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Gesundheit

12.08.2018

Ärzte sagen: Augsburger könnten besser versorgt werden

Weil sich Hausärzte und Krankenkasse nicht einigen können, sind viele Patienten in und um Augsburg von der sogenannten hausarztzentrierten Versorgung ausgeschlossen.
Bild: Ulrich Wagner (Symbolbild)

Die städtische Betriebskrankenkasse bietet als einzige ihren Versicherten keinen Hausarztvertrag an. Für manche grenzt das an Rechtsbeugung.

Weil sich Hausärzte und Krankenkasse nicht einigen können, sind viele Patienten in und um Augsburg von der sogenannten hausarztzentrierten Versorgung ausgeschlossen. Es geht um die gut 16.000 Versicherten der BKK Stadt Augsburg, die zu den kleinen Betriebskrankenkassen in Bayern zählt. Für den schwäbischen Hausärztechef Jakob Berger aus Meitingen-Herbertshofen grenzt das Verhalten der Kasse an „Rechtsbeugung“. BKK-Vorstand Florian Mair verweist auf die besondere Altersstruktur seiner Kassenmitglieder, die einen solchen Hausärztevertrag zu teuer mache.

Seit fast 30 Jahren steht im Sozialgesetzbuch, dass die Krankenkassen ihren Versicherten eine „besondere hausärztliche Versorgung“ anzubieten haben. Seitdem ist das auch ein permanenter Streitpunkt. 2012 haben die 16 bayerischen BKKs über ihren Landesverband einen gemeinsamen neuen Vertrag mit dem Bayerischen Hausärzteverband ausgehandelt. Als Einzige von den 16 ist ihm die BKK Stadt Augsburg nicht beigetreten. Laut Mair hätte das zu einer jährlichen Mehrbelastung von 210.000 Euro geführt. Für die Kasse gelte in dem Fall das Wirtschaftlichkeitsprinzip, an das sie ebenfalls gebunden sei. Erst Ende Juli habe der Verwaltungsrat der BKK, dem Vertreter der Arbeitgeber und der Versicherten angehören, diese Linie ausdrücklich unterstützt.

In der bereits 1913 gegründeten BKK Stadt Augsburg können sich Mitarbeiter (und ihre Familienmitglieder) der Stadt, der Stadtwerke, des Klinikums und der Stadtsparkasse sowie anderer Einrichtungen und Beteiligungen der Stadt versichern. Für Außenstehende steht sie hingegen nicht offen.

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„Hier werden Versicherten Rechte verweigert“

Hausarzt Berger, der nach eigenen Angaben seit Jahren immer wieder bei der BKK vorstellig wird und auch versucht, die politische Spitze der Stadt zu überzeugen, sagt hingegen: „Hier werden den Versicherten Rechte verweigert, die ihnen zustehen.“ Er spricht von einer „deutlich besseren Versorgung“, die damit möglich wäre. Als Beispiel nennt Berger Lungenfunktionstests, ein Anrecht auf mehr Laborwerte und eine psychosomatische Behandlung. Auch Diabetiker könnten besser betreut werden.

Studien in Baden-Württemberg, so Berger, hätten nachgewiesen, dass hausärztlich versorgte Patienten seltener ins Krankenhaus eingewiesen werden müssten und es zu weniger teuren Komplikationen komme. Für die Krankenkassen bedeute das erhebliche Einsparungen. Berger appelliert deshalb an die „Fürsorgepflicht der Stadt für ihre Versicherten“. Die Ärzte bekämen für eingeschriebene Patienten auch mehr Geld, räumt er ein, müssten sich aber „extrem viel höheren Qualitätsanforderungen“ und vermehrter Fortbildung stellen. Der Hausärztechef macht deshalb nach eigenen Angaben auch auf politischer Ebene allen erdenklichen Druck.

Außergewöhnlich hohes Durchschnittsalter der Versicherten

BKK-Chef Mair erklärt, dass für seine Kasse die mit einem Hausärztevertrag möglichen Einsparungen „keine Rolle spielen“ würden. Das hätten auch Auswertungen des bayerischen BKK-Verbandes bestätigt. Mair verweist auf das außergewöhnlich hohe Durchschnittsalter seiner Versicherten. „Das wird für uns zum Problem.“ Nach Berechnungen der Kasse, die der Redaktion vorliegen, waren zum 31. Dezember 2015 27 Prozent ihrer männlichen und 16 Prozent ihrer weiblichen Versicherten älter als 60 Jahre alt. Zum Vergleich: Bei den 15 anderen bayerischen BKKs mit Hausarztvertrag waren es sieben bzw. sechs Prozent. Für die älteren, so BKK-Vorstand Mair, würden aber höhere Honorare anfallen. Alternativ biete die Kasse andere Modelle einer integrierten Versorgung.

Hausärztevertreter Berger hält dagegen: Die BKK Stadt Augsburg gönne jedem Versicherten Wahlleistungen im Umfang von bis 300 Euro pro Jahr, die in der gesetzlichen Versorgung nicht vorgesehen sind. Deshalb sehe er hier sehr wohl noch finanzielle Luft für eine hausarztzentrierte Versorgung.

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