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Augsburg

02.03.2016

Bayern ist den Doppel-Polizistenmörder los

Der zweifache Polizistenmörder Rudolf Rebarczyk in Häftlingskleidung im Landgericht Augsburg.

Rudolf Rebarczyk saß zwei Jahrzehnte im Freistaat ein. Nun ist er in einem Hochsicherheitsgefängnis in Rheinland-Pfalz - als Teil eines Austauschprogramms.

Er ist einer der schlimmsten Verbrecher, die Augsburg hervorgebracht hat. Gut zwei Jahrzehnte hat der zweifache Polizistenmörder Rudolf Rebarczyk, 60, schon in bayerischen Gefängnissen verbracht. Und wahrscheinlich sitzt er bis zu seinem Lebensende. Doch seit einiger Zeit hat er eine Zelle in einem anderen Bundesland. Nach Recherchen unserer Zeitung sitzt Rebarczyk jetzt in der Justizvollzugsanstalt von Diez an der Lahn in Rheinland-Pfalz. Er ist sozusagen Teil eines Gefangenen-Austauschprogramms.

Es gibt weithin unbekannte Vereinbarungen zwischen den Landesjustizverwaltungen, die einen Austausch von Häftlingen vorsehen. Der Wechsel kann persönliche Gründe haben, wenn der Gefangene familiäre oder sonstige enge soziale Kontakte in einem ganz anderen Teil Deutschlands hat. Werner Mazurek zum Beispiel, der Entführer der kleinen Ursula Hermann, beantragte nach Jahren in bayerischen Gefängnissen eine Verlegung in seine norddeutsche Heimat. Die wurde bewilligt, Mazurek sitzt heute in der JVA Lübeck.

Manchmal erfolgt der Austausch von Häftlingen aus Sicherheitsgründen. Wenn die Justizbehörden zum Beispiel Hinweise haben, dass einer einen Ausbruch plant oder sich mafiöse Strukturen bilden, dann schicken sie gerne mal einen Drahtzieher weit weg. Im Gegenzug kann das Bundesland, das den Verbrecher aufnimmt, einen loswerden. Sehr oft geschieht das freilich nicht.

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Rheinland-Pfalz wollte gefährlichen Gewaltverbrecher eine "Luftveränderung" zukommen lassen

Damit aber alles schön ausgeglichen bleibt, wird darauf geachtet, dass die Straftäter in etwa von vergleichbarer „Qualität“ sind. Im Fall von Rudolf Rebarczyk ist die Initiative offenbar von Rheinland-Pfalz ausgegangen. Das Land wollte einem gefährlichen Gewaltverbrecher, der bereits einen Fluchtversuch unternommen hat, dringend eine „Luftveränderung“ zukommen lassen. Die rheinland-pfälzische Landesjustizverwaltung fragte bei den bayerischen Kollegen an. Dort studierte man Personalakten.

Und am Ende kam Bayerns Justiz auf den Schwerverbrecher Rebarczyk als geeigneten Kandidaten. Der hat schon als 19-Jähriger in Augsburg im Jahr 1975 einen Polizisten erschossen, den Polizeiobermeister Bernd-Dieter Kraus. Rebarczyk wurde zu lebenslang Zuchthaus verurteilt und saß fast 20 Jahre im Gefängnis. 1995 kam er frei. Wenig später begann er, mit seinem Bruder Raimund Mayr Sicherheitstransporte zu überfallen. In der Vorbereitung eines Raubzugs erschossen die Brüder im Oktober 2011 im Augsburger Stadtwald den Polizeihauptmeister Mathias Vieth. Das Urteil für Rebarczyk dieses Mal: Lebenslang mit besonderer Schwere der Schuld und Sicherungsverwahrung.

Polizistenmörder Rebarczyk gilt als gefährlicher Einzelgänger

Rebarczyk gilt als gefährlicher Einzelgänger. Er lehnt den Staat und seine Institutionen ab. Mit den JVA-Bediensteten spricht er praktisch nicht. Im Gefängnis soll er Kontakt zu RAF-Terroristen gehabt haben. Eigentlich hätte er nach dem Vollstreckungsplan im bayerischen Hochsicherheitsgefängnis in Straubing sitzen müssen. Er saß aber in Landshut. Denn in Straubing hat Rebarczyk eine Vorgeschichte.

Im Jahr 1990 gab es dort eine „Knast-Revolte“. Gefangene protestierten gegen die Haftbedingungen, sie kletterten auf das Dach der JVA. Rebarczyk war dabei. Auf dem Dach kam es zu einer Rangelei zwischen ihm und einem Gefängnisbediensteten. Der Polizistenmörder wurde wegen des Vorfalls aus Sicherheitsgründen in die JVA Bruchsal in Baden-Württemberg verlegt. Auch das bereits im Austausch. Anwalt des Polizistenmörders will vor das Bundesverfassungsgericht

Im Straubinger Gefängnis sitzt Rebarczyks Bruder Raimund Mayr, 62, dessen Lebenslang-Urteil erst neulich rechtskräftig geworden ist. Der parkinsonkranke Mann – der erste Prozess gegen ihn platzte wegen eines angeblich sehr schlechten Gesundheitszustands und daraus resultierender Verhandlungsunfähigkeit – erfreut sich nach Informationen unserer Zeitung hinter Gittern inzwischen wieder guter Gesundheit.

Die neue „Heimat“ von Rebarczyk ist die größte JVA für Schwerverbrecher in Rheinland-Pfalz. Rund 500 Männer sind dort im geschlossenen Vollzug. Seit 2013 gibt es einen eigenen Gebäudekomplex für die Sicherungsverwahrung.

Der Freistaat hat den Doppelmörder Rebarczyk aber nicht für immer los. Im Rahmen des „Austauschprogramms“ verpflichtet sich Bayern, Rebarczyk nach geraumer Zeit wieder zurückzunehmen. Für die Vollstreckung der lebenslangen Strafe bleibt zudem weiterhin die Augsburger Staatsanwaltschaft zuständig. Das will und kann Bayern nicht aus der Hand geben. Die Behörden möchten selbst bestimmen, wie es mit einem der schlimmsten Verbrecher des Landes weitergeht.

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