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Wirtschaft

12.05.2019

Augsburg wird zum Gründer-Hotspot

Linda Mayr hat zusammen mit drei Mitstreitern das Unternehmen Planstack gegründet. Was als Idee während eines Praktikums in der Bauleitung aufkam, entwickelt sich binnen kürzester Zeit zu einer gefragten Lösung für Bauträger. Ab Sommer haben erste Unternehmen die Planstack-Software testweise im Einsatz.
Bild: Michael Hochgemuth

Während in Bayern immer weniger Firmen gegründet werden, steigt die Zahl in der Fuggerstadt an. Vor allem innovative Start-ups kommen dazu. Ein Beispiel.

Linda Mayer ist 25 Jahre alt und seit gut einem halben Jahr Gründerin. Zusammen mit Sascha Schütz, Jonas Junge und Alexander Koslowski hat sie Planstack gegründet. Ein Unternehmen, das eine Planungs- und Verwaltungssoftware für Bauprojekte entwickelt hat. Mayr beschreibt die Erfindung für jedermann verständlich: „Wenn Sie sich ein Auto kaufen wollen, können Sie über einen Konfigurator ganz leicht festlegen, welche Ausstattung sie haben wollen. Das wird dann an den Hersteller übermittelt und das Fahrzeug genau nach Kundenwunsch gefertigt. Das bietet unsere Software nun auch für den Wohnungsbau. Der Kunde gibt seine Ausstattungswünsche ein, die dem Bauherren und dann an die ausführenden Firmen übermittelt werden“, sagt sie. Kein umständliches Aufnehmen der Wünsche per Papierbogen mehr, kein Übermittlungsproblem bei Weitergabe an die ausführenden Firmen.

Planstack als Musterbeispiel für ein Start-up

Was so einfach klingt, als dass man es gar nicht hätte erfinden müsste, wird stark nachgefragt. Das hat Linda Mayr schnell gemerkt, als sie sich nach einem Praktikum auf einer Großbaustelle mit ihrer Idee verschiedenen Bauträgern anvertraut hat. Mittlerweile hat Planstack den Wettbewerb „Augsburg gründet“ und den Business-Plan-Wettbewerb „BayStartUP“ gewonnen. Ab August testen erste Firmen die Software – gegen Bezahlung. Das Augsburger Start-up verdient dann, schon kurze Zeit nach Gründung erstmals Geld.

„Planstack ist ein Musterbeispiel für ein Start-up“, sagt Jürgen Wager, seit 25 Jahren Existenzgründerberater bei der Industrie- und Handelskammer Schwaben (IHK). Und dabei schwingt etwas Stolz in seiner Stimme mit. Denn in Zeiten, in denen nahezu Vollbeschäftigung herrscht und in vielen Branchen gutes Geld zu verdienen ist, geht die Zahl der Gründungen und Gewerbeanmeldungen zurück. Die Menschen fühlen sich in der Rolle des Angestellten offenbar sicherer.

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In Augsburg herrschen gute Voraussetzungen für Gründer

„Dabei sind Gründungen das Salz in der Suppe der Marktwirtschaft. Sie bringen frischen Wind“, so Wager. Dabei meint er vor allem Start-ups, die sich von klassischen Gewerbegründungen dadurch unterscheiden, dass sie mit besonders innovativen Ideen auf den Markt drängen, mit Lösungen, die stark nachgefragt sind und als Unternehmen schnell wachsen. So wie Planstack eben. In Augsburg entstanden 2018 etwa 75 solcher kreativen Unternehmen. Vor allem junge Akademiker wagen hier den Sprung in die Selbstständigkeit. Den 75 neu gegründeten Start-ups in Augsburg stehen 2345 klassische Gewerbeneuanmeldungen gegenüber. Darunter der Trockenbauer, der zusammen mit einem Kollegen ein eigenes Unternehmen gründet.

Die Zahlen in Augsburg sind vor allem deshalb bemerkenswert, weil sie sich vom bayernweiten Trend abheben. Während auf Landesebene die Zahl der Neugründungen sinkt, gab es in Augsburg 2018 ein Plus von 1,4 Prozent. „Augsburg ist ein guter Standort für Neugründungen. Die Infrastruktur stimmt, die Anbindung zur Autobahn und der B17 sind ideal und auch die Preise für Büros und Flächen sind noch erschwinglich“, begründet Wager den Trend. Dazu komme das gute Ineinandergreifen verschiedener Institutionen wie den Wirtschaftskammern IHK und Handwerkskammer, der Hochschule und der Universität, der Stadt und den beiden Landkreisen, der Agentur für Arbeit und vor allem den Gründerzentren wie dem Digitalen Gründerzentrum und dem Umwelttechnologischen Gründerzentrum (UTG).

Start-ups profitieren von privaten Kapitalgebern

Das findet auch Roman Huber. Er ist Geschäftsführer von Bayern Kapital, einer einhundertprozentigen Tochter der LfA Förderbank Bayern. Das von ihm geführte Unternehmen investiert in junge innovative Hightech-Unternehmen und liefert ihnen die nötigen finanziellen Mittel. Auch er bescheinigt Augsburg ein gutes Umfeld, erfahrene Akteure an wichtigen Stellen und lobt vor allem die Investitionsbereitschaft privater Geldgeber. „In Augsburg ist schon vor zehn Jahren das Forum Unternehmerkapital entstanden. Eine Runde aus Business-Angels, die jungen Start-ups finanziell unter die Arme greift. Dieser Zusammenschluss war und ist ein erfolgreicher Prototyp für Bayern“, so der Experte. Als Beispiele für erfolgreiche Start-ups in Augsburg nennt er unter anderem Voxeljet und Conntac.

Nun soll auch Planstack so erfolgreich wachsen. Eine Aussicht, die IHK-Experte Jürgen Wager für realistisch hält. Überhaupt zeichne sich die Augsburger Gründerszene durch Qualität aus. „Weil die wirtschaftliche Lage so gut ist, gründen Menschen nicht aus der Not heraus , sondern weil sie von ihrer Idee überzeugt sind“, erklärt der Experte. Etwa 70 Prozent aller Gründungen entstünden aus dieser Motivation heraus. Nur 30 Prozent der Gewerbeanmeldungen seien Notgründungen – vereinzelt sogar weil ein privater Häuslebauer über die eigene Baufirma Ware beziehen und die Mehrwertsteuer abrechnen will.

Das sind Augsburgs Gründerzentren: Ein Gründerzentrum ist eine Einrichtung, das Start-ups Räumlichkeiten zur Verfügung stellt und die nötige Infrastruktur schafft, um ein Unternehmen ins Laufen zu bringen. Auch Beratungs- und Betreuungsangebote gibt es und sollen die Start-ups bei typischen Problemen in der Gründerphase unterstützen. In Augsburg gibt es zwei solcher Gründerzentren. Das Umwelttechnologische Gründerzentrum (UTG) in Lechhausen sowie das Digitale Gründerzentrum Schwaben (DZ.S) im aiti-Park. Während es das UTG bereits seit 21 Jahren gibt und hier bereits einige Firmen erfolgreich gewachsen sind, ist das Digitale Zentrum Schwaben deutlich jünger. Es ist 2017 an den Start gegangen.

Rocketeer-Festival: Das Festival ist Treffpunkt für Gründer und erfahrene Unternehmer. Es findet am 14. Mai im Kongress am Park statt und wird von unserer Zeitung veranstaltet. Es gibt Workshops und Panels zu großen Zukunftsthemen. Tickets gibt es unter www.rocketeer-festival.de

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