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Landkreis Augsburg

06.08.2020

Wolf in der Region: Im Augsburger Land sind die Viehhalter in Sorge

Er galt bereits als ausgerottet. Doch inzwischen gibt es in Deutschland wieder eine wachsende Wolfspopulation.
Bild: Rehder, dpa (Symbolfoto)

Plus Im Kreis Aichach-Friedberg soll ein Wolf Schafe gerissen haben. Auch im Augsburger Land wird darüber diskutiert, wie mit dem Tier umzugehen ist.

Christian Hartl ist besorgt: „Wir haben eine Riesenangst“, sagt der Schäfer aus Affing. Er lässt seine Schafe auf Weiden im Augsburger Land und eben auch im Landkreis Aichach-Friedberg weiden. Dort wurden bei Igenhausen sechs Schafe von einem Wildtier gerissen - vermutlich von einem Wolf. Auch im Augsburger Land wird eifrig darüber diskutiert, wie damit umgegangen werden soll.

Die automatische Wildkamera des Jagdpächters Josef Haimer in Igenhausen (Landkreis Aichach-Friedberg) hat dieses Foto aufgenommen. Es zeigt den mutmaßlichen Wolf am Kadaver eines Schafes.
Bild: Josef Haimer

Auf Bildern einer Wildkamera aus Igenhausen ist ein wolfähnliches Tier zu sehen. Die DNA-Probe ist aber noch nicht ausgewertet. Der Igenhausener Wolf wäre nicht der erste, der in den letzten Jahren in der Region aufgetaucht ist. Schon 2019 hatte ein Artgenosse bei Biberbach ein Schaf gerissen.

Schäfer Hartl macht sich Sorgen um seine Schafe und seine Existenz. Weidehaltung sei in einem Wolfsgebiet nicht zu verantworten, und in einen Stall sperren will er die Tiere auch nicht. Er müsste seinen Betrieb schließen, wenn der Wolf sich ansiedelt. Nach einem Wolfsangriff könne es zu Komplikationen bei der Geburt der Lämmer kommen.

Wolf in der Region: Im Augsburger Land sind die Viehhalter in Sorge

Augsburger Land: Bauern und Schäfer wollen den Wolf loswerden

Zudem seien die Schafe dann häufig schreckhaft und schwerer zu hüten. Thomas Graupner, Geschäftsführer des Bauernverbandes im Landkreis Augsburg, will den Wolf loswerden: „Wir brauchen hier keinen Wolf. Der soll dahingehen, wo er hergekommen ist“, sagt er. Man müsse zwischen dem Schutz eines Wildtieres und einer hoch entwickelten Gesellschaft abwägen. „Der Verbraucher will Milch und Lammfleisch von der Weide. Das geht nicht gleichzeitig mit dem Wolf“, befürchtet er. Auch die Unterstützung für Landwirte sei nicht ausreichend. „Wenn der Topf für die Entschädigungen vom Freistaat leer ist, wird nur ein Teil des Schadens erstattet.“

Hubert Droste vom bayerischen Staatsforst bei Zusmarshausen sieht die Sache deutlich gelassener. Er hat zwar Verständnis für die Sorgen von Tierhaltern, aber in den Westlichen Wäldern gebe es weder Sichtungen noch gerissenes Wild. Auch wenn sich das jemals ändern sollte, drohe keine Gefahr für Menschen: „Die sind so scheu und heimlich, dass man sie kaum sieht“, sagt er. Man könne sich glücklich schätzen, wenn man einen Wolf überhaupt zu Gesicht bekommt. Angriffe auf Menschen seien extrem selten.

Jäger: Wolf muss gejagt werden, wenn er Schaden anrichtet

Jäger Hans Fürst findet, dass der Wolf bejagt werden muss, wenn er Schaden anrichtet: „Wir müssen uns zwischen Viehwohl und dem Wolf entscheiden“, sagt er. Schießen darf man den Wolf nur mit einer Sondergenehmigung vom Landratsamt, die diese nach Gutdünken verteilen kann. Sonst riskiert man den Verlust seines Jagdscheins. „Da würde ich mir klarere Regeln wünschen“, sagt er.

Ein Jungtier könnte auf der Suchen nach einem neuen Revier sein

Sein Jägerkollege Gerhard Wurm aus Langerringen betont aus seiner Erfahrung: „Der Wolf ist ein Fluchttier. Er wird nur gefährlich, wenn man ihn in die Enge treibt“, sagt er. Er findet den strengen Schutz für das Tier richtig. Johannes Enzler, Kreisvorsitzender vom Bund Naturschutz, glaubt, dass es sich um ein Jungtier auf der Suche nach einem neuen Revier handelt. Es sei sehr fraglich, ob der Igenhausener Wolf überhaupt noch in der Gegend ist. Die Tiere würden in 12 Stunden bis zu 76 Kilometer zurücklegen.

Er ist sich aber sicher, dass der Wolf sich über kurz oder lang wieder in Bayern ansiedeln wird. Auch die großen Wälder im Augsburger Land seien ein geeigneter Lebensraum. Enzler wünscht sich eine Koexistenz mit dem Wolf. Er ernähre sich zum allergrößten Teil von Wild: „Rehe fressen häufig junge Bäume ab. Wölfe können helfen, diesen Verbiss zu reduzieren.“ Natürlich sei es dem Bund Naturschutz wichtig, die Weidehaltung zu bewahren.

Diese spiele eine wichtige Rolle beim Artenschutz von Pflanzen und Insekten und der Gestaltung der Naturlandschaft. Für ihn ist das kein Widerspruch: „Unsere Viehhalter sind häufig nicht auf Raubtiere vorbereitet, weil wir hier lange keine großen hatten“, sagt er. Man müsse ihnen Hilfestellungen geben, etwa durch Beratung, finanzielle Unterstützung beim Bau von Zäunen oder der Anschaffung von Herdenschutzhunden. Ein Schäfer müsse auch nachts vor Ort sein, um die Tiere notfalls zu beschützen. Aber eine hundertprozentige Sicherheit gebe es trotz alledem nicht: „Wenn ein Tier gerissen wird, muss es Entschädigung geben“, sagt er.

Schäfer Christian Hartl reichen diese Maßnahmen nicht. Er ist skeptisch, dass Hütehunde und Zäune den Wolf abhalten können. Die Hunde seien auch aggressiv gegenüber Spaziergängern, und der Wolf könnte sich unter dem Zaun durchgraben. Auch der ökonomische Schaden steht für ihn nicht im Mittelpunkt. Er hat eine enge Beziehung zu seinen Schafen. Jedes Tier sei für ihn wie ein Kind. „Das kann man nicht so leicht ersetzen“, sagt er.

Die Beunruhigung der Viehhalter in der Region ist verständlich, doch Panik ist ein schlechter Ratgeber: Lesen Sie dazu einen Kommentar von Sören Becker: Der Wolf ist kein Grund zur Panik

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