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Fischach: Reichspogromnacht in Fischach: Ein Gendarm hielt alles fest

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Reichspogromnacht in Fischach: Ein Gendarm hielt alles fest

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    In Fischach zeugt nicht zuletzt der jüdische Friedhof von der vielschichtigen jüdischen Vergangenheit des Ortes.
    In Fischach zeugt nicht zuletzt der jüdische Friedhof von der vielschichtigen jüdischen Vergangenheit des Ortes. Foto: Marcus Merk (Archivbild)

    Vor 85 Jahren fand die Reichspogromnacht statt. Damals wurden viele Synagogen geschändet oder zweckentfremdet. Auch in Fischach kam die Welle der Gewalt an. Schon vor der Pogromnacht soll die Stimmung in Fischach zunehmend in die Judenfeindlichkeit gekippt sein. 

    Dr. Franz Josef Merkl vom Archiv der Stiftung St. Johannes in Marxheim hat sich mit dem Pogrom in Fischach auseinandergesetzt. An zwei Schlüsselerlebnisse erinnert er: 1923 habe es eine erste körperliche Auseinandersetzung zwischen Juden aus Fischach und der Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei (NSDAP) gegeben. 1933 seien die Juden von allen Ortsvereinen ausgeschlossen worden, Boykottaufrufe gegenüber jüdischen Geschäften hätten sich verstärkt. Trotzdem fühlten sich die Juden bis 1935 offenbar relativ sicher in Fischach.

    Ein Fischacher Polizist schrieb die Täter auf

    1935 wurde der Synagogenvorsteher Hugo Deller wohl von einem Mitglied der Sturmabteilung (SA) öffentlich verprügelt. "Das hat der jüdischen Bevölkerung die Augen geöffnet, dass die Stimmung nicht friedlich bleiben wird", sagt Corinna Malek, wissenschaftliche Mitarbeiterin bei der Bezirksheimatpflege. Die Familie wanderte 1935 aus. Andere blieben. Dann kam die Reichspogromnacht.

    Das bisherige Narrativ schildert einen recht harmlosen Verlauf, an dem sich die einheimische Bevölkerung kaum beteiligte. Nach neueren Erkenntnissen von Merkl lässt sich diese Version allerdings nicht länger halten. Nach seinem Wissensstand war die Bevölkerung sehr wohl beteiligt. Merkl bezieht sich dabei auf die Augenzeugenberichte des Gendarmen Josef Wünsch zum Verlauf des Pogroms, dessen Aufzeichnungen er aufgearbeitet hat. Der Polizist war selbst Teil des Geschehens. Im Zuge seines Entnazifizierungsverfahrens benannte er Täter. "Warum er das gemacht hat, ist nicht ganz klar", sagt Corinna Malek. Möglicherweise habe er sein Gewissen erleichtern wollen. 

    Die Initiative für die Gewalt in Fischach kam von außen

    Laut Wünsch kam in der Nacht auf den 11. November, also einen Tag verzögert, ein Trupp der geheimen Staatspolizei (Gestapo) aus Augsburg nach Fischach. Von der örtlichen Polizei und sieben aus dem Ort rekrutierten Helfern aus verschiedenen Parteiorganisationen wurde die Gestapo unterstützt. Die SA in Fischach war zu diesem Zeitpunkt aus unbekannten Gründen nicht auffindbar. Schaulustige wohnten der Sache bei, griffen jedoch nicht aktiv ein, so Wünsch in seinen Aufzeichnungen.

    Die jüdische Bevölkerung zwischen 18 und 60 Jahren wurde laut Wünsch "zusammengetrieben", 42 Juden wurden festgenommen und nach Augsburg gebracht, in den Tagen danach wurden weitere verhaftet. 25 von ihnen kamen ins Konzentrationslager (KZ) Dachau. Übergriffe gab es laut Wünsch zunächst nicht. Einige Tage später wurde es ruhiger in Fischach, dann beschädigten die Täter am 15. November wohl die Synagoge im Ort sowie Privathäuser. Laut Merkl entwendeten sie unter anderem Kultusgegenstände.

    Mit der Verfolgung endete die jüdische Geschichte in der Region

    Die jüdischen Inhaftierten kamen aus dem KZ Dachau nach Fischach zurück, traumatisiert und gezeichnet, teilte Dr. Franz Josef Merkl vom Archiv der Stiftung St. Johannes in Marxheim in dieser Woche in einem Vortrag mit. 42 jüdische Fischacher schafften es, auszuwandern, das entspricht etwa einem Drittel der jüdischen Bevölkerung von 1933. Im Jahr 1942 wurden die verbleibenden jüdischen Fischacher nach Piaski oder in das KZ Theresienstadt gebracht. Von ihnen überlebte keiner. 

    Die jüdische Geschichte im Landkreis

    Die jüdische Geschichte ist im Landkreis tief verwurzelt. Über ein dutzend Gemeinden gab es im 20. Jahrhundert in Bayerisch-Schwaben noch, in den Jahrhunderten davor waren es noch mehr. 

    In manchen Orten, wie in Altenstadt an der Iller, bildeten die Juden Anfang des 19. Jahrhunderts sogar die Bevölkerungsmehrheit. Sie gehörten dazu, hatten Vereine und waren im öffentlichen Leben integriert. 

    Im Gebiet des heutigen Landkreises Augsburg gab es neben Fischach noch eine große Gemeinde in Augsburg und eine weitere in Kriegshaber.

    "Die Reichspogromnacht war Auftakt zur systematischen Judenverfolgung und -vernichtung", erklärt Christoph Lang von der Bezirksheimatpflege Schwaben. Man dürfe die Gewalt nicht auf die Nacht reduzieren, sondern müsse ihre Bedeutung weiterdenken und als Beginn der systematischen Vernichtung von Juden betrachten. "1938 bedeutete einen tiefen Einschnitt der jüdischen Geschichte in der Region", erklärt Lang. Heute zeugt kaum noch etwas von ihr im Landkreis.

    In Fischach gibt es etwa noch den 1774 gegründeten jüdischen Friedhof. Auch das Gebäude des jüdischen Gemeindehauses mit Schule steht noch. Es sei wichtig, dass die jüdische Geschichte sichtbar bleibe, meint Lang. Es sei eine Geschichte, die zum Landkreis gehöre und insbesondere im Licht aktueller Ereignisse nicht vergessen werden dürfe. "Wir stehen da in der Verantwortung."

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