe, VR-Bank Handels- und Gewerbebank Augsburg, IBAN: DE61 7206 2152 0100 0909 99, BIC: GENODEF1MTG.

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