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Naturkatastrophe

17.08.2018

Augsburger kehren nach dem Erdbeben zurück

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Zurück in Augsburg. Seit Donnerstag sind Sabrina und Holger Eweka und ihre Tochter Leni wieder in ihrer Heimatstadt. Die Rückreise war nicht geplant und ist doch willkommen. Hier wollen sie Freunde und Familie treffen und die traumatischen Erlebnisse der Erdbeben verarbeiten.
Bild: Michael Hochgemuth

Seit März 2017 ist Familie Eweka in Asien unterwegs. Sie hat in Ubud auf der Insel Bali eine zweite Heimat gefunden. Dann bebt die Erde mehrmals und sie tritt die Heimreise an. 

Seit Donnerstag sind Sabrina und Holger Eweka und ihre Tochter Leni wieder in Augsburg. Die Rückreise war nicht geplant. Es war der Wunsch nach Sicherheit, der die Weltenbummler zurück in ihre Heimatstadt trieb. Die Augsburger waren seit März 2017 unterwegs. Auf Bali haben sie in den vergangenen Wochen gelernt, was es heißt, in Panik zu geraten und Angst um sein Leben und um seine Liebsten zu haben. Die Erdbeben, die die Region derzeit in Atem halten, haben sie gelehrt, wie schlagartig alles vorbei sein kann. Das hat Spuren hinterlassen. „Gestern saß ich bei meiner Mutter in Pfersee auf der Couch und dachte, dass sich die Erde wieder bewegt“, erzählt der 38-Jährige. Seine Frau und er haben seither „Phantomerdbeben“ im Kopf. Aber von Anfang an.

Wie im Hamsterrad

Während der Elternzeit können sich Sabrina und Holger Eweka zwei mal einen Monat freischaufeln. Sie nutzen die Zeit und fahren auf die indonesische Insel Bali. Zurück in Augsburg ist alles immer wieder schnell beim Alten. Die beiden fühlen sich wie in einem Hamsterrad gefangen. „Für die Familie blieb immer zu wenig Zeit“, sagt die 35-Jährige. Die Ewekas verspüren einen Wunsch: Sie wollen zurück nach Bali. Nicht nur für vier Wochen, sondern für eine längere Zeit. „Das war keine einfache Entscheidung. Was mache ich mit meinem Job, was machen wir mit der Wohnung, waren Fragen, die uns lange Zeit beschäftigt haben“, erzählt Holger Eweka. Sie ziehen ihren Plan durch: Job und Wohnung werden gekündigt, Hab und Gut bis auf 20 Kartons an Küchenutensilien und Kleidung verkauft und verschenkt. Mit dem Ersparten, das das Paar für ein Eigenheim zurückgelegt hat, geht es los: zuerst nach Thailand, dann auf die Insel Bali.

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Der perfekte Ort

Dort fühlen sich die Augsburger wohl. In der balinesischen Stadt Ubud werden sie heimisch. „Über andere Reisende, die wir dort kennengelernt haben, haben wir eine Ortsansässige kennengelernt, die auf ihrem Grundstück eine Unterkunft zu vermieten hat“, erzählt Sabrina Eweka. Wenige Tage später können sie dort einziehen. „Das war ein kleiner Bungalow mit einer offenen Küche, einem offenen Wohnbereich, einem offenen Bad und einem geschlossenen Schlafbereich“, erzählt Holger Eweka. Genau das, was sie gesucht hatten.

Yoga und Fußball

Ein Ort, den sie in den kommenden Monaten immer wieder für längere Zeit anmieten. Die Familie reist zwischenzeitlich nach Kuala Lumpur in Malaysia oder überwintert in Thailand, doch der balinesische Ort Ubud bleibt ihr Dreh- und Angelpunkt. „Es ist ein Mekka für Menschen, die Yoga machen und meditieren“, wirft die Augsburgerin ein. Ein Ort, an dem das traditionelle Bali kennengelernt werden könne. „Durch unsere Vermieter waren wir überall mit dabei –im Tempel oder bei den Vorbereitungen zu den vielen Zeremonien. Sie haben uns heimische Gerichte probieren lassen und ihre Verwandten und Bekannten vorgestellt.“ Und auch ihr Mann fühlt sich in der Umgebung wohl. „In wenigen Minuten ist man mit dem Roller auf einer Reisterrasse oder im Dschungel, in einer Stunde am Strand. Außerdem habe ich da jeden Mittwochabend mit einer Hobbyfußballmannschaft gespielt“, erzählt der ehemalige Fußballer, der hier unter anderem bei Cosmos Aystetten aktiv war.

Dann gerät das Leben ins Wanken...

Die Familie hat dort einen Lebensrhythmus gefunden, der auch der dreijährigen Leni gefällt. Doch am 29. Juli gerät ihr Leben erstmals ins Wanken. Um 6.45 Uhr bebt die Erde. „Wir waren gerade fünf Minuten wach und lagen noch im Bett. Alles um uns herum wackelte und schien wie in einem Kartenhaus zusammenzufallen“, erinnert sich Sabrina Eweka. Nach der ersten Aufregung sammelt sich die Familie wieder. Doch dann kommt vier Tage später das zweite Erdbeben auf der Insel Lombok, einige Tage später ein weiteres. „Da kam bei mir erstmals der Gedanke auf, Bali zu verlassen“, berichtet die Mutter.

Traumatisches Erlebnis im Wassertempel

Ein traumatisches Erlebnis vor wenigen Tagen setzt dann einen vorläufigen Schlussstrich unter die Weltreise. „Wir besichtigten mit einem befreundeten Paar den Wassertempel Tirta Gangga. Die Kinder sahen sich Tiere unter einem Vordach an, wir standen etwa zwei, drei Meter von ihnen entfernt, als plötzlich wieder die Erde bebte“, sagt Sabrina Eweka. Panik bricht aus. Obwohl sie ihrem Kind so nahe sind, kommen sie in dem Moment nicht mehr an sie ran. „Sie wurde von einem Balinesen gepackt und von dem Gebäude weggebracht.“ Daraufhin beschließt das Paar, das Land zu verlassen, nach Hause, ins sichere Augsburg zu fahren. „Ich brauche erst einmal Ruhe und muss das Erlebte verarbeiten“, sagt Sabrina Eweka. Zurück in Augsburg freuen sie sich jetzt auf Treffen mit Familie und Freunden und an die vielen lieb gewonnenen Plätze. „Ich habe mir einen Kaffee auf dem Rathausplatz geholt und bin durch die Altstadt geschlendert“, erzählt Holger Eweka. Seine Frau freut sich aufs Fribbe. Doch die Rückkehr wird nicht für immer sein. In wenigen Monaten soll es wieder losgehen. Vielleicht zuerst nach Thailand und dann ziemlich sicher nach Ubud auf Bali.

Blog Die Familie Eweka lässt Familie, Freunde und Interessierte auf ihrer Homepage und Blog, auf Facebook und Instagram an ihrer Weltreise teilhaben. Dort hat sie einen Marktplatz aufgebaut, der Produkte und Dienstleistungen von Reisenden für Reisende anbietet: www.worldsafari.de.

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