1. Startseite
  2. Lokales (Augsburg Land)
  3. Wie ungenutzte Flächen in Bonstetten Insekten retten sollen

Bonstetten

22.03.2019

Wie ungenutzte Flächen in Bonstetten Insekten retten sollen

Das kleine Wiesenstück an der Bonstetter Kompostieranlage zwischen Acker und Weg gehört der Gemeinde. Bald könnte es hier bunt werden, denn die Kommune will ein umfangreiches Konzept erstellen, um ungenutzte Grundstücke für den Ausbau der Artenvielfalt zu nutzen. 

In Bonstetten sollen sogenannte „eh-da-Flächen“ artenreicher werden. Aus ungenutzten Grundstücken soll das Zuhause von Insekten werden. 

Das Problem des Insektensterbens ist längst in der Gesellschaft angekommen. Mehr als eine Million Menschen trugen sich unlängst für das „Volksbegehren Artenvielfalt“ in Bayern ein. Immer drastischer werden die Meldungen über den Verlust von Lebensräumen für Bienen und andere Insekten. Doch wie kann man diesem Problemen konkret begegnen? In Bonstetten gibt es nun Überlegungen, wie man den Insekten helfen kann. Die Gemeinde will zum Vorreiter für den Artenschutz werden.

Weiterlesen mit dem Plus+ Paket

Dieser Inhalt ist älter als 30 Tage und steht daher nur Abonnenten mit einem Plus+ Abo zur Verfügung.
Jetzt ab 0,99 € testen

Wie das funktionieren könnte, damit befasst sich Landschaftsarchitekt Hans Marz. Er erstellt im Auftrag der Gemeinde Bonstetten ein Konzept. Das Besondere dabei: „Wir nutzen sogenannte eh-da-Flächen“, erklärt Marz. Das sind Grundstücke, die – wie der Name schon sagt – „eh da“ sind, aber nicht genutzt werden. Gemeindliche Grünstreifen zum Beispiel, ein Rasen um den Spielplatz oder kommunale Grundstücke, die zur Zeit leer stehen. „Es gibt da ein großes Potenzial an Flächen, das nicht genutzt wird“, sagt Marz.

Viele Grundstücke werden zu oft gemäht

Zu oft werden diese Areale falsch gepflegt, meint der Experte. Zum Beispiel, weil zu oft gemäht oder gemulcht wird. Dadurch verschwinde der für Insekten wichtige Lebensraum. „Die Vielfalt geht verloren“, sagt Marz. Dagegen könne man mit wenig Aufwand vieles bewirken. Grünflächen sollten zum Beispiel nur noch zwei Mal im Jahr gemäht werden. „Wichtig ist, dass erst nach dem Abblühen gemäht wird“, meint Marz. So sei sichergestellt, dass weiterhin viele Pflanzen- und damit auch Insektenarten überleben. Auch Blühwiesen könnten in Bonstetten gepflanzt werden. Oder Totholz als Lebensraum für Insekten zur Überwinterung auf ungenutzten Grundstücken verteilt werden. Marz hat eine Menge Ideen, die in Bonstetten umgesetzt werden könnten. Bei den Grünflächen in Richtung des Kreisverkehrs ortsauswärts würde es zum Beispiel schon reichen, nicht mehr so häufig zu mähen, erklärt der Experte. Die Wiese am Dorfplatz hingegen könnte man neu bepflanzen, um die Artenvielfalt zu fördern. Eine Blühwiese könnte an einer ungenutzten Fläche neben der Kompostieranlage entstehen.

ecsImgBannerNewsletter250x370@2x-1315723864673274678.jpg

Eine Blühwiese allein reicht nicht aus

Für Bonstettens Bürgermeister Anton Gleich (CSU) ist das Projekt eine Chance. Er sagt: „Das Volksbegehren hat gezeigt, dass wir das Thema Artenvielfalt sehr ernst nehmen sollten.“ Auch Gleich sieht in den vielen ungenutzten Flächen der Gemeinde großes Potenzial. Es reiche nicht, nur eine Blühwiese anzulegen, die für ein paar Monate hübsch aussieht, sagt der Bürgermeister. „Es geht darum, ein umfangreiches Konzept zu erstellen.“ Mit einzelnen Pflanzaktionen sei es nicht getan.

Die Idee, gemeindliche Grundstücke zu nutzen, um Insekten zu fördern, hatte Gemeinderat Hermann Wengenmair (CSU) bereits im vergangenen Jahr. „Wir müssen als Gemeinde mit gutem Beispiel vorangehen“, sagt er. Auch Privatleute sollten sich überlegen: „Muss ich wirklich alles akkurat bepflanzen? Oder: Brauche ich unbedingt ein Steinbeet?“

Sobald das Konzept des Umweltexperten Hans Marz auf dem Tisch liegt, will der Gemeinderat darüber abstimmen. Gleich geht davon aus, dass es großen Anklang finden wird. Auch, wenn es nicht günstig wird. Mit Kosten von grob geschätzt 10 000 Euro rechnet Gleich – im ersten Jahr. Die Kosten zur Pflege der Grundstücke in den Folgejahren kommen hinzu. Wenn das Konzept steht, will man klären, ob Fördermittel beantragt werden können. In Bayern gibt es bereits ähnliche Projekte, bei denen die sogenannte „eh-da-Flächen“ sinnvoll genutzt werden sollen.

Im Landratsamt in Augsburg hat man den Begriff zwar noch nicht gehört. Unterstützung in Sachen Artenvielfalt sichert aber auch der Landkreis den Kommunen zu. Ziel sei es, die Gemeinden dafür zu gewinnen, zum Beispiel auf öffentlichen, regelmäßig gemähten Rasenflächen Blühwiesen anzulegen. Dafür übernimmt der Landkreis tweilweise die Kosten für das notwendige Saatgut.

Themen folgen

Die Diskussion ist geschlossen.

Das könnte Sie auch interessieren