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20.01.2009

Die jüngsten Genies an der Uni

Analysis-Vorlesungen an der Universität statt Musikunterricht in der Schule, so sehen die Freitage von Susanne Westphal aus. Sie ist eine von zwölf Schülern, die in diesem Semester in Augsburg ein Frühstudium begonnen haben.

Diese kostenlose Form des Studiums soll es hochbegabten Gymnasiasten ermöglichen, schon während der Schulzeit Leistungsscheine beziehungsweise Punkte für ihr späteres Studium zu erwerben. Die meisten der an der Universität Augsburg eingeschriebenen Schüler besuchen Vorlesungen der Mathematik, einer studiert Informatik und eine Studentin Philosophie. Um neben der Schule studieren zu dürfen, ist das Einverständnis der Eltern und der Schulleitung nötig.

Wenig Bedenkzeit blieb Gymnasiastin Susanne Westphal vom Dossenberger-Gymnasium in Günzburg, als ihre Lehrerin sie fragte, ob sie ein Frühstudium aufnehmen will. "Meine Mathelehrerin hat in der letzten Woche des vergangenen Schuljahres drei Schüler angesprochen, ob sie Interesse haben. Wir sollten uns bis zum Ende der Woche entscheiden und ich bin die Einzige, die es dann gemacht hat." Ermutigt wurde die Elftklässlerin von ihren Eltern, die beide Mathematiklehrer sind. "Helfen können mir meine Eltern aber nicht wirklich. Das ist etwas völlig anderes als der Mathematikunterricht in der Schule."

Diese Ansicht teilt auch Philipp Düren vom Holbein-Gymnasium Augsburg. "Man kann von dem vermittelten Wissen fast nichts für die Schule verwenden." Das Studium sei nicht mit der Schulmathematik vergleichbar. In der Schule gehe es um Flächen und Längen, an der Universität um mathematische Beweise. "In der Schule nimmt man Dinge einfach als gegeben hin, im Frühstudium sieht man erst mal, wie kompliziert ein Beweis ist."

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Für den Dreizehntklässler ist das Frühstudium "eine geniale Sache" und ein gelungener mathematischer Beweis "ein tolles Gefühl". Neben den Einführungsvorlesungen und den dazugehörigen Übungen wenden Philipp und Susanne jede Woche noch etwa drei bis vier Stunden auf, um neben dem Schulstoff auch jenen aus den Vorlesungen aufzuarbeiten. "Das Arbeitstempo ist ziemlich hoch, es fehlt einem teilweise die Zeit, sich in das Thema hineinzuversetzen, deswegen muss man es sich nochmal ansehen", erklärt Philipp. Die Idee, auch in Augsburg ein Frühstudium anzubieten, ging von der Dienststelle des Ministerialbeauftragten für Gymnasien aus. "Vor einem Jahr rief mich ein Mitarbeiter an und erzählte mir, dass zwei Schüler vom Holbein-Gymnasium nach München zum Frühstudium fahren und fragte, ob man so etwas nicht auch in Augsburg einrichten könne", berichtet Professor Volker Blum, Lehrstuhl für Didaktik der Mathematik, über die Anfänge. Erfahrungen mit dem Frühstudium hatte Blum bereits in Erlangen gemacht, wo er als Lehrer arbeitete. Die dortige Universität bietet ein entsprechendes Angebot für begabte Schüler schon längere Zeit an.

"Wenn man in Deutschland von Förderung redet, sind meist die Schwachen gemeint, aber auch die Leistungsstarken haben ein Recht auf Förderung", so der Professor. Erfreut ist er darüber, dass fast alle Teilnehmer das Angebot nicht nur zum Schnuppern nutzen, sondern längerfristig mitmachen wollen. "Wir haben vor Weihnachten unsere Frühstudenten gefragt, fast alle sagten, dass es anspruchsvoll, aber gut machbar sei. Ich hätte erwartet, dass doch mehr wieder abspringen, aber das ist nicht der Fall." Dass die Schüler mehr Probleme hätten als andere Studenten, glaubt Blum nicht. "Der Unterschied fällt nicht auf, schließlich sind es Hochbegabte." "Meinung

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