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Augsburg

31.08.2020

Augsburg leidet im Corona-Jahr unter ausbleibenden Touristen

Augsburg klagt über einen massiven Rückgang der Touristen.
Bild: Peter Fastl

Plus Fuggerei und Museen spüren die Folgen der Corona-Krise massiv. Regio-Chef Götz Beck hält eine kommende Attraktion in Augsburg für nahezu unverzichtbar.

Treffpunkt ist am Freitag um kurz 14 Uhr vor der Bürger- und Tourist-Information am Rathausplatz. Knapp 40 Personen sind da, darunter sind einige Familien auszumachen. Die bunt zusammengewürfelte Gruppe vereint ein Gedanke: Die Menschen möchten Augsburg etwas näher kennenlernen. Die Wartenden haben sich deshalb für eine zweistündige Stadtführung angemeldet. „Auf den Spuren von Fugger, Mozart und Brecht in der Wasser-Welterbestadt Augsburg“, lautet das Motto. Stadtführer David Hiemer, der mit zwei Kolleginnen im Einsatz ist, begrüßt die Gruppe. Corona bleibt dabei nicht außen vor.

Eine Maskenpflicht bestehe nicht, sagt Hiemer. Man möchte aber auf den Mindestabstand achten. Anschließend werden drei kleinere Teams gebildet, die sich wenig später in unterschiedlicher Richtung auf den Weg machen. „Wir spüren, dass das Interesse an Führungen wieder stark zunimmt“, sagt Hiemer. Es seien jedoch kaum Gäste aus dem Ausland dabei. Stadtführungen in englischer Sprache blieben die große Ausnahme.

Corona: Massiver Rückgang bei Übernachtungen in Augsburg

Corona hat den Tourismus in Augsburg extrem beeinträchtigt. Dies weiß Götz Beck, Chef der Regio Augsburg Tourismus, aus vielen Gesprächen mit Hoteliers und Gastronomen. Beck spricht von „dramatischen Rückgängen“. Bei den Ankünften und Übernachtungen gebe es im Vergleich zum Vorjahr ein Minus von 50 bis 60 Prozent. Es mache sich bemerkbar, dass wegen Corona keine Kongresse, Tagungen und Messen in den zurückliegenden Monaten stattgefunden hätten. Dies sei aber nicht der einzige Grund: Viele Firmen hätten auf Geschäftsreisen verzichtet.

Bei der Frage, warum die Zahl der Touristen und Übernachtungsgäste im Sommer 2020 in Augsburg so massiv zurückgegangen ist, darf ein Blick auf den Fußball-Bundesligisten FC Augsburg nicht fehlen. Die letzten Heimspiele der zurückliegenden Saison fanden ohne Zuschauer im Stadion statt. Fans der Gästemannschaften blieben folglich daheim. Diese Situation könnte nach Stand der Dinge nach Beginn der neuen Saison so weitergehen. Bundesligaspiele finden bis auf Weiteres vor leeren Rängen statt.

Fakt ist jedenfalls: Touristen fehlen. Bei der Regio Augsburg Tourismus hat man die Zahl der gebuchten Städteführungen für dieses Jahr noch nicht im Detail ausgewertet. Geschäftsführer Beck sagt, dass mit Kampagnen („Urlaub daheim“), die gezielt deutsche Bundesbürger ansprechen, ein verstärktes Interesse am Städtetourismus geweckt wurde: „Was jedoch fehlt, ist noch immer das klassische Busgruppengeschäft, das sich nun aber zumindest etwas erholt.“ Bei Busreisen machen sich ebenfalls die Corona-Auflagen bemerkbar.

Auch in der Fuggerei fehlen die Touristen aus dem Ausland

Wer als Tourist nach Augsburg kommt, nimmt meist nicht nur an Städteführungen teil. Beliebte Anlaufstationen sind die Fuggerei sowie die städtischen Museen. Aktuelle Zahlen dieser Einrichtungen belegen den massiven Rückgang der Besucher. Astrid Gabler, Sprecherin der Fuggerschen Stiftungen, sagt: „In den Vorjahren kamen bis zu 220.000 Besuchern pro Jahr. Von Januar bis Juli 2020 kamen in diesem Jahr erst 37.500 Besucher.“ Erfahrungen, die die Stadtführer gemacht haben, bestätigt auch Astrid Gabler: „Es kommen aktuell nur ganz wenige Touristen aus dem Ausland.“ Und diese wenigen Touristen kämen auch aus europäischen Nachbarländern und nicht aus dem außereuropäischen Ausland. Den Rückgang der Besucher, die Eintritt zahlen, spüren die Fuggerschen Stiftungen auf der Einnahmenseite.

In der Fuggerei gelten die Coronabestimmungen des Freistaats Bayern. Die Fuggerei und das Restaurant „Die Tafeldecker“ haben ein Hygienekonzept für die verschiedenen Bereiche entwickelt. Das heißt etwa, dass in den Museen nur eine begrenzte Zahl Besucher reingelassen wird, die Masken tragen und den vorgegebenen Wegen folgen müssen. Außerdem wurde die Gruppengröße bei Führungen auf eine maximale Teilnehmerzahl mit 15 Personen reduziert.

Christkindlesmarkt als Hoffnung für Tourismus in Augsburg

Bei den städtischen Kunstsammlungen sieht die Besucherbilanz für die Monate Juni und Juli im Vorjahresvergleich ebenfalls nicht gerade erfreulich aus. Im Schnitt käme zuletzt nur ein Drittel an Besuchern, heißt es. Im Juli 2020 waren es knapp 13.800 Gäste, im Juli des Vorjahrs dagegen fast 38.900 Besucher. Augsburg stehe mit dieser Entwicklung jedoch nicht allein. Ähnliche Erfahrungen machten während der Corona-Pandemie die Museen deutschlandweit und international, sagt Christof Trepesch, Direktor der Kunstsammlungen und Museen.

In Anbetracht der gegenwärtigen Diskussion um mögliche Verschärfungen von Corona-Auflagen richtet Regio-Chef Götz Beck den Blick auf den Augsburger Christkindlesmarkt. Geplanter Start ist der 23. November. Wie immer soll der Christkindlesmarkt bis Heiligabend dauern. Die Stadt Augsburg sieht derzeit die Chance, dass die Großveranstaltung ausgetragen werden kann. Allerdings müsse der Christkindlesmarkt räumlich entzerrt werden, heißt es. Das Geschehen dürfe sich nicht auf den Rathausplatz konzentrieren. Daher sollen Glühweinstände an andere Plätzen in der Innenstadt stehen.

Tourismus in Augsburg: Einnahmen in Millionenhöhe

Beck teilt die Position der Stadt, an der beliebten Veranstaltung festzuhalten. Ihm wäre regelrecht bange, sollte der Christkindlesmarkt ausfallen müssen, sagt er: „Er ist gerade für den Tourismus extrem wichtig und damit auch für den Einzelhandel, der diese touristischen Impulse dringend braucht.“ Es sei bekannt, dass 50 Prozent des touristischen Umsatzes dem Einzelhandel zugutekommen. Es gibt Berechnungen, wonach es hier um Beträge im höheren zweistelligen Millionenbereich geht.

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