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Finanzen

10.10.2019

Die Sparer in Augsburg verlieren mehr als 100 Millionen Euro im Jahr

Die niedrigen Zinsen kosten die Augsburger aktuell viel Geld.
Bild: Daniel Reinhardt, dpa (Symbol)

Eine Studie hat sich die Vermögen der Augsburger angeschaut: Sie sind niedriger als im Rest Bayerns. Das liegt auch daran, dass die Bürger bestimmte Anlagen scheuen.

Augsburg ist ein weißer Fleck auf der Landkarte. Zumindest auf jener, die die Deka – sie ist das Wertpapierhaus der Sparkassen-Finanzgruppe – jüngst angelegt hat. In der aktuellen Studie ging es um das Geldvermögen der Deutschen, die Analysen wurden bis auf einzelne Städte und gar Stadtteile heruntergebrochen. Das Fazit: Mit knapp 46.000 Euro Vermögen pro Einwohner liegt Augsburg im Bayern-Vergleich gerade einmal auf Platz 96. Angeführt wird das Ranking von Starnberg (91.000 Euro pro Einwohner), dem Kreis München (knapp 83.000 Euro pro Einwohner) und Ebersberg (knapp 76.000 Euro pro Einwohner). Diese Regionen sind auf der Deka-Grafik dunkelgrau, fast schwarz, eingefärbt. Die weiter hinten platzierten Orte und Kreise erhalten in der Darstellung immer heller werdende Grautöne. Augsburg ist bereits so hell, dass es auf der Karte wie ein weißer Fleck wirkt (Die Deutschen werden reicher - Vermögen aber weiter ungleich verteilt ).

Für Cornelia Kollmer, Vorstandsmitglied der Stadtsparkasse Augsburg, ein ernüchterndes Ergebnis. "Ich erlebe Augsburg als prosperierende Stadt und denke, wir haben uns in den letzten Jahren gut entwickelt.", sagt sie in einer ersten Reaktion. Bei genauerer Analyse der Studie kommt sie zu dem Ergebnis, dass dieser Eindruck auch nicht falsch ist, sondern es einen anderen Grund gibt, warum das Vermögen der Augsburger im Bayern-Vergleich hinterher hinkt.

Viele Augsburger lassen ihr Geld unverzinst auf dem Konto liegen

Das Argument, Augsburg sei eine Arbeiterstadt mit Strukturen, die eine unterdurchschnittliche Kaufkraft bedingen, will die Finanzexpertin nämlich nicht als alleinige Begründung für die Ergebnisse der Deka-Studie gelten lassen. "Es liegt auch am Sparverhalten der Bürger selbst", interpretiert Kollmer die Statistik. Diese kommt unter anderem zu dem Ergebnis: Der Anteil an extrem niedrig verzinsten Einlagen am gesamten Geldvermögen liegt in Augsburg bei 54 Prozent. Einfacher ausgedrückt lassen die Augsburger ihr Geld, vermutlich aus einem Sicherheitsgedanken heraus, vielfach unverzinst herum liegen. Zwar sind die gewählten Anlageformen völlig risikolos, der reine Wert des Geldes bleibt stets erhalten, allerdings verliert das Geld der Inflation wegen an Kaufkraft. Für jeden Augsburger sind das im Jahr 372 Euro. Über die ganze Stadt gerechnet, verliert das Geld der Augsburger im Jahr 109 Millionen Euro an Kaufkraft. "Das ist der Zinseszins-Effekt im Negativen", beschreibt Deka-Volkswirt Holger Bahr.

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"An Alternativen zum klassischen Sparbuch herantrauen"

Für Cornelia Kollmer muss daher das Ziel sein, die Bürger zum Sparen zu bewegen, und zwar zum Sparen mit derzeit sinnvollen Anlageformen. "Die Menschen müssen mutiger werden und sich auch an Alternativen zum klassischen Sparbuch herantrauen", argumentiert sie. Während Bürger in anderen Teilen Bayerns und dem Bund schon länger in gewinnbringende Formen wie Aktien oder Fonds anlegen und der Anteil an ihnen sogar steigt, ist er in Augsburg zuletzt gegen diesen Trend gesunken. "Dieses Sicherheitsbewusstsein verschärft die Lage – gerade in Niedrigzinsphasen", argumentiert Bahr. Während andere stetig mehr aus ihrem Geld machen, hält der Augsburger maximal sein Niveau, die Schere geht so immer weiter auseinander. Investmentfonds, Aktien oder Immobilien seien deshalb die erste Wahl, um gegenzusteuern. "Als gewinnbringende Anlageform sind sie derzeit alternativlos", so Kollmer.

Wer nicht mutiger anlegt, kann sich nur schwer ein Vermögen aufbauen

Das Argument, diese Art des Sparens sei den Reichen vorbehalten, entkräften die Experten. "Es kommt nicht nur auf die Summe an, sondern dass man überhaupt gewinnbringend spart. Man kann bereits mit 25 Euro pro Monat starten", so Kollmer. Die Möglichkeiten dazu wären auch vorhanden. Laut Deka-Studie stehen jedem Augsburger im Monat 197 Euro Sparpotenzial zur Verfügung. Bei einer angenommenen jährlichen Rendite von zwei beziehungsweise fünf Prozent im Zeitraum von 30 Jahren könnte so ein Vermögen zwischen 95.000 und 160.000 Euro entstehen, rechnen die Experten vor. "Es muss daher unser Auftrag sein, die Menschen für die Zinsfalle zu sensibilisieren, ihnen zu erklären, welche anderen Möglichkeiten es gibt und welche Potenziale sie nutzen sollten", so Kollmer. Auch für Volkswirt Bahr ein wichtiger Aspekt. "Hinter diesem Thema steckt ein Bildungsauftrag. Denn wer es nicht schafft, den Schritt in diese Anlageformen zu wagen, wird sich mit dem Vermögensaufbau sehr schwer tun." Gerade für junge Menschen wäre das fatal. Vor allem auch deshalb, weil sich ein Ende der Niedrigzinsphase nicht abzeichnet (Auch mit Lagarde ist kein Ende der Niedrigzinsen in Sicht ).

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11.10.2019

… ach; jetzt ist also der Sparer an der Enteignungs-0-Zins-Politik der EZB schuld - verstehe! ;o)

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10.10.2019

Wer weiss wie viel Geld in bar irgendwo versteckt wird, weil das Vertrauen in die Banken sehr gering ist. Vielleicht hat auch niemand Lust, für 2% Rendite irgendein Anlagerisiko einzugehen und in ungünstigsten Fall mehr Verluste als über die Inflation zu haben.
Und irgendwo hat keiner Lust, größere Anschaffungen mit Krediten zu finanzieren, nur weil das eigene Kapital dauerhaft in Fonds gebunden ist.

Die Stadt Augsburg kann ja umschulden und ihre Bürgern Schuldpapiere für 2% verteilen. Dann wäre das kommunale Eigentum wenigstens nicht in fremder Hand.

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