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Fußball

19.02.2015

Den jungen Schiedsrichtern fehlt die Zeit

Viele junge Schiedsrichter haben nicht die Zeit, zwei bis drei Spiele am Wochenende zu pfeifen. Deshalb müssen immer öfter Funktionäre der Vereine die Spiele leiten.
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Viele junge Schiedsrichter haben nicht die Zeit, zwei bis drei Spiele am Wochenende zu pfeifen. Deshalb müssen immer öfter Funktionäre der Vereine die Spiele leiten.

Immer mehr Spiele in der Region können trotz genügend Nachwuchs nicht besetzt werden. Der Augsburger Schiedsrichter-Lehrwart Horst Schäfer erklärt, warum das so ist

Hallo Herr Schäfer! Dem Amateurfußball gehen die Schiedsrichter aus. Viele Regionen in ganz Schwaben können Fußballspiele nicht mehr mit ausreichend Schiedsrichtern besetzen, weil der Nachwuchs fehlt. Wie ist denn die aktuelle Situation im Landkreis Augsburg?

Es ist derzeit so, dass wir Spiele der U12-Junioren in der untersten Liga nicht mehr ausreichend mit Schiedsrichtern besetzen können. Gleiches gilt für alle Reservenligen der Herren, also Ligen, in denen die Mannschaften nicht aufstiegsberechtigt sind. Die Nachwuchszahlen in der Schiedsrichter-Gruppe Augsburg sind aber auf jeden Fall zufriedenstellend.

Woran fehlt es denn dann?

Das Problem ist: Viele ältere Schiedsrichter fallen aus Gesundheits- oder Altersgründen inzwischen weg. Die haben zuvor zwei bis drei Spiele pro Wochenende gepfiffen. Unser Nachwuchs kann teilweise aber nur ein Spiel leiten. Grund dafür ist die enorme Belastung von schulischer Seite. Viele Jugendliche müssen einfach noch mehr Zeit fürs Lernen aufbringen und können nicht das gesamte Wochenende auf dem Platz stehen. Aber auch der gesellschaftliche Wandel spielt eine Rolle. Junge Menschen wollen heute ihre Freizeit nicht nur auf dem Fußballplatz verbringen.

Wie sehen Sie die Folgen in den nächsten Jahren?

Die Folgen sind, dass noch mehr Ligen nicht mehr von offiziellen Schiedsrichtern gepfiffen werden können. Hier müssen dann oftmals Vereinsfunktionäre in die Bresche springen.

Sie sind seit 1994 im Lehrwesen tätig, also seit rund 20 Jahren. Seitdem hat sich im Fußball viel getan. Wie schulen Sie ihre neuen Schiedsrichter und stellen dabei auch eine gewisse Qualität sicher?

Zunächst einmal gibt es einen dreitägigen Neulingskurs, anschließend drei weitere Schulungen. Bei ihren Spielen werden die Neulinge dann jeweils von einem erfahrenen Schiedsrichter individuell begleitet, betreut und auch bewertet.

Es kann also sein, dass Sie nach diesen ersten Tests feststellen, jemand ist gar nicht geeignet?

Genau, das kommt durchaus vor und da müssen wir, aufgrund unserer Verantwortung gegenüber den Schiedsrichtern und natürlich auch den Vereinen, dann handeln und uns von den Personen trennen.

Wie oft ist das der Fall?

Das passiert vielleicht bei ein bis zwei Neulingen von durchschnittlich 30 Teilnehmern.

Angenommen es ist das Gegenteil der Fall: Der neue Schiedsrichter ist richtig gut. Welche Maßnahmen zur Förderung gibt es?

Qualifiziert sich einer unserer Unparteiischen für höhere Aufgaben, haben wir spezielle Förderprogramme, die je nach Klassenzugehörigkeit ineinandergreifen. Da wird dann neben taktischen und athletischen Dingen auch auf deeskalierendes Verhalten eingegangen. Hierfür laden wir immer wieder Fachleute ein, wie etwa Mentaltrainer und auch Polizisten. Uns ist sehr wichtig, dass unsere Schiedsrichter lernen, wie man richtig mit den Spielern umgeht.

In vielen Spielen ist man Woche für Woche der Buhmann. Wieso wollen denn immer noch so viele junge Leute Schiedsrichter werden?

Zum einen bieten wir einen gewissen finanziellen Ausgleich, eine Aufbesserung des Taschengeldes sozusagen. Dann haben Schiedsrichter mit ihrem Ausweis freien Zugang zu allen Bundesliga-Spielen. Das kommt derzeit in Augsburg natürlich besonders gut an. Und tatsächlich kommen die meisten Leute einfach, weil sie Spaß am Fußball und dem Hobby des Schiedsrichters haben.

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