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Augsburg

15.04.2019

Die Stadt will mehr Betreuungsplätze schaffen – und zwar schnell

Die Stadt Augsburg hofft, mit Großtagespflegen Betreuungslücken schließen zu können.
Bild: Ida König (Symbolbild)

Plus Der Bau von neuen Kindertagesstätten dauert. Daher werden Großtagespflegen eröffnet, um Betreuungslücken zu schließen. Doch es gibt noch Herausforderungen.

In den Gebäuden hinter dem japanischen Restaurant in der Schertlinstraße finden sich Büros, die Übungsräume einer Selbstverteidigungsschule und eine Art Mini-Kita. Die Einrichtung befindet sich in einem ehemaligen Büro und ist die erste städtische Großtagespflege, die Anfang April ihren Betrieb aufgenommen hat. Mit dieser Form will die Stadt schnell und unkompliziert Betreuungsplätze schaffen.

"Bis neue Kindertagesstätten geplant und gebaut werden, dauert es einfach sehr lange", betont Eva Hermanns, Leiterin der städtischen Kitas. Neue Kitas, wie etwa die Einrichtung an der Schwimmschulstraße, werden derzeit gebaut. Dennoch bleibt keine Zeit, die Eröffnung abzuwarten. Denn nach wie vor fehlen in Augsburg Betreuungsplätze. Allein im vergangenen Jahr blieben 400 Kinder unversorgt.

Zehn Plätze wird die Großtagespflege in der Schertlinstraße zum städtischen Angebot an Betreuungsplätzen nun beisteuern. Lea und Ada stürzen sich bereits mit Begeisterung auf das neue Spielzeug. Die beiden zweijährigen Mädchen werden derzeit eingewöhnt. Die Mutter von Lea ist „überglücklich“, dass sie einen Platz in der Einrichtung bekommen hat. „Mein Mann und ich sind beide berufstätig. Die Omas haben zuletzt bei der Betreuung geholfen, aber das sollte keine Dauerlösung sein. Wir waren schon alle an der Belastungsgrenze und ganz schön verzweifelt“, erzählt sie.

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Kitaplätze in Augsburg: 400 Kinder blieben 2018 unversorgt

In den vergangenen Monaten hat Eva Hermanns „die Stadt auf links gedreht“, wie sie sagt. Immer auf der Suche nach Immobilien, die für eine Großtagespflege infrage kommen könnten. Das können auch Büroräume sein oder ehemalige Läden. „Natürlich müssen die Räume geeignet sein. Bei einer Großtagespflege gibt es aber andere Auflagen, als bei einer Kita. Es müssen beispielsweise keine Freispielflächen vorhanden sein“, erklärt Hermanns. Gewerbeflächen können, sofern es der Bebauungsplan zulässt, umgenutzt werden.

Sie hat weitere Immobilien im Blick: Sowohl in der Armenhausgasse, in der Gögginger Straße oder in der Friedberger Straße/Ecke Hochzoller Straße könnten solche Großtagespflegen entstehen. „München und Nürnberg setzen ebenfalls auf diese Form, um dem Engpass an Betreuungsplätzen entgegenzuwirken“, sagt Eva Hermanns. Für die Unterbringung einer Großtagespflege benötige sie eine Immobilie mit rund 150 Quadratmetern, die sich im Erdgeschoss befindet, über zwei Parkplätze und möglicherweise einen Grünstreifen verfügt.

Für Ausflüge in den nahe gelegenen Prinz-Karl-Park oder den Wittelsbacher Park erhält die Großtagespflege in der Schertlinstraße noch zwei „Kinderkutschen“, zwei Sechs-Sitzer, in denen die Kinder zu einem Spielplatz oder einer Wiese geschoben werden können. Erzieherin Elisabeth Bacher freut sich auf ihre Arbeit in der neuen Einrichtung. „Ich habe 20 Jahre bei städtischen und 20 Jahre bei freien Trägern gearbeitet. 34 Jahre war ich Kindergartenleiterin“, erzählt sie.

Großtagespflegen schaffen weitere 120 Plätze

Auch bei den freien Trägern ist die Großtagespflege ein Thema – wenn auch eher ein Nischenthema, wie Sozialbürgermeister Stefan Kiefer (SPD) beschreibt. „Wir haben derzeit 122 Kinder in zwölf Einrichtungen der Großtagespflege“, sagt er. Zehn weitere sind in Planung, die entsprechend zu weiteren 120 Plätzen führen werden. Für Kiefer ist die Großtagespflege eine „sinnvolle und vergleichsweise schnell verfügbare Ergänzung“ der Betreuungsangebote. „Sie hat den Vorteil, dass hier das Kind eine engere persönliche Bindung zur Betreuungsperson entwickeln kann, weil der Betreuungsschlüssel besser ist – maximal fünf Kinder pro Tagespflegeperson“, sagt er.

Ein dauerhafter Ersatz für eine reguläre Kita könne die Großtagespflege in seinen Augen aber nicht sein, weil die räumlichen und pädagogischen Voraussetzungen in einer Kita besser seien. Kiefer: „Gleichwohl wollen wir, dass auch die Großtagespflege sich inhaltlich weiter entwickelt. Dazu haben wir bereits entsprechende Beschlüsse gefasst.“ Dass eine Großtagespflege keine Kita im klassischen Sinn sei, bestätigt auch Eva Hermanns.

Die erste Großtagespflege der Stadt in der Schertlinstraße: Elisabeth Bacher (rechts) und Silva Reuter kümmern sich um Ada (links) und Lea.
Bild: Silvio Wyszengrad

„In der Einrichtung in der Schertlinstraße werden sich zwei Tagesmütter um zehn Kinder kümmern. Ich will drei Mitarbeiter in solch einer Einrichtung haben, damit im Krankheitsfall keine Schieflage entsteht.“ Der Betreuungsstandard werde in diesen Einrichtungen aber nicht sinken. „Ich will pädagogische Qualität und habe natürlich auch einen Bildungsauftrag“, betont sie. Teilweise würden sich unter den Tagesmüttern ausgebildete Erzieher oder Kinderpfleger befinden, Quereinsteiger würden durch die Agentur für Kindertagespflege (agita) des Kinderschutzbundes Augsburg überprüft.

Neben den Großtagespflegen, will die Stadt nun im nächsten Schritt auch Horte zusammenlegen, um Engpässen in Kitas entgegenwirken. In der Brixener Straße in Lechhausen wird zunächst eine Einrichtung für 100 Hortkinder geschaffen. Dort wurde eine Immobilie mit 850 Quadratmeter Fläche und Außenbereich angemietet. „Dort werden 72 Hortkinder, die derzeit die Kitas in der Euler-Chelpin-Straße und Schleiermacherstraße besuchen, untergebracht. Damit werden in den Kitas 72 Plätze frei“, rechnet Bildungsreferent Hermann Köhler (CSU) vor.

Daneben werden 28 weitere Hortplätze in der zentralen Einrichtung geschaffen. Im Sommer soll sie in Betrieb gehen.

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