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Augsburg

23.10.2013

Curt-Frenzel-Stadion: Richter prüfen den "Tribünen-Pfusch"

Die alten Tribünen mussten abgerissen, damit die Zuschauer im Curt-Frenzel-Stadion etwas vom Spiel sahen. Mittlerweile passt alles. 
Bild: Silvio Wyszengrad

Der „Tribünen-Pfusch“ im Augsburger Curt-Frenzel-Stadion wird ab heute am Augsburger Landgericht verhandelt. Es geht um mehrere Millionen Euro.

Es ist ziemlich genau drei Jahre her, dass im Curt-Frenzel-Stadion bei den ersten Heimspielen der Saison die Stimmung überkochte: Zuschauer klagten nach Abschluss des ersten Sanierungsabschnitts, statt des Pucks auf der Eisfläche nur die Hinterköpfe der anderen Zuschauer im Blick zu haben. Die Sichtverhältnisse wurden zum Politikum, die neu gebauten Tribünen abgerissen. Seitdem herrscht politischer Streit, wer Schuld trägt und wer wann wie viel wusste. Jetzt wird in der Angelegenheit vor Gericht verhandelt: Die Stadt will von den Architekten Herrmann+Öttl mehrere Millionen Euro haben.

Prozess vor dem Landgericht beginnt am 23. Oktober

Am heutigen Mittwoch startet vor dem Augsburger Landgericht der Prozess und Schadensersatz. Konkret will die Stadt 1,1 Millionen Euro für Abriss und Neubau der Tribünen. Zudem sollen der Stadt Ersatzansprüche auf weitere noch nicht bezifferte Schäden zugesprochen werden. Vorläufig geht es insgesamt um 2,75 Millionen Euro. Am ersten Verhandlungstag will die zuständige 6. Kammer zunächst versuchen, die Chancen für eine gütliche Einigung auszuloten.

Unstrittig ist zwischen der Stadt und dem Architektenbüro lediglich, dass die Tribünensituation im Oktober 2010 nicht ideal war. Die Stadt legt in ihrer Klage dar, dass die Sichtverhältnisse im Stadion nach dem Umbau katastrophal gewesen seien. Dies liege an der Planung der Architekten, so die Stadt. Ein von der Stadt beauftragter Gutachter hatte dem sanierten Stadion damals unzureichende Sichtlinien attestiert. Auch eine von den Architekten ins Spiel gebrachte Anhebung der Eisfläche wäre nicht ausreichend gewesen.

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Das Architekturbüro hingegen argumentiert, dass es sich bei dem Zustand im Oktober 2010 lediglich um eine Übergangslösung gehandelt habe, bis die weiteren Arbeiten abgeschlossen gewesen wären. Andernfalls hätte das Stadion für die damalige Saison gar nicht genutzt werden können. Provisorisch seien Stehplätze in einem Bereich eingerichtet worden, der im Endausbau für Sitzplätze gedacht war. Auch sei nur ein Teil der Plätze von der schlechten Sicht betroffen gewesen. Zudem, so die Architekten, war die Stadt über Umplanungen bei den Treppenhöhen informiert. Teils seien diese sogar vom Amt für Katastrophenschutz verlangt gewesen.

Heftige politische Kontroversen

Auch der Bericht des Bayerischen Kommunalen Prüfungsverbandes um die Probleme beim Stadionumbau hat sich damit befasst. Für das Gericht wird es gegebenenfalls aber auf die eigene Beweisaufnahme im Prozess ankommen und nicht auf das Berichtsergebnis.

Der Prüfbericht spricht von einem „Planungsdefizit“ durch das Architekturbüro, weil notwendige Abstimmungen mit der Stadt nicht stattgefunden hätten. Dass die Stadt über Umplanungen explizit informiert wurde, sei aus den Unterlagen nicht ersichtlich. Zwar waren in den letztlich eingereichten Planunterlagen die Stufenhöhen auf den Tribünen dargestellt, beim Maßstab 1:100 seien Abweichungen von 2,5 Zentimetern pro Stufe aber nicht erkennbar gewesen, so die Stadt. Im Vorfeld des Prozesses hatte es zuletzt heftige politische Kontroversen gegeben. Im Prüfbericht war auch festgehalten, dass die stadtinterne Aufgabenverteilung so nicht in Ordnung war. Der Stadtrat habe der stadteigenen Gesellschaft für Stadtentwicklung keinen „Blankoscheck“ für die Baudurchführung ausstellen dürfen.

Weil Verträge zwischen AGS und Architekten somit potenziell ungültig waren, segnete Oberbürgermeister Kurt Gribl (CSU) sie in diesem Juli nachträglich in einer Eilentscheidung ab. Hintergrund war, dass der damals noch vertrauliche Prüfbericht an mehrere Zeitungen durchgesickert war. Im Anschluss sollten alle Fraktionsvorsitzenden eine Erklärung unterschreiben, dass sie den Bericht nicht weitergegeben haben. SPD, Grüne, Freie Wähler und Linke lehnen das aus Prinzip ab. Seitdem ist der Ton deutlich verschärft.

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