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150 Jahre AlpenvereinSerie 8

16.09.2019

Der steinige Weg der Frauen am Berg

Auf einem Einladungsplakat für einen Herrenabend fungiert eine Frau als Bremserin beim Aufstieg.
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Auf einem Einladungsplakat für einen Herrenabend fungiert eine Frau als Bremserin beim Aufstieg.

Im alpinen Herrenklub hatte das weibliche Geschlecht einen schweren Stand, obwohl Königin Marie von Bayern großes Vorbild für die bergsteigerische Emanzipation war –

Sie war Bayerns erste Alpinistin, eine echte Pionierin des Bergsteigens. Königin Marie von Bayern, als Hohenzollernprinzessin 1825 in Berlin geboren und 1842 mit dem späteren König Max II von Bayern verheiratet, widersetzte sich allen höfischen Gepflogenheiten und stieg vom Schloss Hohenschwangau aus auf die umliegenden Berggipfel. Sie stand 1849 auf der Großen Schlicke (2058 m) im Reintal in Tirol - 20 Jahre bevor der Alpenverein überhaupt gegründet war und 51 Jahre vor der Einweihung der Otto-Mayr-Hütte der Sektion Augsburg einige Hundert Höhenmeter unterhalb dieses Gipfels. Königin Marie, die Mutter des Märchenkönigs Ludwig II, bezwang die Gehren- und Kellenspitze in den Tannheimer Bergen und sogar den Watzmann.

Doch das Vorbild der königlichen Bergfex im konservativen Bayern bewirkte wenig. Den Frauen aus dem Volk waren die Gipfel weiterhin verschlossen. Und der Alpenverein blieb für Jahrzehnte ein reiner Herrenklub, in dem das angeblich schwache Geschlecht allenfalls als Sennerinnen die Fantasie der Männer beflügelte.

Auch die Fuggerstädter Alpinisten sehen die Frauen zu jener Zeit lieber in der Mutterrolle zu Hause am Herd, denn sie gelten als zu schwach und zu zerbrechlich für gefährliche Bergabenteuer. Eine Einladung der Sektion zu einem „Alpinen Herrenabend mit Musi und Gsangl’n“ am 19. Februar 1898 versinnbildlicht die damalige Geschlechterrolle. Die Karikatur auf dem Einladungsplakat zeigt zum Gipfel schreitende, schwer bepackte Männer, der letzte schleppt eine völlig erschöpfte Frau hinterher. Zur Ehrenrettung der Augsburger Sektion muss allerdings bemerkt werden: Man verweigert sich der Aufnahme weiblicher Mitglieder beileibe nicht.

Der steinige Weg der Frauen am Berg

Bereits 1881 tritt Anna Jung, Ehefrau des späteren Justizrats Jung, in den Verein ein. Vier Jahre später folgt Fräulein Anna Martin, die 1920 sogar zum Ehrenmitglied ernannt wird. Und die Mitgliederliste aus dem Jahre 1895 weist mit Clementine Sensburg den Namen einer dritten Frau auf.

Die Vorbehalte gegenüber Frauen am Berg sind freilich weiterhin verbreitet. Vor allem dann, wenn es um die Teilnahme an schwierigen alpinistischen Unternehmungen geht. Noch in den 30er-Jahren wollen die männlichen Mitglieder der Bergsteigerabteilung der Sektion unter sich bleiben. Die Satzung besagt lapidar: „Weibliche Sektionsmitglieder können nicht aufgenommen werden“.

Sind gefährliche Klettertouren noch reine Männersache, so findet die weibliche Emanzipation im Alpenverein schon nach dem Ersten Weltkrieg in kleinen Schritten seinen Weg, bei dem es – bildlich gesprochen – aber Felsbrocken zu überwinden gilt. In den 20er-Jahren setzt sich bei Ski- und Bergtouren bei Frauen eine praktische Rock-Hosen-Kombination durch, wenig später werden Frauen auch in Hosen gesellschaftsfähig. Was wiederum dazu führt, dass den Herren, wie der Autor Franz Nieberl seinerzeit fürchtet, Frauen beim Klettern als „wilde Bergweiber mit wirrem Haar und nachlässiger Gewandung ohne Anmut“ erscheinen. Von solch diskriminierenden Bildern lassen sich freilich auch in der Augsburger Sektion leidenschaftliche Bergsportlerinnen nicht abschrecken. Die Skirennläuferin Irene Ey ist ein Beispiel dafür. Die junge Medizinstudentin, über ihren Vater zum Alpenverein gekommen, vereint Sportlichkeit und Weiblichkeit. Sie feiert in den 30er- und 40er-Jahren viele Erfolge bei den Augsburger Stadtmeisterschaften und bei bayerischen Wettkämpfen.

Sie fühlt sich auch von ihren männlichen Bergkameraden respektiert und gleichberechtigt. Mutig weigert sich Irene Ey sogar, bei den Gaumeisterschaften der Nazi-Organisation „Bund Deutscher Mädels“ zu starten. Die Nazis verbieten ihr daraufhin weitere Rennen. Erst nach langen Verhandlungen wird das Startverbot vom Gausportführer wieder aufgehoben.

Die Zahl weiblicher Mitglieder in der Sektion wächst zwar nach dem Zweiten Weltkrieg stetig. Beim Bergsport und im Sektionsvorstand dominieren weiterhin die Männer. Nach und nach übernehmen Frauen aber auch stellvertretende Funktionen im Vorstand. 1994 zieht dann mit Elke Schwegelbauer als Jugendvertreterin erstmals eine Frau in das Vorstandsgremium ein. Zwischen 2013 und 2017 hat Ingrid Taubert als zweite Vorsitzende eine Spitzenfunktion im Führungsgremium inne. Sie hat maßgeblich bei der Modernisierung der Sektion mitgewirkt. Sie leitet inzwischen das Kursbüro des Kletterzentrums. Im aktuellen Vorstand ist die Architektin Monika Hötzl als Besitzerin für die Infrastruktur, so für Hütten, Wege und alle Baumaßnahmen verantwortlich.

In der Mitgliederstruktur im Verein ist die Vorherrschaft der Männer längst ad acta gelegt. Nahezu die Hälfte aller Sektionsangehörigen ist weiblich, beim Ehrenamt liegt der Frauenanteil bei 36 Prozent. Uli Kühnl, der sein Amt als langjähriger 1. Vorsitzender heuer an Thomas John abgegeben hat, weiß, dass der Veränderungsprozess hin zu mehr Frauen in Spitzenfunktionen sehr komplex ist und viel Zeit benötigt. „Das ist in einem Verein wie dem unsrigen mit über 15000 Mitgliedern, der nach wie vor ehrenamtlich geführt wird, nicht anders als in der Wirtschaft und in der Verwaltung“. Die Verknüpfung von Familie und Ehrenamt in höheren Funktionen sei für Frauen sehr schwierig, weil äußerst zeitaufwendig. In der Breite des Vereins allerdings habe sich viel bewegt. (mit Florian Pressler und Bernd Wißner).

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