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Gersthofen

27.08.2020

Wie eine Gruppe aus der Region die Vergangenheit ins Fernsehen bringt

Die Darstellungsgruppe Süddeutsches Militär (DSM) entführt mit authentischer Uniform in die Vergangenheit - auch in Film und Fernsehen.
Bild: Armin Gumpp

Plus Die Darstellungsgruppe Süddeutsches Militär (DSM) entführt mit authentischer Uniform in die Vergangenheit – auch in Film und Fernsehen. Was sie dazu veranlasst.

Raupenhelm, Pickelhaube und Tornister – Utensilien, die zur Zeit des deutschen Kaiserreichs zur klassischen Ausstattung bayerischer Soldaten gehörten. Heute finden sich diese Dinge auch im Kleiderschrank von Franz Gnugesser aus Kutzenhausen und Armin Gumpp aus Gersthofen: Beide gehören der Darstellungsgruppe Süddeutsches Militär (DSM) an.

Seit etwa acht Jahren ist Gnugesser Vorsitzender der Gruppe, die 2004 gegründet wurde und ihren Ursprung in Baden-Württemberg hat. Begonnen habe damals alles mit einer kleinen Statistentruppe, die für Filmaufnahmen vor der Kamera stand, so der Kutzenhausener. Heute bestehe die Vereinigung aus etwa 70 Mitgliedern im Alter von 20 bis über 70 Jahren. Sie kommen aus einem Einzugsgebiet „von Hannover bis Südtirol und von Belgien bis Bad-Reichenhall“. Unter anderem bei Festumzügen, Fahnenweihen und Gedenkveranstaltungen in Deutschland, Frankreich oder Belgien präsentieren die Mitglieder authentische Uniformen aus der Zeit zwischen 1866 und 1918.

Geschichte der Truppen von damals pflegen

Der Gersthofer Armin Gumpp ist seit fünf Jahren mit dabei und erklärt: „Als Darstellungsgruppe wollen wir die Geschichte der Truppen von damals pflegen und den Menschen von heute ein objektives Geschichtsbild vermitteln.“ Im Rahmen öffentlicher Veranstaltungen soll die Erinnerung an geschichtliche Ereignisse wachgehalten werden und hautnah mitzuerleben sein.

Die Darstellungsgruppe Süddeutsches Militär DSM beim Plärrerumzug 2017 in Augsburg.
Bild: Armin Gumpp

Ziel dabei sei es auch, deutlich zu machen, welch „kostbares Gut Frieden und Freiheit in einem geeinten Europa sind“. Zu diesem Zweck arbeitet der Verein auch mit ähnlichen Gruppen aus dem In- und Ausland zusammen, so zum Beispiel mit dem französischen Partnerverein „Le Poilu de la Marne“.

Kleidungsstücke werden extra angefertigt

Um in möglichst originalgetreuen Uniformen auftreten zu können, lässt die Darstellungsgruppe ihre Kleidungsstücke eigens von einer spezialisierten Schneiderei in Polen anfertigen. Die Kosten für Jacke, Mütze und Hose allein belaufen sich dann schnell auf 500 Euro, wie Vorsitzender Gnugesser verrät. Hinzu kommen dann noch verschiedenste Kleinteile. Er selbst habe im Laufe der Zeit bereits eine Ausstattung für fünf Uniformen angesammelt; die Helme habe er zum Teil selbst angefertigt.

Die Darstellungsgruppe Süddeutsches Militär bei dem Militärmusikfest Military Tattoo 2019.
Bild: Armin Gumpp

Bei Detailfragen bekäme der Verein stets Hilfe von Hauptkonservator Dieter Storz aus dem Bayerischen Armeemuseum in Ingolstadt. Doch es sind nicht nur die Militäruniformen der DSM, die beeindrucken – auch einige Frauen gehören mit zum Verein, die dann meist in zeitgemäßer Zivilbekleidung oder als Krankenschwestern auftreten. Gnugesser betont: „Was wir machen, ist ernsthaft. Das sind keine Kostüme, die man zu Fasching trägt.“

Bei einigen Filmen mitgewirkt

Aus diesem Grund wird die historische Bekleidung der DSM unter anderem von verschiedenen Filmproduzenten sehr geschätzt. Die Gruppe wirkte bereits bei mehreren Spielfilmen mit, zum Beispiel bei „Der Rote Baron“ (2008) mit Matthias Schweighöfer und Til Schweiger oder bei „Der stille Berg“ (2014) mit Claudia Cardinale und Fritz Karl. Doch auch für Dokumentationen oder Produktionen des französischen Fernsehens wurde der Verein bereits gebucht.

Franz Gnugesser und Armin Gumpp (von links).
Bild: Marcus Merk

Zur Jahreshauptversammlung trifft sich die Darstellungsgruppe Süddeutsches Militär in Straßburg. Ansonsten sehen sich die Mitglieder auf durchschnittlich zwölf Veranstaltungen im Jahr, die in Deutschland oder auch im Ausland stattfinden. Für Festlichkeiten und nachgestelltes Lagerleben sei dann häufig mal ein ganzes Wochenende einzuplanen; teilweise müssten auch Urlaubstage für die An- und Abreise beansprucht werden, so Gumpp.

Ganz aktuell steht für die Truppe einer der wenigen Ausflüge in diesem virusgeplagten Jahr nach Frankreich an: Anfang September jährt sich die große Schlacht bei Sedan zum 150. Mal. Hintergrund ist der deutsch-französische Krieg, der im Juli 1870 begann und heute oft auch als „vergessener Krieg“ bezeichnet wird – die Erinnerung an diesen Konflikt verblasst häufig angesichts der später folgenden Weltkriege.

Wer mehr Informationen erhalten möchte oder Interesse hat, sich dem Verein anzuschließen, schickt eine E-Mail an heimatgeschichte@online.de.

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