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Augsburg
14.10.2021

Ärger um Neubaugebiet in der Firnhaberau: Anwohner fordern neue Straße

Am Siedlerweg in der Firnhaberau haben Anlieger Plakate aufgehängt, weil sie durch ein Neubaugebiet mehr Verkehr fürchten.
Foto: Silvio Wyszengrad

In der nördlichen Firnhaberau sollen um die 130 Wohnungen entstehen. Anlieger fürchten mehr Verkehr. Auch in einem anderen Augsburger Stadtteil gibt es Diskussionen.

Die Planungen für ein neues Wohngebiet im nördlichen Anschluss an die Firnhaberau konkretisieren sich. Wie berichtet möchte die Siedlungsgenossenschaft Firnhaberau, die aktuell um die 870 Wohnungen vor allem in der Firnhaberau besitzt, dort Mehrfamilien- und Reihenhäuser bauen. Insgesamt sollen um die 130 Wohnungen in Mehrfamilien- und Reihenhäusern entstehen. Ziel der Genossenschaft ist es, günstigen Wohnraum für junge Familien sowie barrierefreie, seniorengerechte Wohnungen zu bauen. Gerade in der Firnhaberau und Hammerschmiede sei ein solches Angebot nötig, so geschäftsführender Genossenschaftsvorstand Rainer Beyer. Die Stadtteile mit ihrem hohen Anteil an Siedlerhäusern gelten als überaltert. Barrierefreie Wohnformen gebe es bisher wenig, so Beyer.

 

Inzwischen gibt es erste Planungen mehrerer beauftragter Architekturbüros. Favorit ist ein Entwurf des Büros 3+architekten glogger.müller.blasi, der vorsieht, das Baugebiet im Norden durch mehrstöckige Riegelbauten vom Autobahnlärm zu schützen. Um eine große, zentrale Grünfläche sollen sich die Häusergruppen anordnen. Im Inneren soll das neue Viertel quasi autofrei sein, die Stellplätze sollen an den Rändern entstehen. Das Areal gehört der Genossenschaft schon seit langer Zeit, sei in der Vergangenheit wegen des Autobahnlärms aber nicht bebaubar gewesen. Der vor gut zehn Jahren im Zuge des dreispurigen Ausbaus verbaute Flüsterasphalt und der Lärmschutzwall hätten die Situation geändert.

Klagen wegen überlasteten Straßen in der Firnhaberau

In der Firnhaberau regen sich inzwischen erhebliche Vorbehalte gegen die Erschließung des neuen Wohngebiets. Bereits vor einem Jahr gab es einen Brief mit 500 Unterschriften an Oberbürgermeisterin Eva Weber (CSU). Anwohner und Anwohnerinnen fürchten deutlich mehr Autoverkehr durch die Neubürger und -bürgerinnen. Die vorhandene Infrastruktur im Siedlerweg (dort klagen Anlieger ohnehin über den Busverkehr) und Staudenweg sei nie dafür gedacht gewesen, um als Erschließungsstraßen für ganze Quartiere herzuhalten. "Viele haben Angst vor noch mehr Verkehr. Es wäre das zweite Mal, dass man ein Neubaugebiet ohne eigene Zufahrt baut", so Bettina Müller, die sich in der dortigen Bürgerinitiative engagiert. Bereits in den 70er-Jahren sei die Firnhaberau gewachsen, verbunden mit entsprechend mehr Verkehr, der auf ursprünglich als Anliegerstraßen konzipierten Fahrbahnen geführt werde. "Dieses Gebiet wurde einfach an den Siedlerweg angeschlossen", so Müller. Schon heute seien die Straßen überlastet. Inzwischen hängen in der Firnhaberau an mehr als 100 Gartenzäunen Banner mit Aufschriften wie "Neubaugebiet: Nicht zu Lasten der Anwohner!". Gefordert wird eine eigene Erschließungsstraße für das neue Viertel, um den Siedlerweg zu entlasten. Es gehe nicht um Widerstand gegen das Viertel an sich.

Baureferent Gerd Merkle (CSU) sagte am Donnerstag im Bauausschuss des Stadtrats, dass man die Erschließung des Viertels absichtlich auf Luchs-, Siedler- und eine Verlängerung des Kaspar-Reiter-Wegs aufteilen wolle. "Der öffentliche Nahverkehr dort ist verbesserungsfähig, aber über Sharing-Angebote könnte man den Autoverkehr noch weiter reduzieren", so Merkle. Spätestens 2022 soll das Verfahren zur Entwicklung eines Bebauungsplans beginnen.

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Augsburger Stadträte signalisieren Zustimmung

Im Bauausschuss wurde die Planung einstimmig gutgeheißen. Stadtrat Peter Uhl (CSU) sagte, das Quartier werde keine Trabantenstadt für Zugezogene werden, sondern Senioren aus der Hammerschmiede und der Firnhaberau die Möglichkeit geben, im Stadtteil zu bleiben, wenn das Leben im bisherigen Haus zu beschwerlich werde. "Und diese Bestandshäuser werden dann frei für junge Familien", so Uhl. So verhindere man, dass Firnhaberau und Hammerschmiede zum "Seniorenviertel" werden.

Auch Grüne und Sozialfraktionen signalisierten Zustimmung. Christine Kamm (Grüne) sagte, die Sanierung des Radwegs an der Schillstraße könne, gemeinsam mit nötigen Verbesserungen beim Nahverkehr, den Zusatzverkehr auffangen. Gregor Lang (Sozialfraktion) sagte, die Stadt solle standhaft bleiben beim Thema Erschließung. Eine neue Straße passe nicht in die Zeit. Weiche die Stadt nun zurück, schaffe sie einen Präzedenzfall. Fraktionschef Florian Freund merkte an, dass der genossenschaftliche Wohnbau eine wichtige Säule dabei sei, wenn es um günstigen Wohnraum geht. "Nichts bleibt so lange so günstig wie eine Genossenschaftswohnung." Es sei zu begrüßen, wenn Bestandsgenossenschaften es wagen, neu zu bauen.

Mehr Stellplätze und Anwohnerparken gefordert

Die Firnhaberau ist nicht das einzige Neubauvorhaben, bei dem bereits ansässige Anwohner und Anwohnerinnen wegen des Verkehrs Bedenken haben. Die Thematik taucht so gut wie bei jedem Neubaugebiet auf, aktuell gibt es Diskussionen wegen des Neubauvorhabens an der Carron-du-Val-Straße im Spickel, wo um die 70 Wohnungen entstehen sollen. Anwohner fürchten dort eine Überlastung der Straße, die morgens an der Einmündung in die Siebentischstraße ohnehin schon an der Kapazitätsgrenze sei. In dem Verkehrsgutachten sei die Zahl der Radler, die im Berufsverkehr dort unterwegs sind, nicht ausreichend berücksichtigt. Gefordert werden hier mehr Stellplätze in dem Bauprojekt sowie beispielsweise Anwohnerparken auf der Straße.

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