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Prozess in Augsburg

31.01.2019

Autohändler lässt Tacho manipulieren und wird bestraft

An den Kilometerständen der Autotachos wird offenbar viel manipuliert. Ein Augsburger Autohändler entging jetzt knapp dem Gang ins Gefängnis.
Bild: Bernhard Weizenegger (Symbolbild)

Wie ein 44-Jähriger seine arabischen Kunden einschätzte und warum er gerade noch dem Gefängnis entging.

Ein Jahr Gefängnis oder eine Geldstrafe riskiert, wer beim Verkauf seines Autos schummelt, was die Laufleistung betrifft. Wegen des ausufernden Missbrauchs von „Wegstreckenzählern“, wie es in bestem Juristendeutsch heißt, hat der Gesetzgeber seit 2005 das Manipulieren am Kilometerzähler unter Strafe gestellt. Hat es die Täter abgeschreckt? Kaum, denn nach Schätzungen des ADAC und der Versicherungswirtschaft wird noch immer bei jedem dritten Gebrauchtwagen in Deutschland der Tachostand manipuliert. Jeder Kilometer, den ein Wagen weniger „auf der Uhr“ hat, ist bares Geld. Der Gesamtschaden so erzielter Wertsteigerungen geht in die Milliarden.

Augsburger Ermittler zur Bekämpfung organisierter Kriminalität haben eine Bande aufgespürt, die reihenweise an Tachos gedreht haben soll. Ein erster Prozess fand jetzt vor dem Amtsgericht statt. Ein Augsburger Autovermieter und Händler teurer Gebrauchtfahrzeuge wurde zu einer Geldstrafe von 6000 Euro verurteilt – wegen Anstiftung zum Missbrauch von Wegstreckenzählern. Vor drei Jahren hatte der Angeklagte, was er eingestand, eine Kfz-Werkstatt beauftragt, bei einem Mercedes 350S den Tachostand zu schönen. Das Motiv des Angeklagten verblüfft: Er habe häufig Araber als Kunden gehabt und die hätten „eine Aversion gegen zu hohe Kilometerstände“. So ließ der 44-Jährige die Tachos von geleasten Autos mit fremder Hilfe auf Kilometerstände zwischen 20.000 und 25.000 zurückdrehen. Den getäuschten Kunden, glaubt der Händler zu wissen, sei dies im Grunde „schnurzpiepegal“.

Der Tachostand sei dann nach der Rückgabe auf die echte Laufleistung zurückgestellt worden. Beim verkauften Mercedes sei dies „aus Versehen“ nicht geschehen. Was dem Angeklagten nicht zu widerlegen war. Das Leasingfahrzeug war, als es verkauft wurde, um 11.000 bis 15.000 Kilometer mehr gefahren, als der Tacho anzeigte. Der neue Besitzer muss dies bemerkt haben. Denn seltsamerweise hatte er es hingenommen, dass im Kaufvertrag eine höhere Kilometerzahl stand, als der Tacho anzeigte.

Und wieder wurde am Tacho gedreht

Der Mercedes fand später noch andere Käufer. Und wieder wurde am Tacho gedreht. Als schließlich der Kfz-Sachverständige Christian Koch das Auto prüfte, zeigte der Tacho 116.000 Kilometer an. Doch der Gutachter fand heraus, dass die Laufleistung um 49.000 Kilometer zurückgestellt war: „Das ist das Minimum“, führte der Gutachter im Prozess aus. Bei dem Mercedes handelt es sich um einen Diesel, der mit einen Partikelfilter ausgerüstet ist. Dieser verfüge, so Koch, über zwei Ruß-Tools, die nicht manipulierbar seien.

Der vorbestrafte Händler (Verteidiger Gebhard Lingel) hat großes Glück, nicht ins Gefängnis zu müssen. Wenn der Händler die Tachomanipulation nur um einen Tag später in Auftrag gegeben hätte, wäre dies der Fall gewesen. Richter Thomas Müller-Froelich wies darauf hin, als er das Urteil verkündete. Denn der Händler stand aus einer früheren Verurteilung unter offener Bewährung. Doch war dieses Urteil noch nicht rechtskräftig: Es fehlte ein Tag. Wäre das Gericht der Staatsanwältin gefolgt, wäre er für acht Monate ins Gefängnis gekommen.

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